Texte im Geldbeutel

Universität Jena lädt zur Tagung der "Oriental Numismatic Society" am 12./13. Mai ein

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Zahlen sind auf Geldmünzen selbstverständlich, handelt es sind dabei doch um ein tägliches Zahlungsmittel. Auch Bilder findet man auf Münzen - etwa Gedenkmünzen - häufig. Ungewöhnlich aus heutiger Sicht sind dagegen Texte auf Münzen. "Doch mittelalterliche islamische Münzen tragen häufig Texte aus bis zu 150 Worten", weiß Dr. Stefan Heidemann von der Universität Jena. "Sie sind für Historiker zu lesen wie eine Urkunde." Auch die Zusammensetzung von Münzschätzen lassen sich lesen wie Texte. Über die Finanzreformen des persischen Großkönigs Khusru II. im 7. Jahrhundert etwa, geben rund 700 Silbermünzen Auskunft. "Dieser Schatzfund aus dem frühen 7. Jahrhundert umfasste ursprünglich etwa 30.000 Münzen", sagt Dr. Heidemann. "Der größte noch erhaltene Teil kann derzeit im Orientalischen Münzkabinett der Universität Jena studiert werden", so der Islamwissenschaftler vom Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients weiter.

Diesem Münzschatz aus dem spätantiken persischen Großreich ist einer der Vorträge des Europäischen Regionaltreffens der "Oriental Numismatic Society" gewidmet. Am 12. und 13. Mai werden dazu rund vierzig Wissenschaftler aus Deutschland, den USA, der Türkei und Ägypten an der Universität Jena erwartet. Die "Oriental Numismatic Society" ist ein weltweiter Zusammenschluss von etwa 1.200 Wissenschaftlern und Sammlern. Die Tagung findet im Senatssaal des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) statt und beginnt am Samstag (12. Mai) um 14 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, wobei für die Teilnahme ein Unkostenbeitrag in Höhe von 15 Euro erhoben wird.

Auf dem Programm der diesjährigen Tagung steht noch ein weiterer Vortrag zu einem Schatzfund, den das Münzkabinett der Jenaer Universität beherbergt. Dabei handelt es sich um persische Goldmünzen aus dem frühen 13. Jahrhundert. "Anhand dieses Schatzes können wir Fragen des Geldumlaufs und der Abfolge der Herrscher der regionalen Dynastie der Salghuriden klären", erwartet Heidemann.

"Dass sich gleich mehrere Vorträge der Tagung mit Schatzfunden beschäftigen, die hier in Jena aufbewahrt werden, zeigt die wiedergewonnene Bedeutung des Jenaer Sammlung", ist Heidemann überzeugt. Seit der Wiedereinrichtung des Lehrstuhles für Semitische Philologie und Islamwissenschaft der Universität Jena im Jahr 1994 entwickelte sich das Orientalische Münzkabinett zu einem Zentrum der historischen islamwissenschaftlichen Forschung mit Münzen. An zahlreichen Grabungen im Vorderen Orient sind die Jenaer Wissenschaftler beteiligt. Mit seinen etwa 19.000 Objekten ist das Münzkabinett heute die zweitgrößte derartige Sammlung in Deutschland.

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