Deutscher Archäologiepreis 2005 für Köln/Frankfurter Forschungsteam

Was schmeckte dem Neandertaler? Was wuchs auf unseren Feldern vor 5.000 Jahren? Gab es um 800 vor Christus schon Schnittwiesen im Rheinland? Oder beginnt die Heugewinnung erst Jahrhunderte später mit den Römern? Antworten auf diese und viele ähnlich spannende Fragen gibt seit rund 20 Jahren die archäobotanische Arbeitsgruppe Nordrhein- Westfalen

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mit Ingrid Cloß, Dr. Arie J. Kalis, Dr. Jutta Meurers-Balke, Dr. Ursula Tegtmeier und Dr. Ralf Urz.

Jetzt wurde das Team für seine Arbeit von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V. (DGUF) mit den Deutschen Archäologiepreis 2005 ausgezeichnet. Mit der Preisvergabe würdigt die DGUF die Fragestellungen und Forschungsergebnisse, die die Arbeitsgruppe für die Ur- und Frühgeschichte gebracht haben. "Durch die enge Kooperation zwischen Universität und amtlicher Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen ist eine umfangreiche Datenbasis erwachsen, die den Zeitraum von der letzten Eiszeit bis in die jüngste Vergangenheit umfasst", unterstreicht Jutta Meurers-Balke ein zentrales Ergebnis ihrer Arbeit.

"Dieser gemeinsame Weg hat in den vergangenen zehn Jahren zur Optimierung der archäologisch- denkmalpflegerischen Arbeit beigetragen. Mit unserer Arbeit wollen wir die so deutlicher gewordenen Forschungslücken künftig schließen", skizziert Arie J. Kalis das Ziel der Arbeitsgruppe.

Das Team: Arie J. Kalis (Labor für Archäobotanik der Abteilung Vor- und Frühgeschichte des Instituts für Archäologische Wissenschaften der J.W. Goethe-Universität Frankfurt) und Jutta Meurers-Balke (Labor für Archäobotanik des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln) sind beide als Pollenanalytiker seit Jahrzehnten in Forschung und Lehre tätig und können auf zahlreiche Publikationen zur Vegetationsgeschichte und zur Rekonstruktion der Lebensumstände prähistorischer und historischer Bevölkerungen zurückblicken.

Unterstützt werden sie von Beginn an durch Ingrid Cloß, die für die Aufbereitung und Erstbestimmung der Pollen im Kölner Labor zuständig ist. Ursula Tegtmeier, die sich auf die Bestimmung und Auswertung archäologischer Hölzer spezialisiert hat, und Ralf Urz, der für die Bearbeitung der pflanzlichen Großreste (vor allem Früchte und Samen) zuständig ist, ergänzen - durch Drittmittel finanziert - das Team im Kölner Labor.

Der deutsche Archäologiepreis wurde im Rahmen der im Mai stattgefundenen DGUF - Tagung verliehen. Das Thema dieser Tagung war "Erst das Fressen, dann die Moral? - Die soziokulturelle Dimension von Nahrung, Nahrungserwerb und Nahrungsverzehr". Gerade hier hat die Archäobotanik als Forschungsrichtung Wesentliches beizutragen; sie bereichert mit ihren Ergebnissen die "Archäologie des täglichen Lebens" um grundlegende Fakten. Hierzu gehören nicht nur die Geschichte der Nahrungs- und Nutzpflanzen, sondern auch die Erforschung der durch Landwirtschaft und Landnutzung geprägten Umweltveränderungen. Unter diesem Aspekt sind die von der Archäobotanik untersuchten meist unscheinbaren Pflanzenreste als archäologische Funde mit weitreichender Aussagekraft zu werten.

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