Feldbegehung 2.0: Bayern digitalisiert Erfassung archäologischer Fundplätze

„Archäologie am Puls der Zeit“: Staatsminister Blume startet „ArchaeoSurveyTracker“, die digitale Plattform für Ehrenamtliche in der Bodendenkmalpflege

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ArchaeoSurveyTracker App
Funde werden digital erfasst auf dem Feld, Symbolbild. Foto: BLfD.

Ob Relikte von steinzeitlichen Jägern und Sammlern oder Wall-Graben-Anlagen des Mittelalters – vielfach sind es Ehrenamtliche, die im Rahmen ihrer Erkundungsgänge erste Hinweise auf im Boden verborgene, historisch bedeutsame Orte in Bayern liefern, spätere Bodendenkmäler. Klassisches Instrument zum Entdecken archäologischer Fundplätze sind seit Jahrzehnten systematische Begehungen im Gelände. Nun erreichen diese ein modernes Zeitalter: Als deutschlandweit erstes Bundesland stellt der Frei- staat ab sofort eine digitale Möglichkeit für ehrenamtlich Engagierte zur Erfassung, Verarbeitung, Auswertung und gesetzlich verpflichtenden Meldung von archäologischen Funden und Strukturen bereit. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) hat in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und unterstützt von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. eine Software – den ArchaeoSurveyTracker (ASTRAcker) – entwickelt, um die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in der Bodendenkmalpflege in Bayern zeitgemäß zu unterstützen. 

Kunstminister Markus Blume: »Vom Acker in die App – Bayern bringt die Archäologie ins Digitalzeitalter: Mit dem ASTRAcker heben wir die archäologische Feldforschung und Bodendenkmalpflege in Bayern auf ein neues Level. Ehrenamtliche können ihre Funde digital erfassen und melden – unkompliziert, effizient und praxisnah. Das erleichtert die Arbeit vor Ort spürbar und ist ein echter Gewinn für die Aktiven wie für die Forschung. So geht Archäologie am Puls der Zeit.« 

Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD: »Unsere Ehrenamtlichen sind unverzichtbar, um archäologische Fundplätze zu identifizieren. Je exakter und umfassender ihre Beobachtungen sind, desto präziser und belastbarer ist anschließend die denkmalfachliche Bewertung durch das Landesamt. Hier setzt der ASTRAcker an: Das Verfahren ist standardisiert und Informationen zu den Funden und Fundorte gehen ab sofort digital bei uns ein – die beste Grundlage für den erfolgreichen Schutz unserer Bodendenkmäler.« 

Prof. Thorsten Uthmeier, Inhaber des Lehrstuhls für Ältere Urgeschichte und Archäologie Prähistorischer Jäger und Sammler an der FAU: »Der ASTRAcker hat bereits jetzt einen wichtigen Beitrag in der Ausbildung der Studierenden der Archäologischen Wissenschaften an der FAU Erlangen-Nürnberg geleistet. Das Team der Lehrenden des Instituts für Ur- und Frühgeschichte hat gemeinsam mit ihnen in mehreren Lehrveranstaltungen die inhaltliche Grundstruktur der App entwickelt. Für zukünftige Geländepraktika des Instituts haben wir den Einsatz der App fest eingeplant.« 

Prof. Dr. Bernd Päffgen, Vorsitzender der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V.: »Seit vielen Jahrzehnten sind ehrenamtlich tätige Feldbegeher in ganz Bayern aktiv und erfassen so potentielle Bodendenkmalflächen. Die Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. hat die Entwicklung des ASTRAckers begleitet und gefördert. Davon erhoffen wir uns einen Technologieschub, der auch jüngere Interessierte an diese Dinge heranführt und attraktiv macht.«

Den an der Landesarchäologie interessierten Bürgerinnen und Bürgern – darunter die aktuell knapp 3000 Mitglieder der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. – steht damit ein neues Instrument zur Verfügung, um die bei Feld- und Geländebegehungen gewonnenen Informationen zu erfassen und archäologische Fundplätze und Funde gemäß den gesetzlichen Vorgaben zu melden. Mit der maßgeschneiderten digitalen Software können Nutzerinnen und Nutzer des »ArchaeoSurveyTracker« nun über eine App alle relevanten Informationen wie die Beschreibung der Funde und des Fundortes digital zügig direkt im Gelände festhalten. Alle Beobachtungen werden beim Speichern mit einer GPS- Koordinate lagegenau erfasst. Am heimischen PC können die Ehrenamtlichen ihre Daten in der zugehörigen Webanwendung des ASTRAcker verwalten, selbständig auswerten und abschließend das BLfD mit nur einem Klick unkompliziert informieren. Mühsame Zusammenstellungen von Daten, Ko- ordinaten und Karten bis hin zum Ausdrucken und Scannen eines analogen Meldeformulars gehören damit der Vergangenheit an. 

Weitere Informationen sind auf der Website des BLfD, Sachgebiet Ehrenamt in der Bodendenkmalpflege, abzurufen. Interessierte finden hier Ansprechpersonen für den ASTRAcker und Informationen, wie App und Webanwendung mit den entsprechenden Zugängen zu erhalten sind.