Gewalt und Krieg in der Bronzezeit

LOEWE-Projekt an der Goethe-Universität geht in die Schlussrunde

Der LOEWE-Schwerpunkt »Prähistorische Konfliktforschung – Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten« kann seine Arbeit ein weiteres Jahr fortsetzen. Das geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsprojekt unter Federführung von Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Goethe-Universität, erforscht den Zusammenhang von Herausbildung und Struktur neuartiger politischer Mächte mit der Entstehung neuer Formen militärischer Gewalt. Hierfür erhält der Verbund eine Auslauffinanzierung von rund 722.000 Euro.

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Felsbild Kampf in der Bronzezeit
Bewaffnung und Krieg in der Bronzezeit – hier bronzezeitliche Felsbilder aus Tanum, Bohuslän, Westschweden. Schwertträger mit Streitäxten auf einem Schiff der Nordischen Bronzezeit. Foto: Rüdiger Krause

Ziel des Projekts »Prähistorische Konfliktforschung« war es, eine Lücke in der archäologischen Erforschung Mitteleuropas zu schließen und mit einem interdisziplinären Ansatz Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten zu untersuchen. Im Vergleich zu römischen Kastellen oder mittelalterlichen Burganlagen sind die Burganlagen der Bronzezeit bislang wenig erforscht. Bereits um die Wende vom 17. zum 16. Jahrhundert v. Chr. bauten Menschen jedoch mit starken Mauern befestigte Siedlungen, um sich vor Angreifern zu schützen und Verkehrswege zu kontrollieren. Fast zwei Jahrtausende lang waren diese Burgen ein prägendes Phänomen in Mitteleuropa.

Dass es durchaus kriegerische Auseinandersetzungen in größerem Umfang gab, ist nicht nur an der Existenz der Burganlagen erkennbar, sondern auch an der Entwicklung und Verbreitung neuer Waffen wie Hieb- und Stichschwertern sowie Schutzschilden. Die Forschung gehe davon aus, dass Kriegergefolgschaften systematisch ihre Nachbarn überfallen und zuweilen auch größere Massaker verübt hätten, sagt Projektleiter Prof. Rüdiger Krause. So konnten bei den Ausgrabungen auf dem Sängersberg bei Bad Salzschlirf (Kreis Fulda) und in der großen Befestigung von Sântana bei Arad in Rumänien unmittelbares Kampfgeschehen an den Mauern durch zahlreiche Pfeilspitzen (Sängersberg) und durch Hunderte von Schleuderkugeln (Sântana) nachgewiesen werden

Im LOEWE-Schwerpunkt wird nun seit 2016 das Phänomen der bronzezeitlichen Burg auf eine neue empirische Grundlage gestellt: Moderne Prospektionsmethoden erlauben neue Einblicke in die Struktur der Anlagen, Grabungen können zielgenau geplant und durchgeführt werden. Im Fokus stehen dabei die sozialhistorische Perspektive auf gewaltsame Konflikte in der Bronzezeit und ein Vergleich mit den Verhältnissen im Mittelalter. Prof. Krause koordiniert den LOEWE-Schwerpunkt gemeinsam mit Prof. Svend Hansen, Direktor der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Beteiligt sind u.a. auch der Frankfurter Soziologe Ferdinand Sutterlüty, der Historiker Bernhard Jussen und die Archäobotanikerin Astrid Stobbe. Außeruniversitärer Partner ist die Römisch Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt.
Die Abkürzung LOEWE steht für »Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz«. Das Forschungsförderprogramm geht nun in eine 13. Auswahlrunde. Bis 15. April 2019 können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit ihren Forschungsvorhaben für die Förderung ab 2021 bewerben.

Bronzezeitliche Pfeilspitzen vom Sängersberg
Pfeilspitzen aus Bronze vom Sängersberg bei Bad Salzschlirf, Kreis Fulda. Die LOEWE-Ausgrabungen (2017-2018) haben an der Befestigungsmauer Hinweise auf eine bewaffnete Auseinandersetzung ergeben. Einige der Pfeilspitzen sind durch den Aufprall auf Stein verbogen. Um 1000 v. Chr. Foto: B. Voss
Bronzezeitliche Befestigungsanlage
Die große Befestigung der jüngeren Bronzezeit (1400-1300 v. Chr.) von Sântana bei Arad, Rumänien. Die LOEWE-Ausgrabungen 2018 haben einen bis zu 4,5 m tiefen Spitzgraben um die Anlage ergeben, der zusammen mit einer Holz-Erde-Mauer eine bedeutende Befestigung und ein Annäherungshindernis darstellte. Der rote Lehm im Graben stammt von der verbrannten Holz-Erde-Mauer, die brennend in den Graben gestürzt ist. Foto: V. Sava

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