Heimatkunde im Reich der Sabäer

Wissenschaftler aus dem Jemen zu Gast bei den Orientalisten der Universität Jena

Prof. Dr. Mohammed Salami weilt für zwei Monate in Jena. Der Leiter des Archäologischen Instituts der Universität Sanaa untersucht die arabischen Schriftzeugnisse des jemenitischen Mittelalters.

Nachrichten durchblättern
Prof. Dr. Mohammed Salami und Prof. Dr. Norbert Nebes
Prof. Dr. Mohammed Salami (li.) arbeitet derzeit in Jena mit Prof. Dr. Norbert Nebes zusammen. (Foto: Anne Günther/FSU)

In vorislamischer Zeit herrschten die sagenumwobenen Sabäer auf dem Gebiet des heutigen Jemen. Inzwischen bedeckt der Wüstensand die Stätten jener Hochkultur, die zahlreiche Schriftzeugnisse in sabäischer Sprache hinterlassen hat. "Die Sprache ist für uns der Schlüssel zum Verständnis der Kultur der Sabäer", sagt Prof. Dr. Norbert Nebes von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wort für Wort dechiffriert ein Wissenschaftlerteam deshalb die Inschriften und weitere Schriftzeugnisse. Ehrgeiziges Ziel der Forscher ist ein Sabäisch-Wörterbuch.

Aktuell können Nebes und sein Team auf die Unterstützung des jemenitischen Gelehrten zählen: Prof. Salamis Hauptaugenmerk gilt der Ruinenstadt Marib, einst Hauptstadt des Sabäer-Reiches. Dort gibt es tausende Inschriften, von denen viele in Fels gehauen worden sind.

"Der Besuch in Jena bietet die Gelegenheit, sich intensiv über die Ergebnisse unserer gemeinsamen Arbeit auszutauschen", sagt Mohammed Salami. Deshalb gelte sein Dank der Gerda-Henkel-Stiftung in Düsseldorf, die den Besuch in Jena ermöglicht hat. Jena ist für den 42-jährigen Wissenschaftler aus dem Jemen kein Neuland: Salami wurde 2007 in Jena promoviert, sein Betreuer war Prof. Nebes. Der Inhaber des Lehrstuhls für Semitische Philologie und Islamwissenschaft schätzt besonders die profunden Kenntnisse seines Gastes bei historischen Orts- und Stammesnamen. "In den Inschriften sind zahlreiche Ortsbezeichnungen zu finden, die auch in den mittelalterlichen arabischen Quellen überliefert werden und bis in die heutige Zeit fortdauern", sagt Nebes. Im Grunde sei das historische Heimatkunde.

Prof. Salami wertet akribisch die arabischen Texte aus, die sich auf das Sabäer-Reich beziehen. Grundlage der Arbeit der Orientalisten in Jena ist eine fruchtbare Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut, das im Jemen die antiken Stätten ausgegraben hat.

Doch wegen der aktuellen politischen Situation im Jemen und der Region können deutsche Wissenschaftler derzeit nicht im Land arbeiten. Es bleibt die Arbeit an den bereits geborgenen Kulturgütern. Dabei leistet der Gast aus Sanaa einen wertvollen Beitrag.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben