Grabenkante und Siedlungsspuren in der Unterstadt

Zwischenbericht über die Ausgrabungen in Troia 2008

Die Untersuchungen zum Verlauf des spätbronzezeitlichen Unterstadtgrabens wurden mit zwei Suchschnitten fortgesetzt. In einem 300 m von der Burgmauer entfernt angelegten Schnitt wurde eine Kante des Grabens eindeutig wiedergefunden, im zweiten deutet sich eine Grabenkante an.

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Verteidigungsgraben in Troias Unterstadt
Spätbronzezeitlicher Verteidigungsgraben in der Unterstadt von Troia: Die Grabenkante verläuft schräg von links unten nach rechts oben unter einer hellenistischen Mauer. (Foto: Universität Tübingen)

Der Schnitt mit der Grabenkante brachte auch neue Erkenntnisse zur spätbronzezeitlichen Besiedlung Troias. Der Graben wurde offensichtlich in der Periode Troia VI (ca. 1700 bis 1200 v. Chr.) gebaut, später aber wieder verfüllt, weil zu Beginn der Periode Troia VII (ca. 1200 bis 950 v. Chr.) ein neuer Graben  in größerer Entfernung von der Zitadelle angelegt wurde. Das deutet auf ein Wachstum der Unterstadt hin, die offensichtlich steigenden Raumbedarf hatte.

In den oberen Schichten der Grabenfüllung steckt der Boden eines Pithos, eines Typs von Vorratsgefäßen, die in der späten Bronzezeit im gesamten östlichen Mittelmeerraum und darüber hinaus in Gebrauch waren. Außerhalb der vermuteten zweiten Grabenkante, also außerhalb der Begrenzung der Unterstadt der Phase Troia VI, wurde eine bronzezeitliche Pflasterung aufgedeckt. Beide Befunde sind deutliche Anzeichen für Siedlungstätigkeit, die wohl nach der Verfüllung des Grabens einsetzte. Von besonderem Interesse ist ein mit Steinen bedecktes Gefäß, das im Profil des Schnittes gefunden wurde. Dessen Inhalt ist derzeit noch nicht bekannt.

Diese Befunde sowie der erstmalige Nachweis archaischer Keramik (ca. 700 bis 500 v. Chr.) in diesem Teil der Unterstadt sind ein weiterer Beleg dafür, dass das unterhalb der Burgmauer gelegene Gebiet in der Spätbronzezeit großflächig besiedelt und durch eine Grabenanlage geschützt war.

Ein neues Museum in Troia

Ein wichtiges Ziel der Arbeiten in Troia ist auch die Bewahrung und Präsentation des UNESCO Weltkulturerbes. In diesem Jahr gehören daher Prof. Liz Riorden von der University of Cincinnati mit zwei Studentinnen zum Team. Sie sollen einen Sicherungs- und Bewirtschaftungplan für die Ruine und das Umfeld erstellen. Zum Gesamtkonzept gehört auch ein Museum direkt am Fundplatz, dessen Errichtung schon Manfred Korfmann vor mehr als zehn Jahren vorgeschlagen hat.

Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay hat vor drei Wochen Troia besucht. Er bekräftigte, dass ein Museumsbau ein wichtiger Punkt in seiner Amtszeit sein werde. Noch in diesem Jahr soll eine Kommission eingesetzt werden, die den Bedarf für ein Museum, ein Magazin und eine Forschungsstelle sowie Funktionsräume definieren und zusammen mit Experten einen Architektenwettbewerb ausschreiben soll. Minister Günay und die regionale Politik hat die Finanzierung dieser Projektphase bereits zugesagt.

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