Landesmuseum für Vorgeschichte Halle eröffnet neue Dauerausstellung

Himmelsscheibe von Nebra nun dauerhaft in Halle zu sehen

Nach eineinhalbjähriger Generalsanierung öffnet das Landesmuseum ab dem 23. Mai 2008 wieder seine Pforten für das Publikum. Die Dauerausstellung umfasst neben den bereits vor dem Umbau fertig gestellten Räumen für die Alt- und Mittelsteinzeit nun auch die Bereiche Jungsteinzeit und frühe Bronzezeit.

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Steinbeilregen
Raum »Lebenswandel«: Tausende von Steinbeilen »regnen« auf einen Baumstamm herab. Foto: Juraj Lipták

Nach den Umbauarbeiten wurde der älteste Museumsbau eines Vorgeschichtsmuseums in Deutschland wieder in seinen ursprünglichen, von dem bekannten Düsseldorfer Architekten Wilhelm Kreis 1911 entworfenen, Zustand versetzt. Das Gebäude ist, nachdem es lange Zeit auch Sitz des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie war, nun wieder ein reines Ausstellungshaus.

Die neue Dauerausstellung, die heute feierlich von Sachsen-Anhalts Kultusminister Olbertz eröffnet wird, umfasst mit einer Gesamtfläche von 1200 m2 das gesamte zweite Obergeschoss des Landesmuseums. Die neu gestalteten Räume führen das Aufsehen erregende Konzept der Inszenierung von Lebensrealitäten fort, wie man es vor dem Umbau schon in den Bereichen für Alt- und Mittelsteinzeit bestaunen konnte. So werden die Umwälzungen der Lebensweise im Neolithikum (ca. 5.500 bis 2.200 v.Chr.), wie etwa die großflächigen Abholzungen zur Gewinnung von Acker- und Weideland, plastisch symbolisiert durch Steinbeile, die auf einen Baumstamm »herabregnen«. Die Installation mit über 3.000 Originalfundstücken nimmt eine ganze Saalwand ein.

Mit den eindrucksvollen Präsentationen betritt das hallesche Landesmuseum in mehrfacher Hinsicht Neuland. So wurde beispielsweise die Beleuchtungstechnik für die neue Ausstellung selbst entwickelt, da die am Markt erhältlichen Lösungen keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachten. Ungewöhnlich ist auch die Darstellung des Grabes eines neolithischen »Rinderbarons« und der frühbronzezeitlichen Familiengräber von Eulau: Diese Bestattungen werden im originalen Fundzusammenhang präsentiert, allerdings nicht horizontal sondern in der Senkrechten. Sie waren bei der Ausgrabung im Block geborgen worden und sind nun in genau dem Zustand zu sehen, wie sie von den Archäologen freigelegt wurden. Die »Aufrichtung« der Gräber von Eulau war besonders schwierig zu realisieren, da die Bestattungen sich im kiesigen Boden befanden. Gelohnt hat sich der Aufwand allemal: diese Art der Präsentation eröffnet völlig neue Perspektiven.

Das spektakuläre Prunkstück der neuen Dauerausstellung ist natürlich die Himmelsscheibe von Nebra, der ein eigener Raum gewidmet ist. Als einziges Ausstellungsstück in einem komplett schwarzen Raum, über den sich ein nächtliches Firmament spannt, kommt die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheit angemessen zur Geltung.

Ausführlichere Informationen zur neuen Archäologie-Schau in Halle finden Sie in Kürze in unserer Rubrik »Fundpunkt«.

Kommentare (1)

  • Hr Bakker
    Hr Bakker
    am 26.05.2008
    "...Steinbeile, die auf einen Baumstamm »herabregnen«. Die Installation mit über 3.000 Originalfundstücken nimmt eine ganze Saalwand ein."

    Auch eine Art seine überfüllten Archive leer zu kriegen. Irgendwie pervers und in keiner Art pädagogisch.

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