Archäologische Kommission Baden-Württemberg tagt zum Thema "Illegale Ausgrabungen"

Illegale Raubgrabungen und Plünderungen archäologischer Fundstellen sind auch in Baden-Württemberg immer wieder ein Problem für Archäologische Denkmalpflege, Museen und universitäre Forschung, da Fundmaterial unkontrolliert seinem historischen Zusammenhang entrissen wird und damit seinen wissenschaftlichen Wert verliert. Aus diesem Grund befasste sich die Archäologische Kommission Baden-Württemberg im Rahmen ihrer heutigen 31. Sitzung mit diesem Thema.

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Raubgräberspuren
Spuren eines Raubgräbers: Löcher im Acker. Foto: Biggi007, bearbeitet von A. Brunn (CC-BY-SA)

Ausgangspunkt für eine intensive Diskussion waren zwei Grundsatzreferate, die unterschiedliche Aspekte und Umgangsformen dieser Problematik beleuchteten: Zunächst sprach Prof. Dr. Christoph Huth vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg über den "rechten Umgang mit Schatzsuchern. Das Portable Antiquities Scheme und seine Folgen für Denkmalpflege und Forschung in Großbritannien". Er erläuterte, dass vor einigen Jahren in Ergänzung zum britischen "Treasure Act" (wonach alle Schatzfunde dem Staat gehören) ein Programm eingerichtet wurde, das die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Hobbyarchäologen fördern soll. Dieses Portable Antiquities Scheme dient der Betreuung von Sondengängern in vielfältiger Weise. In erster Linie regelt es die Erfassung und wissenschaftliche Dokumentation der Funde. "Seit der Einrichtung des Programms hat sich der Bestand an gut dokumentierten Schatzfunden enorm vergrößert. Großbritannien ist derzeit das einzige Land, das über einen repräsentativen Datenbestand zu Schatzfunden aller Epochen verfügen kann", so Huth während seinen Ausführungen.

Anschließend stellte Dr. Jonathan Scheschkewitz vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart die derzeitige Situation in Deutschland dar: "Schatzsuche oder kulturgeschichtliches Interesse? Zur Sondengängerproblematik in Deutschland" und erläuterte, dass das Thema Schatzsuche in den Medien immer wieder aufgegriffen und nicht selten unkritisch über die Suche mit Metallsonden und die Aussicht auf wertvolle Funde berichtet werde. "Zunehmend wird jedoch auch auf die Bedenken der Archäologen eingegangen, die auf die damit verbundene Zerstörung von Kulturdenkmalen aufmerksam machen", so Scheschkewitz. Tatsächlich bestehen in den Bundesländern rechtliche Vorgaben für die Suche mit der Metallsonde, mit dem Ziel die Kulturdenkmale zu schützen und gleichzeitig kulturgeschichtlich Interessierte für die Arbeit der Denkmalpflege zu gewinnen. In Baden-Württemberg wird verstärkt versucht, die interessierte Klientel in die denkmalpflegerische Arbeit einzubinden.

Die "Archäologische Kommission Baden-Württemberg" ist eine Arbeitsgemeinschaft, die sich aus 29 hauptamtlich tätigen Archäologinnen und Archäologen der Institute für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters sowie für Provinzialrömische Archäologie an den baden-württembergischen Universitäten, der Landesdenkmalpflege, der Institutionen der kommunalen Denkmalpflege sowie der Landesmuseen und den kommunalen Museen im Land zusammensetzt. Die Kommission hat die Aufgabe, die archäologische Forschung im Land zu fördern, indem sie Probleme und Aufgaben, Lage und Stand der Forschung diskutiert, die wissenschaftlichen, musealen und denkmalpflegerischen Ziele und Perspektiven aufzeigt sowie Fragen der wissenschaftlichen Ausbildung behandelt. Sie tagt zweimal jährlich.

Kommentare (10)

  • Storz Dieter
    Storz Dieter
    am 23.11.2012
    Bin durchaus, als Nichtarchäologe, der Auffassung, dass diesen Leuten endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Ich habe mit einem Archäologen zusammen geabeitet (nicht gegraben) und weiß, was es heißt ohne Sachkenntnis herumzugraben. Da ich mich intensiv für Geschichte meiner Heimat (BA-WÜ) einsetze, sehe ich nicht ein, dass so etwas weiter geschieht.

