Schweizweit erster Nachweis von spätmittelalterlichem Töpferhandwerk auf dem Land
Beim Aushub von Alterswohnungen an der Sonnenbergstrasse in Würenlingen wurde 2021 ein Töpferofen entdeckt. Schon zuvor war im Sommer 2020 im Randbereich einer Baugrube am Rennweg eine Grube mit Keramikscherben zum Vorschein gekommen. In zwei Rettungsgrabungen untersuchte die Kantonsarchäologie die archäologischen Strukturen und barg die Funde. Die Resultate der Auswertung dieser Überreste sind nun in einer wissenschaftlichen Publikation der Kantonsarchäologie veröffentlicht worden.
Bis zum Jahr 2020 fehlten Nachweise zum spätmittelalterlichen Töpferhandwerk in ländlichen Regionen der Schweiz fast völlig. Die Rettungsgrabungen in Würenlingen erbrachten den archäologischen Beleg dazu. In der Baugrube an der Sonnenbergstraße 2−6 kamen im östlichen Teil der Rest einer spätmittelalterlichen Kulturschicht, der Abbruchschutt eines Fachwerkhauses und zahlreiche Fragmente von Gefäßen sowie Napf- und Tellerkachelfragmente zum Vorschein. Zwei fast vollständig erhaltene Kachelmodel waren ein erstes starkes Indiz dafür, dass sich im näheren Umfeld eine Hafnerwerkstatt befunden haben musste.
Weiter westlich wurde der untere Teil eines liegenden Töpferofens mit einer Länge von 2,6 Metern freigelegt, der einen birnenförmigen Brennraum aufwies und sich zur Feuerung hin auf 80 Zentimeter verjüngte. Die möglicherweise daran anschliessende Arbeitsgrube war durch Aushubarbeiten vermutlich bereits unbemerkt entfernt worden. Im Brennraum konnten Reste von mindestens drei Ofenböden sowie der Ansatz einer Kuppel aus Quarzitgeröllen und Tuffsteinquadern dokumentiert werden. Ausserdem wurden Reste potenzieller Pfostengruben erfasst, die zu einem Schutzbauwerk oder einem Schuppen gehört haben könnten.
Aus der mit Töpfereiabfällen gefüllten Grube vom Rennweg wurden rund 2.500 Funde geborgen. Es ist fast ausschliesslich Gefäßkeramik mit nur wenig Ofenkeramik. An der Sonnenbergstraße wurden auf der gesamten Grabungsfläche, insbesondere aber aus den Abwurfhalden beim Ofen über 11.000 Funde geborgen. Dabei handelt es sich um fast 90 Prozent Gefässkeramik, der Rest setzt sich aus Ofenkeramik und Baukeramik zusammen. Hervorzuheben sind mehrere Modelfragmente sowie eine detailliert gearbeitete kleine Reiterfigur aus Ton. Die Gefäßkeramikformen datieren in die Mitte des 13. bis ins erste Viertel des 15. Jahrhunderts. Die Motive der Teller- und Blattkacheln, aber auch der Modelfragmente sind typisch für das 14. Jahrhundert.
Würenlingen ist der erste Fundort mit archäologischem Beleg von spätmittelalterlichem Töpfereihandwerk ausserhalb städtischen Gebiets. Anhand der Datierung der Keramikabfälle lässt sich vermuten, dass der Betrieb am Rennweg ein Vorgänger der Töpferei an der Sonnenbergstraße gewesen sein könnte. Mithilfe grober Schätzungen lässt sich ableiten, dass mit einem Brand pro Jahr der Eigenbedarf der Dorfgemeinschaft bereits gedeckt war. Die überschüssige Ware musste folglich anderweitig abgesetzt werden. Würenlingen lag verkehrstechnisch günstig zwischen Baden und Bad Zurzach – beides Orte mit urkundlich belegten Jahrmärkten, deren Wurzeln sich bis ins Spätmittelalter verfolgen lassen und die wichtige Vertriebsorte für die Würenlinger Waren gewesen sein könnten.
Publikation
Töpfern auf dem Lande - Spätmittelalterliches Töpferhandwerk in Würenlingen
Archäologie im Aargau 8. Basel, Frankfurt a. M. 2026
https://librum-publishers.com/toepfern-a...








