Goldfund von Bernstorf stammt wohl doch nicht aus der Bronzezeit

Neue Materialanalysen zeigen, dass es sich um modernes Gold handelt

Als im Jahr 1998 im Umfeld der mittelbronzezeitlichen Befestigungsanlage im bayerischen Bernstorf mehrere Gold- und Bernsteinobjekte gefunden wurden, sorgte das für jede Menge Gesprächsstoff. Rätselhafte, anscheinend der mykenischen Linearschrift B zuzuordnende Zeichen auf den Bernsteinobjekten und erste Materialanalysen des Goldes, die Ähnlichkeiten mit Funden aus dem Grab des ägyptischen Pharaos Echnaton zeigten, wurden als Beleg für Handelsbeziehungen zwischen Bayern und dem Mittelmeerraum während der Bronzezeit gewertet. Die Ergebnisse neuer Materialanalysen, die am gestrigen Donnerstag in einem neu erschienenen Tagungsband vorgelegt wurden, zeigen nun allerdings, dass das Gold einen Reinheitsgrad von 99,99% aufweist - und demnach mit modernen Verfahren hergestellt worden sein muss. Auch die Echtheit der Bernsteinfunde wird nun in Zweifel gezogen.

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Tagungsband
Die Untersuchungsergebnisse sind im soeben erschienenen Tagungsband zum 6. Mitteldeutschen Archäologentag publiziert. Bild: LDA Sachsen-Anhalt

Bereits bei den ersten Materialanalysen an den Goldobjekten hatte man einen außerordentlich hohen Reinheitsgrad des Goldes festgestellt. Man vermutete daher, das Material stamme möglicherweise aus Ägypten, wo im Grab des Pharaos Echnaton (KV55) ebenfalls Goldobjekte von hoher Reinheit gefunden worden waren.

Für die neuen Analysen, deren Ergebnisse gestern in einem Tagungsband zum 6. Mitteldeutschen Archäologentag veröffentlicht wurden, hat Prof. Ernst Pernicka, wissenschaftlicher Leiter des Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim, mit Hilfe neuester Verfahren und modernsten Messgeräten die noch vorliegenden Proben aus Grab KV55 und des Bernstorfer Goldes noch einmal untersucht.

Dabei stellte er fest, dass das Gold von Bernstorf in seiner Zusammensetzung erhebliche Unterschiede zum ägyptischen Gold von KV55 aufweist. Die Herkunftsaussage, das Bernstorfer Gold komme aus Ägypten, sei daher »nicht haltbar«. Zudem sehe er im Jahr 2012 publizierte Analyseergebnisse durch die neuen Untersuchungen nicht bestätigt - das Gold weise mit 99,99 einen noch deutlich höheren Reinheitsgrad auf. Die in der Publikation genannten Gehalte von Spurenelementen entsprächen der Nachweisgrenze, die mit den damals verwendeten Verfahren möglich waren.

Pernicka kommt in seinem jetzt veröffentlichten Untersuchungsbericht zu dem Schluss, dass es sich bei dem Gold von Bernstorf um »modernes, elektrolytisch gereinigtes Gold handelt«, denn auch die Konzentration der Spurenelemente liegen in ähnlichen Bereichen wie bei modernem Gold. »Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es sich bei den Goldfunden von Bernstorf um moderne Imitationen handelt«, schreibt Pernicka.

Neben den Goldfunden haben auch zwei ebenfalls in Bernstorf gefundene Stücke aus Bernstein für anhaltende Diskussionen gesorgt. Sie tragen Inschriften, von denen zumindest eine der mykenischen Linearschrift B zugeordnet wird, was bronzezeitliche Verbindungen zum Mittelmeerraum nahelegt. Die gestern publizierten Analyseergebnisse werfen nun die Frage auf, ob auch diese Funde möglicherweise nicht aus der Bronzezeit stammen. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung wurden bei einer Tagung, die Anfang Oktober in München zu den Bernstorf-Funden stattfand, entsprechende Zweifel an der Echtheit der Bernsteinfunde und am Alter der Lehmummantelung geäußert.

Die neuen Analysen sind in dem Tagungsband des im Jahr 2013 durchgeführten 6. Mitteldeutschen Archäologentages veröffentlicht, der am gestrigen Donnerstag vorgestellt wurde. Aktuell treffen sich beim 7. Mitteldeutschen Archäologentrag in Halle an der Saale etwa 300 Wissenschaftler, um über die Folgen eines klimatischen Umbruchs im 3. Jahrtausend vor Christus zu diskutieren.

 

Publikation

Metalle der Macht – Frühes Gold und Silber. Metals of Power – Early Gold and Silver. 6. Mitteldeutscher Archäologentag vom 17. bis 19. Oktober 2013 in Halle (Saale). 6th Archaeological Conference of Central Germany October 17–19, 2013 in Halle (Saale). Hrsg. von Harald Meller, Roberto Risch und Ernst Pernicka. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 11 (Halle [Saale] 2014).
Doppelband, 956 Seiten, Hardcover
durchgehend farbig bebildert
ISSN 1867-4402
ISBN 978-3-944507-13-2
Preis: 119,- €

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