Studenten bauen prähistorischen Einbaum nach

Studenten der Universität Greifswald haben einen Einbaum mit prähistorischen Methoden nachgebaut. Jetzt wird das Wasserfahrzeug noch auf den heimischen Gewässern getestet.

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Arbeit am Einbaum (Foto: Johannes Steinkühler)
Arbeit am Einbaum (Foto: Johannes Steinkühler)

Eine Gruppe von 13 Lehramtsstudierenden der Geschichte an der Universität Greifswald hatte sich zum Ziel gesetzt, das älteste bekannte menschliche Wasserfahrzeug einmal praktisch kennenzulernen. Da Einbäume aber nicht zur Lehrmittelausstattung einer Universität gehören, wurde der Entschluss gefasst, das Wasserfahrzeug in Eigenregie herzustellen. Und wenn man schon mal dabei ist, so der Gedanke der Studenten, dann sollte der Nachbau auch gleich mit den prähistorischen, in diesem Falle steinzeitlichen Methoden erfolgen.

In der Projektvorbereitung fanden deshalb Exkursionen nach Rügen und Schleswig statt, um den Rohstoff Feuerstein für die Werkzeuge und die prähistorischen Arbeitstechniken unter der Anleitung des erfahrenen Experimentalarchäologen Harm Paulsen kennenzulernen. Nach Pfingsten begann der praktische Teil des Projektes und die Studenten bearbeiteten eine sieben Meter lange Pappel mit steinzeitlichem Werkzeug.

In den folgenden Wochen hat das Einbaum-Team mühevoll, aber mit wachsender Erfahrung den Baumstamm ausgehöhlt. Dabei kamen dann aber - chronologisch nicht ganz korrekt - auch völkerwanderungszeitliche Eisenäxte zum Einsatz, was eine eindeutige Datierung des Einbaums nun definitiv erschwert. Insgesamt investierten die Studierenden über 400 Arbeitsstunden. Die  gesammelten Erfahrungen in der Organisation eines solchen erlebnispädagogischen Projektes ließ die Teilnehmer über die eine oder andere erlittene Blessur hinwegsehen.

In den kommenden Tagen steht nun Projektteil 2 auf dem Programm: Der Einbaum wird nicht nur hinsichtlich seiner Fahreigenschaften getestet, sondern unter anderem auch der für die Steinzeit nachgewiesene Umgang mit Feuer an Bord erprobt. Die erste längere Probereise soll nun am 19. August 2011 von Greifswald nach Stralsund führen. Zuvor wird um 16:00 Uhr das Boot am Museumshafen Greifswald vorgestellt. Nach der Durchführung aller notwendigen Probefahrten, soll der Einbaum an eine museumspädagogischen Einrichtung übergeben werden.

Der Einbaum gehört zu den besonders langlebigen menschlichen Erfindungen: Das älteste ca. 10.000 Jahre alte Wasserfahrzeug unterscheidet sich nur wenig von einem neuzeitlichen Einbaum. So überquerte der Mensch schon in der Steinzeit das offene Meer und brachte zum Beispiel vor 6.000 Jahren die ersten Schafe und Ziegen auf die Insel Seeland.

Die Steinzeitwerkzeuge (Foto: Johannes Steinkühler)
Die Steinzeitwerkzeuge (Foto: Johannes Steinkühler)
Der Einbaum im Wasser (Foto: Johannes Steinkühler)
Der Einbaum im Wasser (Foto: Johannes Steinkühler)

Kommentare (1)

  • Jost Auler
    Jost Auler
    am 16.07.2011
    Ein spannendes Unternehmen! Ich haben einmal mit Kinder einen Einbaum nachgebaut, allerdings mit modernen Beilen und Dechseln; vgl. hierzu:

    Jost Auler / Petra Hiller / Kerstin Ohmert, Ein Baum wird zum Einbaum. (R)eine Formsache. Archäologie im Rheinland 2008 (2009) 194-195.
    Jost Auler / Petra Hiller / Kerstin Ohmert, Der Dormagener Einbaum „Pejoke“. Kein R(h)einfall! Archäologie im Rheinland 2009 (2010) 204-205.
    Jost Auler / Petra Hiller / Kerstin Ohmert, Auf die Probe gestellt! „Pejoke“ auf großer Fahrt? Archäologie im Rheinland 2010 (2011) in Druck.

    Jost Auler M.A.
    Archäologe & Historiker
    Schwanenstraße 12
    D-41541 DORMAGEN
    www.archaeotopos.de.tl
    JostAuler@arcor.de

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