30 Jahre Experimentelle Archäologie im Urgeschichtemuseum Niederösterreich

Eine Lehrveranstaltung feiert Jubiläum

Seit drei Jahrzehnten bietet die Universität Wien im Freilichtbereich des Urgeschichtemuseum in Asparn/Zaya die Lehrveranstaltung »Experimentelle Archäologie« an. Vom 28. Juni bis zum 1. Juli werden sich im Jubiläumsjahr über 100 Studenten aus Wien, Brünn, Bratislava, Göttingen, Erlangen und Berlin mit der Praxis hinter der archäologischen Theorie vertraut zu machen.

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Blick in den eisenzeitlichen Freilichtbereich des Urgeschichtemuseums Niederösterreich
Blick in den eisenzeitlichen Freilichtbereich des Urgeschichtemuseums Niederösterreich © Urgeschichtemuseum Niederöstereich

Die Erforschung der ur- und frühgeschichtlichen Technologien und damit einhergehend das archäologische Experiment kann in Österreich auf eine lange Tradition verweisen. Franz Hampl, der Gründer des Urgeschichtemuseums in Asparn/Zaya, ließ als Vorreiter neben den herkömmlichen musealen Ausstellungsbereichen im Schlosspark das Freigelände mit 1:1 Modellen prähistorischer Bauten nebst einem Experimentierareal errichten. Seit 30 Jahren bietet dieses Areal beste Voraussetzungen für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Experiment in der Archäologie.

Die experimentelle Archäologie versucht, Handwerkspraktiken, technische Einrichtungen und Arbeitsvorgänge zu überprüfen, zu erklären und so letztlich zu rekonstruieren. Es ergänzt und erweitert somit in vielen Fällen die »rein theoretische« Interpretation von archäologischen Befunden und bietet einen weiteren Zugang zu den Lebenswelten der Menschen in der Urgeschichte. Mit der nun seit dreißig Jahren durchgeführten Veranstaltung will das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien angehenden Archäologen diesen Einblick in die »praktische Seite« der Urgeschichte und die urgeschichtlichen Handwerkstechniken ermöglichen.

Das Jubiläumsprogramm bietet u.a. die Themengebiete Holzbearbeitung, Keramik, Feinschmiedetechnik, Eisenverarbeitung, Kupferverarbeitung, Textilverarbeitung und Elfenbeinschnitzerei an. Eine Besonderheit im Rahmen der diesjährigen Lehrveranstaltung ist das Kremationsexperiment (Verbrennungsexperiment) am 30. Juni. Dazu wird ein Schweinkadaver auf dem Verbrennungsplatz im Urgeschichtemuseum verbrannt, um beispielsweise zu untersuchen, wie die Lage und die Erhaltung der Knochen nach der Verbrennung ist oder wie lange dieser Vorgang dauert.

Info

Lehrveranstaltung »Experimentelle Archäologie«, 28.6. - 1.7.2012

Urgeschichtemuseum Niederösterreich
Schlossgasse 1, A-2151 Asparn/Zaya

Kommentare (1)

  • Albrecht Sepp
    Albrecht Sepp
    am 07.08.2012
    Im Bezug auf den neolithischen Hausbau habe ich unter Exar Eixperimentelle Archäologie in Europa Ausgabe 2003
    Band 2, eine Kurzbeschreibung zur Höhenentwicklung von
    neolithischen Hausbauten veröffentlicht.
    Grundlage der These ist:"Nicht aus vorgefundenen Befundspuren einen Nachbau zu realisieren, sondern augrund der angewendeten Bautechniken einen Befund zu erzeugen wie ihn unsere neolithischen Vorfahren auch erzeugt haben." Aufsätze über die Rekonstruktion eines mittelneolithischen Hauses in Bad Krozingen Brsg. Deutschland, sind unter www albrechts-archäologie.de nachzulesen. Über einen persönlichen Kontakt würde ich mich freuen.

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