Mehrere seltene Bronzekessel in Schaalby entdeckt

In Schaalby (Kreis Schleswig-Flensburg) wurden mehrere seltene Bronzekessel aus der Römischen Kaiserzeit beziehungsweise der Völkerwanderungszeit (3.–5. Jahrhundert n. Chr.) entdeckt. Vergleichbare Funde sind in Schleswig-Holstein bislang nur ein weiteres Mal belegt. Die Gefäße wurden als Block geborgen und anschließend mittels Computertomographie untersucht, um ihren Kontext und mögliche Inhalte schonend zu analysieren.

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Vorbereitung der Blockbergung
Der Block für die Kesselbergung wird vorbereitet. Quelle: ALSH

Entdeckt wurden die Gefäße im Spätherbst des vergangenen Jahres durch eine dänische Detektorgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein. Ein zunächst unscheinbares Signal führte zu Fragmenten eines Bronzekessels mit charakteristischen Henkelansätzen. Weitere Gefäßteile deuteten bald darauf hin, dass es sich um sogenannte Vestlandkessel handelt – provinzialrömische Importgefäße, die ursprünglich im Einflussbereich des Römischen Reiches hergestellt wurden.

Zeugnisse überregionaler Verbindungen

Vestlandkessel sind vor allem aus Skandinavien sowie aus Regionen entlang des Rheins und der Nordseeküste bekannt. Im östlichen Nordseegebiet und insbesondere in Schleswig-Holstein stellen sie jedoch eine ausgesprochene Ausnahme dar. Solche Gefäße sind mehr als reine Alltagsgegenstände. Als Importprodukte geben sie Hinweise auf Kontakte, Austausch und Handelsbeziehungen zwischen dem römischen Einflussraum und den Gesellschaften Nordeuropas vor rund 1.500 bis 1.700 Jahren. Erste Hinweise sprechen dafür, dass mehrere Kessel ineinandergestellt und gemeinsam niedergelegt wurden. 

Depotfund oder Bestattung?

Der genaue Kontext der Niederlegung ist derzeit noch ungeklärt. Vergleichbare Gefäße wurden andernorts sowohl als Urnen für Brandbestattungen als auch als Grabbeigaben oder als Teil von Hortniederlegungen entdeckt. Die laufenden Untersuchungen sollen klären, ob es sich in Schaalby um eine Bestattung oder um einen Depotfund handelt, wie viele Gefäße tatsächlich zu dem Befund gehören und ob sich im Inneren weitere Hinweise erhalten haben.

Aufgrund ihres fragilen Zustands werden die Gefäße im Rahmen einer sogenannten Blockbergung geborgen. Dabei werden sie gemeinsam mit dem umgebenden Erdreich stabilisiert und als geschlossene Einheit entnommen. Dieses Verfahren schützt empfindliche Strukturen und bewahrt den archäologischen Zusammenhang.

Anschließend wird der Block mithilfe moderner Computertomographie (CT) im Fraunhofer Institut für Individualisierte Medizintechnik (IMTE) untersucht. Diese zerstörungsfreie Methode erlaubt es, bereits vor der eigentlichen Freilegung Einblicke in das Innere der Gefäße zu gewinnen. So können mögliche Inhalte oder weitere Objekte erkannt werden, ohne den Befund zu gefährden.

Gleichzeitig liefert die CT wichtige Hinweise für die anschließende Freilegung im Labor: Bereiche mit auffälligen Strukturen oder Materialunterschieden können gezielt und besonders vorsichtig bearbeitet werden. Dadurch lässt sich das Erdreich kontrolliert von den Metalloberflächen oder anderen Bestandteilen trennen.

Ein Fund in historisch bedeutender Landschaft

Der Fundort liegt in einer archäologisch reichen Region. In der Umgebung sind unter anderem Siedlungsspuren aus der Wikingerzeit bekannt. Die nun entdeckten Kessel sind jedoch deutlich älter und zeigen, dass dieses Gebiet bereits in der Römischen Kaiserzeit/ Völkerwanderungszeit in überregionale Netzwerke eingebunden war.

Die Entdeckung erfolgte im Rahmen des Projekts "Veteraner i Arkæologien" der Universität Aarhus. Das Projekt richtet sich an Veteraninnen und Veteranen militärischer Auslandseinsätze und verbindet archäologische Forschung mit gesellschaftlichem Engagement und internationaler Zusammenarbeit.

Der Fund besitzt erhebliches wissenschaftliches Potenzial. Seine Seltenheit in Schleswig-Holstein, der bislang ungeklärte Kontext und die Möglichkeit moderner Untersuchungsmethoden eröffnen neue Perspektiven für die Erforschung von Austauschbeziehungen und kulturellen Verflechtungen in der Römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit. Die kommenden Monate werden zeigen, welche weiteren Erkenntnisse sich aus den rund 1.500 Jahre alten Gefäßen gewinnen lassen.

Detailaufnahme des Kesselfundes
Nur ein kleiner Teil der Kesselränder ragt aus der Erde heraus. Quelle: ALSH
Bagger bei Blockbergung
Ein Bagger unterstützt die Blockbergung der Kiste. Quelle: ALSH