1.500 Jahre Handwerks- und Siedlungsgeschichte bei Griebo

Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt fanden bei Griebo (Stadt Coswig, Landkreis Wittenberg) einen mehrphasigen Siedlungsplatz, der von der Eisenzeit bis ins 9. Jahrhundert genutzt wurde. Über mehrere Jahrhunderte wurde dort Eisen aus Raseneisenerz gewonnen und weiterverarbeitet. Daneben fanden sich in Form eines Kalkbrennofens Hinweise auf die Produktion von Mörtel und Belege für Textilherstellung.

Eisenzeitliche Öfen
Für den Werkstattcharakter des Fundplatzes sprechen dicht beieinander liegende Herdgruben, die als Produktionsstätten dienten. Wahrscheinlich handelt es sich bei einigen von diesen um Schmiedegruben, in denen aus Eisen Werkzeuge, Schmuck und Waffen hergestellt wurden. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Seit ungefähr einem Jahr führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem Gasnetzbetreiber ONTRAS Gastransport GmbH (ONTRAS) archäologische Grabungen im Vorfeld der zu erneuernden Ferngasleitung FGL 61 durch. Die FGL 61 quert zwischen Neugattersleben und Wittenberg (ca. 50 km) mehr als 30 archäologische Fundstellen. Dazu gehören Siedlungen und Bestattungsplätze von der Jungsteinzeit (5.500–2.300 v. Chr.) bis in das Frühmittelalter (8.–11. Jahrhundert n. Chr.). 

Bei Griebo, Stadt Coswig (Landkreis Wittenberg), konnten die Archäologen am Ostufer des Ziekoer Baches einen mehrphasigen Siedlungsplatz mit einer fast 1.500-jährigen Geschichte nachweisen. Die vielfältigen Befunde und das umfangreiche Fundmaterial lassen auf einen Siedlungszeitraum schließen, der in der Eisenzeit um 450 v. Chr. begann und im Frühmittelalter – im 9. Jahrhundert n. Chr. – endete. 

In dem reichlich 10 Meter breiten Trassenkorridor kamen über 1.200 Befunde wie Siedlungsgruben, Herd- und Feuerstellen zu Tage. Zahlreiche Pfostengruben zeigen Hausstandorte aus verschiedenen Siedlungsphasen an. Besondere Befunde belegen, dass es sich nicht um eine einfache Siedlung gehandelt hat. So zeugen dicht beieinander liegende Gruben, die als Herd-, Schmiede- und Produktionsgruben dienten, vom Werkstattcharakter des Fundplatzes. Über mehrere Jahrhunderte hinweg hatte hier die Verhüttung und Verarbeitung von Eisen zur Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck stattgefunden. Das dafür benötigte Raseneisenerz war mutmaßlich in der Flussaue des Ziekoer Baches gewonnen worden. Ein anderer Befund aus der jüngeren Eisenzeit lässt sich als Kalkbrennofen interpretieren. Der dafür benötigte Wiesenkalk dürfte ebenfalls im Bereich der Flussaue zu finden gewesen sein. Darüber hinaus wurden auch Belege für Textilherstellung entdeckt. 

Mit einer Brandkatastrophe im 9. Jahrhundert n. Chr. endet die Siedlungstätigkeit abrupt. Dieser »Pompeji-Effekt« machte es den Bewohnern unmöglich, alles noch Brauchbare und Tragbare mitzunehmen; so ließen sie all ihre Habseligkeiten zurück. Im Befund zeigen sich die Spuren des Brandes in Form von verkohlten Holzresten. So haben sich beispielsweise in einem Grubenhaus aus der slawischen Periode Reste der hölzernen Hauskonstruktion bis heute erhalten.

Kalkbrennofen (jüngere Eisenzeit)
Diese Ofenanlage aus der jüngeren Eisenzeit diente dem Brennen von Kalk. Das Nebeneinander von Eisenverhüttung und Kalkbrennerei verwundert wenig, da in der Nähe von Raseneisenerzlagerstätten meistens auch Wiesenkalk ansteht. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
Kaiserzeitlicher Armreif
Dieser Armreif aus Bronzeblech stammt aus der Römischen Kaiserzeit. Der mit Kreisaugen verzierte Ring hat nur einen geringen Durchmesser und wurde wahrscheinlich von einem Kind getragen. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
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