Fünf seltene syrische Silbermünzen erworben

 

Fünf sehr seltene Silbermünzen aus dem mittelalterlichen Syrien hat das Orientalische Münzkabinett der Friedrich-Schiller-Universität jetzt erworben. Sie stammen aus dem 12. Jahrhundert und wurden in Aleppo im Nordwesten Syriens geprägt. Der Jenaer Wissenschaftler Dr. Stefan Heidemann erkennt in ihnen die frühesten Belege für die Wiedereinführung einer Silberwährung in dieser Region und somit für den Beginn eines geordneten staatlichen Finanz-Geldwesens. Der Erwerb der Münzen wurde durch eine großzügige Privatspende von Dr. Rüdiger Bettenhausen möglich.

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"Islamische Münzen tragen hauptsächlich Text und sind damit archivalischen Dokumenten vergleichbar", erklärt Heidemann. "Vielfach sind sie die einzigen erhaltenen Schriftbelege für politische, wirtschaftliche oder kulturelle Umbrüche." So stand Aleppo im 12. Jahrhundert unter der Herrschaft der Zangiden, einem Herrscherhaus turkmenischer Herkunft, und hatte sich als ein traditioneller Zielpunkt der alten Seidenstraße zu einem internationalen Fernhandelszentrum von erheblicher Bedeutung entwickelt.

"Lange Zeit benutzte man importierte byzantinische Kupfermünzen als Zahlungsmittel, bis man sich um 1175 für die Einführung einer eigenen soliden Silberwährung entschloss", weiß Heidemann. "Das war ein entscheidender währungspolitischer Einschnitt." Damit zusammen hängt auch die Neuordnung des staatlichen Finanz- und Steuerwesens und eine Renaissance der städtisch geprägten Kultur in dieser Region. Heidemann untersucht diese Vorgänge in einem größeren Forschungsprojekt über mittelalterliche Geldwirtschaft.

Das Jeaner Orientalische Münzkabinett dient ihm dabei als wichtiger Quellenfundus. Es birgt über 11.000 Exemplare aus dem gesamten vorderasiatischen Raum, die zwischen dem 7. Jahrhundert und heute datieren. Die Sammlung wurde 1840 von Johann Gustav Stickel angelegt und gilt als eine der weltweit größten ihrer Art. "Für Neuerwerbungen sind wir allerdings auf Spenden angewiesen", klagt Heidemann. Umso mehr hat er sich über die unerwartete Privatspende über insgesamt 12.000 Mark gefreut. Dr. Rüdiger Bettenhausen, ein Jurist aus dem Frankfurter Raum, ist Mitglied im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, und sieht sich persönlich der Wissenschaftsförderung verpflichtet. Er zählt zum Freundeskreis des Münzkabinetts an der Jenaer Universität. "Für einen Teil des gespendeten Geldes konnten wir den Erwerb der syrischen Münzen realisieren", so Heidemann, "den Rest wollen wir ebenso sinnvoll einsetzen."

Quelle: Pressemitteilung Uni Jena (idw)

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