Rom: Älteste Apostel-Darstellungen entdeckt

Nach zwei Jahren intensiver Forschungen in der Katakombe der Heiligen Thekla entdeckten römische Archäologen Wandmalereien mit den Aposteln Petrus, Andreas und Johannes. Fabrizio Bisconti, der Direktor der archäologischen Arbeiten, stellte die Fresken der Öffentlichkeit vor: »Dies sind die ältesten Darstellungen der Apostel und sie stammen vom Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr.« Das Fresko mit dem Bild des Paulus war während der Grabungen 2009 freigelegt worden, die der anderen drei Apostel erst in der Saison 2010.

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Die Katakombe der Heiligen Thekla liegt ca. einen halben Kilometer von der Kirche San Paolo fuori le mura entfernt, eine der sieben Pilgerkirchen Roms. Die Fresken befinden sich in der Grabstätte einer spätrömischen Aristokratin, die ihr Grab mit christlichen Motiven dekorieren ließ. Das Gewölbe zeigt außerdem noch Abbildungen einer Versammlung der Apostel mit Christus in ihrer Mitte und einer reich geschmückten römischen Matrone sowie ihrer Tochter; beide mit erhobenen Händen, der frühchristlichen Gebetshaltung. Die Decke ist mit einer engmaschigen farbigen Kassettendecke in Freskenmalerei verziert, die vielleicht die der Basilica San Paolo imitiert.

Die Katakombe der Heiligen Thekla entstand im 3. Jahrhundert n. Chr. auf dem Gelände einer verlassenen Kalkgrube und Färberei. Die kleine, anfangs heidnische Katakombe verlor im Laufe des 4. Jahrhunderts ihren heidnischen Charakter. Es wurde eine unterirdische christliche Basilika errichtet, an deren Rückseite sich drei Wandelgänge in Form eines gleichschenkeligen Dreiecks anschließen. Hier befinden sich 22 größere Grabstätten von frühen Christen.

Das Gebiet des antiken christlichen Friedhofs ist heute teilweise von mehreren modernen Villen überbaut. Glücklicherweise haben die Ausschachtungsarbeiten die Katakombe nicht völlig zerstört. Ausgrabungen in den 1950er Jahren ergaben, dass sie ein recht großes Gebiet einnahm. Ungewöhnlich ist die dichte Grablege. Wie in Katakomben üblich, so befinden sich auch hier in den Wänden der bis zu drei Meter tiefen Gänge Loculi, kleine Gräber. Loculi liegen in langen Reihen neben- und untereinander angeordnet und boten bis zu drei Bestattungen Platz. Sie sind mit Ziegelplatten verschlossen und teilweise verputzt. Auf dem hellen Verputz wurden mit roter Farbe Namen oder andere Beischriften in Griechisch oder Latein aufgetragen.
In der Katakombe der Heiligen Thekla war der Platz derartig knapp, dass man in 12 von 22 größeren Gräbern, nachdem deren Loculi besetzt waren, die Verstorbenen auch in der Mitte des Raumes beisetzte. Abgedeckt waren die Leichname mit Ziegelplatten in Form eines Spitzdaches. War eine Schicht belegt, dann wurden die nächsten Toten wiederum auf diesen Särgen bestattet; so lange, bis der Gang gefüllt war.

In einer der größeren Grabkammern fand die spätrömische Matrone ihre letzte Ruhe, in deren Grab man nun die Darstellungen der Apostel Petrus, Paulus, Andreas und Johannes gefunden hat. Die Fresken waren in einem so schlechten Zustand, dass die Restautoren mit einem hochmodernen Speziallaser vorsichtig die Lehm- und Kalkschichten entfernen mussten.

 

  • Anmerkung: Aus rechtlichen Gründen können wir an dieser Stelle keine Fotos der Apostelbilder veröffentlichen. Damit Sie sich dennoch einen Eindruck von den Bildern machen können, haben wir unten einige Links zu Seiten zusammengestellt, wo Abbildungen der Fresken zu sehen sind.

Kommentare (5)

  • Alf
    Alf
    am 10.07.2010
    Wer sagt denn dass die Bilder die Apostel zeigen? Steht doch nichts drunter.
    Soviel ich weiß, ist die Bildermalerei schon vor 6000 Jahren in den ägyptischen Pyramiden begonnen worden. Das sind für mich stinknormale Gesichter. Ebensogut könnt ihr behaupten, der Leichnam des Apostel Paulus sei unter der Grabkirche in Jerusalem entdeckt worden. Beides Spekulation!
  • Klaus F.
    Klaus F.
    am 10.07.2010
    Ob das Spekulation ist, sei dahingestellt. Aber es wäre interessant nachzulesen, warum es Apostel sein sollen. Der Artikel gibt da leider keine Auskunft
  • phil
    phil
    am 10.07.2010
    ohne dass ich mich genauer mit diesem thema von s.thekla beschäftigt habe, nur soviel: in der kunstgeschichte und klassischen, christlichen usw. archäologie gibt es eine unterdisziplin "ikonographie" !
    wenn also der apostel paulus in 9 fällen mit spitzem bart und namen darunter dargestellt wird und sein bildtyp somit bekannt ist, dürfte es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei einem neu gefundenen 10ten darstellung nur eben ohne namen auch um den apostel paulus handelt (aber eben mit einer gewissen wahrscheinlichkeit)
  • phil
    phil
    am 10.07.2010
    ergänze: wenn diese 10. darstellung den gedachten 9 anderen seehr ähnlich ist!
  • die Autorin
    die Autorin
    am 11.07.2010
    Phil hat eindeutig Recht - aus gibt so etwas wie Ikonografie, und die Abbildungen der Aopstel passen eindeutig in die frühchristliche Ikonografie.

    Ein anderer Aspekt - nur weil die Bildredakteure einer Zeitung die Abbildungen nicht mit Unterschriften und Namen versehen haben, heißt das doch nicht, dass alles Spekulation ist :-))

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