Steinzeit am Ostseegrund

Die ältesten Menschenknochen Schleswig-Holsteins sind rund 7.400 Jahre alt

Die bisher ältesten Menschenknochen Schleswig-Holsteins wurden jetzt vor der Ostseeküste bei Stohl während der Grabung einer mesolithischen Siedlung entdeckt.

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Unterwasserarchäologie in Schleswig-Holstein
Ausgrabungsarbeiten am steinzeitlichen Fundplatz in Schleswig-Holstein, sechs Meter unter der Wasseroberfläche. Foto: © Florian Huber

Im Juni bargen Forschungstaucher und Studierende des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) diese Knochen und weitere archäologische Funde aus sechs Metern Wassertiefe.

Eine Besonderheit dieses Fundplatzes aus mesolithischer Zeit (im Norden ca. 9.600 bis 4.100 vor Christus) sind die guten Erhaltungsbedingungen, sagt die Projektleiterin Julia Goldhammer: »Das liegt am Luftabschluss unter Wasser, wodurch organische Funde wie hölzerne Sprossen von Aalstechern oder Fragmente eines Einbaums in sehr gutem Zustand sind.« Ebenso wurden Knochen verschiedener Meeresfische, See- und Landsäugetiere sowie Reste von Haselnüssen und Muscheln entdeckt. Weiterhin fanden die Archäologinnen und Archäologen Flintgeräte wie Beile, Klingen und Pfeilspitzen. »Alles zusammen ermöglicht uns tiefe Einblicke in die damalige Lebensweise der Menschen«, so Goldhammer. Eine weitere Besonderheit sei außerdem das hohe Alter des Siedlungsplatzes: »Die Fundstelle ist nach ersten Datierungsergebnissen rund 7.400 Jahre alt. Aus dieser prähistorischen Epoche, der ältesten Ertebøllephase, ist an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste bisher noch wenig bekannt.«
Durch die Ausgrabung von fünf Quadratmetern Ostseeboden sowie einige Testbohrungen während 106 Tauchstunden wissen die Forscherinnen und Forscher bisher, dass die Jäger, Sammler und Fischer am Ufer eines Brackwassersees oder einer Lagune Kernbeile herstellten und Fisch und Meeressäuger jagten. Durch den Anstieg des Meeresspiegels geriet der Platz einige Zeit nach der Nutzung unter Wasser, am Platz wachsende Eichen stürzten auf die Fundschichten. Glückliche Umstände führten dazu, dass die Sedimente und darin enthaltene Funde nicht von Brandung und Winterstürmen zerstört und im vergangenen Herbst von den Berufstauchern Rolf und Gerald Lorenz entdeckt wurden.

Wie genau die Menschenknochen an diesen Fundplatz gerieten und ob sich das Leben der Jäger und Sammler vor Stohl von dem ihrer Zeitgenossen in angrenzenden Regionen wie der dänischen oder mecklenburgischen Ostseeküste unterschied, soll durch weitere Untersuchungen geklärt werden.

Ermöglicht wurde das Grabungsprojekt durch die Kooperation des Instituts für Ur- und Frühgeschichte mit dem Forschungstauchzentrum der CAU und dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein sowie durch eine Spende der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. Unter der Leitung von Julia Goldhammer waren Florian Huber und Martin Furholt vom Institut für Ur- und Frühgeschichte sowie Sönke Hartz vom Archäologischen Landesmuseum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen beteiligt.

Forschungstaucherin
Forschungstaucherin Marijana Krahl übergibt Funde an Grabungsleiterin Julia Goldhammer. Foto: © Florian Huber

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