Perlentaucher vor 7.000 Jahren

In einem über 7.000 Jahre alten neolithischen Grab im Emirat Umm al Quwain (Vereinigte Arabische Emirate) haben Forscher des französischen Laboratoire Archéologies et Sciences de l'Antiquité (ArScAn) eine Muschelperle entdeckt. Der Fund verdeutlicht, das die Bevölkerung der arabischen Halbinsel bereits im frühen Neolithikum nach Perlen tauchte - 2.500 Jahre früher als bisher gedacht.

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Perlenmuschel
Perlenmuschel der Art Pinctada margaritifera

Bisher galt mit knapp 5.000 Jahren ein Fund aus Japan als ältester Nachweis für die Verwendung von Muschelperlen. Diesen Rang hat ihr nun die neu entdeckte Perle aus dem an der Küste liegenden Fundort Umm al-Quwain 2 abgelaufen. Die Perle wurde in einem neolithischen Grab gefunden, das C14-datiert um 5.500 - 5.200 v. Chr. angelegt wurde.

Während beispielsweise in Indien, China, Mesopotamien oder Ägypten aus dieser Zeitstufe nur eine verschwindend geringe Anzahl an Muschelperlen bekannt sind, scheinen Naturperlen im Neolithikum der arabischen Halbinsel eine wichtige Rolle gespielt zu haben, denn mittlerweile sind aus küstennahen Fundstellen dieser Epoche genau 101 Perlen bekannt. Die Perlen stammen alle aus Perlmuscheln der recht großen Art Pinctada margaritifera oder der kleineren Pinctada radiata. Diese ist etwas leichter zu sammeln und liefert Perlen höherer Qualität. Die neolithische Bevölkerung Arabiens scheint bereits eine Vorliebe für »perfekt« kugelig geformte Perlen gehabt zu haben, denn diese sind im Fundgut überproportional häufig vertreten. Möglicherweise wurden also fehlerhafte Perlen »nach der Ernte« aussortiert: ein Indiz, dass die Ausbeute groß genug war.

Die Muschelperlen spielten vor allem im Bestattungsritus ein besondere Rolle. Die jetzt in Umm al Quwain gefundene, nicht durchbohrte Perle befand sich in einem am Rande eines Gräberfeldes gelegenen Grab. Häufig finden sich die Perlen auf dem Gesicht oder im Bereich der Oberlippen der Toten. Neuste Untersuchungen haben für das 5. Jahrtausend v. Chr. ergeben, dass in Frauengräbern komplett durchbohrte Perlen, in Männergräbern dagegen halbdurchbohrte Perlen zu finden sind.

Aus den Schalen der Pinctada margaritifera wurden sehr haltbare Angelhaken hergestellt, die u.a. zur Jagd auf Thunfische dienten.

Publikation

Vincent Charpentier, Carl S. Phillips, Sophie Méry
Pearl fishing in the ancient world: 7500 BP. Arabian Archaeology and Epigraphy 23: 1-6, 2012

Kommentare (1)

  • Gerhard Freidhuber-Teuschl
    Gerhard Freidhuber-Teuschl
    am 26.06.2012
    Die Interpretation erscheint sehr schlüssig und beweist, dass Menschen, die sich künstlerisch betätigen auch andere Künste beherrschen.
    Und das Tauchen um Schmuck und Kostbarkeiten für einen geliebten Menschen ist wohl gut nachvollziehbar.

    Warum trauen wir den Menschen früherer Generationen immer weniger zu, als uns selber?

    Mit dank für die spannende Internetseite und besten Grüßen

    Gerhard Friedhuber-Teuschl

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