Rückführung von Gebeinen der Wanniyalaeto

»Die Toten sind für die Wanniyalaeto besonders bedeutend,« so der Häuptling der Wanniyalaeto Wanniya Uruwarige. »Solch eine Wiedervereinigung von Seele und Körper... ist ein ganz beonderer Moment für mein Volk.«

Der Häuptling der Wanniyalaeto (»Vedda«), eine indigene Gruppe aus Sri Lanka, Wanniya Uruwarige und der Stammesälteste Heenbanda Uruwarige nahmen in Edinburgh an der Zeremonie zur Rückführung der Überreste ihrer Vorfahren teil, um diese anschließend in Sri Lanka zu bestatten. Die Feierlichkeit markiert das Ende einer zweijährigen Zusammenarbeit zwischen den Wanniyaleto, der Abteilung für Archäologie des Max-Planck-institutes für Menschheitsgeschichte in Jena und der Universität Edinburgh.

Rückführungszeremonie in Edinburg
Häuptling Uruwarige mit einem Schädel während der Rückführungszeremonie neben dem Präsident der Universität Edinburgh mit Geschenken der Wanniyalaeto. Foto: © Andrew Moffat, University of Edinburgh

Die Feierlichkeit fand am 22. November in der Playfair Bibliothek der Universität Edinburgh in Schottland statt. Neun menschliche Schädel, die man auf ein Alter von mehr als 200 Jahren schätzte, wurden an die Wanniyalaetogemeinde zurückgegeben. Nach ihrer Ankunft in Sri Lanka werden sie als Teil des jährlichen Totengedächtnis der Wanniyalaeto bestattet.

Die Schädel kamen vor mehr als 100 Jahren durch die britische Kolonialherrschaft in die anatomische Sammlung der Universität. Durch biochemische Analysen konnte an ihnen die besondere Tropenwaldbewirtschaftung der Wanniyalaeto und die Entstehung des sri-lankischen Nationalstaates veranschaulicht werden. Mittlerweile, wie viele andere indigene Völker, verlieren die Wanniyalaeto das Recht auf ihrem traditionellem Land zu jagen und werden allmählich Teil von Sri Lankas Wirtschaft und Bildungssystem. Die aus den Analysen hervorgehende Studie, veröffentlicht in Human Ecology, wird von den Wanniyalaeto genutzt, um ihre Jagdrechte wieder geltend zu machen und aktiver Teil des Tierschutzes in Sri Lanka zu werden.

Die aus der Forschungsarbeit gewonnen Erkenntnisse werden in das eigene Kulturerbemuseum der Wanniaylaeto im Dorf Dambana eingehen. Angesichts eines rapiden Rückgangs ihrer Kultur versuchen sie dort ihre Sprache, ihre Wirtschaftsweise, soziale Strukturen und ihre Bestattungsriten für zukünftige Generationen zu bewahren. »Die Toten sind für die Gemeinde der Wanniyalaeto besonders bedeutend.«, so Wanniya Uruwarige. »Jedes Jahr halten wir eine besondere Feierlichkeit, um ihnen zu gedenken. Ihre Überreste waren zwar hier in Edinburgh, ihre Seelen blieben jedoch bei uns in Sri Lanka. Solch eine Wiedervereinigung von Seele und Körper – wofür ich der Universität danke – ist ein ganz besonderer Moment für mein Volk.«

Mehrere Nachrichtensender, darunter die BBC, The Times und verschiedene regionale Sender und Zeitungen aus Sri Lanka berichteten über die Feierlichkeit. Bei ihrer Ankunft in Sri Lanka wurden die Wanniyalaeto von Stammesältesten, Regierungsvertretern und Journalisten mit einer Willkommensfeier begrüßt. Professor Tom Gillingwater, Vorsitzender der Anatomie an der Universität Edinburgh kommentiert: »Wir sind sehr erfreut, die Stammesangehörigen der Vedda in Edinburgh willkommen zu heißen und die Rückführung der Überreste ihrer Vorfahren zu feiern. Unsere umfangreiche und vielfältige Sammlung verhalf schon oft zu wissenschaftlichen Durchbrüchen und wird häufig in der Lehre benutzt. Wir freuen uns sehr diese kulturell wichtigen Artefakte zurückzugeben und sicherzustellen, das Vermächtnis der Vedda für weitere Generationen zu bewahren.«

Dr. Patrick Roberts und Oshan Wedage von der Abteilung für Archäologie des Max-Planck-Institutes für Menschheitsgeschichte halfen den Wanniyalaeto während der Rückführung, dazu zählten beispielsweise Besuche in Sri Lanka und die Übermittlung von Wünschen der Wanniyalaeto an die Universität Edinburgh. »Es war uns eine Ehre mit den Wanniyalaeto zusammenzuarbeiten, ihnen mit Rat und Tat beiseite zu stehen, über ihre Traditionen und ihr kulturelles Erbe mehr zu erfahren und den Abschluss des Rückführungsprozesses zu erleben. Es sollte jedoch klar sein, dass die Wanniyalaeto diesen Prozess gar nicht erst hätten durchlaufen müssen und die Entwendungen der Gebeine nur Teil einer Reihe von Gräueltaten während der Kolonialzeit waren. Ich hoffe, dass weitere europäische Institutionen den Fußstapfen der Universität Edinburgh folgen werden und klare Richtlinien bezüglich solcher Rückführungen entwickeln werden.« so Dr. Patrick Roberts.

Oshan Wedage, der weiterhin mit den Wanniyalaeto in Sri Lanka arbeitet, fügt hinzu: »Obwohl die Notwendigkeit der Rückführung das Ergebnis einer traurigen Periode in der Geschichte der Menschheit ist, hoffe ich, dass diese Rückführungszeremonie die Sache der Wanniyalaeto unterstreicht. Insbesondere hoffe ich, dass es Aktivisten und Regierungsbeamte ermutigt, zu bedenken, dass die tropischen Wälder Sri Lankas am besten in Zusammenarbeit mit ihren traditionellen Verwaltern erhalten werden können.« Die Abteilung für Archäologie wird weiterhin mit den Wanniyalaeto und weiteren akademischen und staatlichen Institutionen Sri Lankas an einer Reihe von Projekten zum Schutz des kulturellen Erbes arbeiten, einschließlich der letzten Bestattungsrituale Ende 2020.

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