Römischer Ziegelbrand brachte hohe Leistung und gute Qualität

Experiment des LWL im Ziegeleimuseum Lage beendet

Dr. Andreas Immenkamp vom LWL-Industriemuseum zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden. Gut zwei Wochen musste er sich gedulden, bis die Ziegel nach dem Brand im römischen Ofen abgekühlt waren und ausgeräumt werden konnten.

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Blick von oben in die Ofenkammer (Foto: LWL / Immenkamp)
Blick von oben in die Ofenkammer (Foto: LWL / Immenkamp)

"Mit dem Ergebnis des zweiten Ziegelbrandes haben wir deutlich die Ergebnisse des ersten Brandes aus dem Jahr 2009 übertroffen.", erklärte er nach der Öffnung des Ofens. Das Projekt experimenteller Archäologie, das der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) in seinem Ziegeleimuseum in Lage startete, fand damit seinen Abschluss.

Insgesamt wurden nach römischer Art 10.000 Ziegelsteine gebrannt, die Besucher des LWL-Industriemuseums nun sauber aufgeschichtet in Augenschein nehmen können. Es hatte sich in der Tat als richtiger Schritt herausgestellt den Ofen leicht zu verändern. Dazu wurden die Ofenwandungen deutlich erhöht und die Ofendecke mit zusätzlichen Kaminaufsätzen ausgebildet. "Durch diese Maßnahmen haben wir die Zugverhältnisse im Ofen und damit auch die Brenntemperatur entscheidend steigern können", erläutert Immenkamp. "Unser Ziel war es die Grenze der Leistungsfähigkeit eines solchen Ofens zu bestimmen, um verlässliche Informationen über Qualität und Quantität römischer Ziegeleien zu erhalten."

Immerhin erzielten die Brenner im Kernbereich des Ofens eine Temperatur von mehr als 1000°C. "Damit ist der Beweis erbracht, dass die Römer mit ihren Mitteln bereits Temperaturen erreicht haben, die bei der heutigen hochtechnisierten Ziegelindustrie Standard sind", so Immenkamp. Allerdings wurde diese hohe Temperatur nicht in der gesamten Brennkammer des Ofens erreicht. Temperaturunterschiede von ca. 400°C waren zu registrieren. Das zeigt, dass zu römischer Zeit mit einem Ofen dieses Typs nur unterschiedliche Produktqualitäten zu erzielen waren. Von Schwachbrand bis fast Klinkerqualität erstreckt sich die Produktpalette. Immenkamp dazu: "Auch Ziegel, die mit geringeren Temperaturen gebrannt worden sind, eigneten sich für den Hausbau."

Die maximale Leistungsfähigkeit eines solchen Ziegelofens haben die Wissenschaftler vermutlich nicht ausgeschöpft: "Wir haben in der obersten Schicht des Besatzes immerhin noch Temperaturen von knapp 900°C erreicht und hätten sicherlich pro Brand noch mehr Ziegel in verwertbarer Qualität herstellen können. Es ist davon auszugehen, dass die römischen Ziegelöfen deutlich mehr an Kapazität aufnehmen konnten bzw. an Leistung erbrachten als es Archäologen bisher angenommen haben," erläutert Immenkamp.

Immerhin brachten die Ergebnisse dieses Praxistests Aufschluss über die verbrauchte Menge an Brennmaterial, auch konnte nun der Ablauf des Brennvorgangs präzise nachvollzogen und die Schwachstellen im Ofengefüge aufgedeckt werden. Von größter Bedeutung jedoch waren die quantitativen und qualitativen Ergebnisse: Mit einem Ziegelofen dieser Größe konnten pro Saison (April bis Ende Oktober) mindestens 240 Tonnen gebrannte Ziegelware, was etwa 80.000 normalen Ziegelsteinen entspräche, hergestellt werden. Etwa ein Drittel der Ziegel erreichte eine Güte die den heutigen Qualitätsanforderungen entspricht.

Die Ofenarbeiter bei der Entnahme der ersten Ziegel (Foto: LWL / Immenkamp)
Die Ofenarbeiter bei der Entnahme der ersten Ziegel (Foto: LWL / Immenkamp)

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