    MfG
    Dieter Storz
    Berlin
  • Jan
    Jan
    am 24.11.2012
    Man sollte auch bedenken, daß die Amtsarchäologie weder die Mittel noch die Kapazitäten hat, um große Feldflächen flächendeckend abzusuchen. Landwirtschaftliche Geräte und Düngemittel zerstören da viel, bevor es überhaupt jemals gefunden wird. Diese Lücke könnte durch engagierte Sondengänger sinnvoll geschlossen werden und aus deren Funden könnten zahlreiche neue Erkenntnisse für die Amtsarchäologie gewonnen werden.
  • Randolph Carter
    Randolph Carter
    am 25.11.2012
    Wenn man das schon liest "...Fundmaterial unkontrolliert seinem historischen Zusammenhang entrissen ..." Es ist unstatthaft nur "Archäologen" ein gesetzliches Recht zur "Ausgrabung" zu vergeben. Schatzsuche und die Nachsuche nach verborgenen Schätzen, Funden und Werten soll jedem offen stehen, der daran Interesse hat.
    Warum nicht einen Sondenschein - wie den Jagdschein - einführen? Kriminalisierung der Schatzsucher ist der falsche Weg!
  • Kalle
    Kalle
    am 26.11.2012
    Hat schonmal jemand Löcher vom Buddeln auf nem Acker gesehen? Die sehen sicher nicht aus, wie auf oben gezeigtem Foto. Wenn Berichterstattung schon so anfängt, dann herzlich willkommen bei RTL.
  • Jürgen
    Jürgen
    am 26.11.2012
    Raubgräber sind Menschen, die bewusst archäologische Fundplätze ausbeuten oder gezielt auf Ausgrabungsflächen gehen und die Funde undokumentiert bergen. Menschen die sich für Geschichte, Archäologie, usw. interessieren gehen auch manchmal mit einer Metallsonde, sind aber nicht zwangsläufig Raubgräber, wie es bestimmte Berufsarchäologen artikulieren. Der Wille zur Zusammenarbeit ist von beiden Seiten notwendig und möglich. Allerdings war die Archäologie in BW sehr restriktiv und hat Sondengänger bewusst in die Illegalität abgedrängt. Hoffentlich wird´s besser.
  • Robert Bollow
    Robert Bollow
    am 30.11.2012
    Ich sehe immer nur Schwarz-weiß-Malerei. Man darf aber auf keinen Fall vergessen, dass die Denkmalpflege PLEITE ist. Die finanziellen, damit auch personellen Mittel reichen bei Weitem nicht aus, den eigenen Aufgaben gerecht zu werden. Den Personenkreis derer, die die Zeugnisse aus der Erde holen und die Fundstellenkarte bereichern auch noch zu erweitern ist doch nur möglich, wenn auch die Gelder für eine sinnvolle Auswertung der Befunde zur Verfügung steht. Wer soll das machen? Wenn die Politik sich für einen umfassenden Schutz einsetzen will, dann muss sie in erster Linie den Bestand sichern und der Denkmalpflege die notwendigen Mittel bereit stellen, erst dann macht eine Ausweitung der Erfassung und Aufspürung Sinn. Solange die unterbesetzte Denkmalpflege mit dem Nötigsten arbeitet und nicht einmal den Schutz der bisher bekannten Denkmale gewährleisten kann und nur Notverwaltung ausübt, ist an eine Ausweitung nicht zu denken. Eine geregelte Einbeziehung begrüße ich, aber erst nach dem notwendigen ersten Schritt.
  • Simon
    Simon
    am 30.11.2012
    Wenn man zum Beispiel an die Kalkriese denkt, da hat auch ein Hobbyarchäologe den ersten Schritt gemacht.
  • A. German
    A. German
    am 23.01.2013
    Der Gedanke an "Zusammenarbeit" ist lächerlich und absurd. Solange den Sondengehern nicht nur jegliches Grundwissen, sogar jegliche Einsicht fehlt - man sehe sich nur mal in den diversen Internetplattformen um, wo schamlos Beutestücke präsentiert werden; solange ist einfach keinerlei Grundlage dafür gegeben.
    Das ist, als würde ich eine Horde Kinder mit Schaufeln auf den Königshof in Arsvagen loslassen und dabei irgendein sinnvolles Ergebnis erwarten.
    Ich trete dafür ein das Verkauf, Besitz und Nutzung von Metallsonden grundsätzlich verboten und konsequent bestraft wird. Wenn wir durch NFGs und Artefaktbegutachtung den ärgensten Mißbrauch zu verhindern denken, erreichen wir das Gegenteil - die Rabgräuber fühlen sich in ihrem Tun legalisiert und ermuntert und wir zahlen den Preis dafür mit korrumpierten Fundplätzen.

    mit freundlichen Grüßen,
    Dr. A.German
  • Bastian
    Bastian
    am 16.02.2013
    Werter Hr. German.
    Sie scheinen wohl zu vergessen oder einfach nicht zu wissen,dass ein Teil dieser "bösen" Sondengänger in BW schon seit etlichen Jahren mit den Ämtern zusammenarbeiten.
    Zwar nicht offiziell aber es ist nun mal so und in den Ämtern auch bekannt!
    Und wo ist da jetzt der große Unterschied,wenn diese Leute jetzt ganz offiziell für´s Denkmalamt suchen dürfen und nicht nur "geduldet" werden?
    Letztendlich ändert sich nicht viel.
    DIESE Leute kennen die Verantwortung und haben die Einsicht und das nötige Grundwissen von dem das Denkmalamt profitiert.
    Sollte man hier in BW nicht verschweigen bevor man,wie Sie es machen, alle Sondengänger über einen Kamm schert!
  • stefan aus BW
    stefan aus BW
    am 13.01.2014
    Storz Dieter du bist mir einer kommt aus Berlin und nennt sich bw ler

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