Schlachtfeldarchäologie bei Lützen beschlossene Sache

Unweit des historischen Schlachtfeldes bei Lützen fräsen sich Braunkohlebagger durch die Landschaft. Das Bergbauunternehmen MIBRAG, Sachsen-Anhalts Kultusminister Olbertz und Landesarchäologe Meller unterzeichneten am Montag einen Vertrag über die archäologische Untersuchung des Schlachtfelds aus dem Dreissigjährigen Krieg.

Nachrichten durchblättern

Das gemeinsame Forschungsprojekt zur „Durchführung archäologischer Forschungen mit Prospektion im Bereich des Schlachtfeldes Lützen“ wird alle Beteiligten auf eine spannende Zeitreise zu den noch nicht erforschten Geheimnissen der mitteldeutschen Geschichte mitnehmen. Am 23. Februar 2009 unterzeichneten Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Harald Meller, Landesarchäologe, Dr. Joachim Geisler, Vorsitzender der Geschäftsführung der MIBRAG, und Bürgermeister der Stadt Lützen, Maik Reichel, in Halle die Vereinbarung zur Schlachtfeldarchäologie bei Lützen (Burgenlandkreis).

Das anspruchsvolle Vorhaben steht unter Federführung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie und wird vom Land Sachsen-Anhalt sowie der Stadt Lützen unterstützt. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH finanziert das Projekt über den Zeitraum von fünf Jahren mit knapp 600 000 Euro. Dazu erklärte Dr. Joachim Geisler: „Unser Unternehmen hat einen guten Draht zur Wissenschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Hochtechnologien zur nachhaltigen Nutzung der Braunkohle. Mit der Schlachtfeldarchäologie, einer noch jungen Wissenschaftsdisziplin, werden wir unser Engagement auf eine breitere Basis stellen.“

Bis 2014 werden Archäologen des Landesamtes systematisch Prospektionen mit Hilfe von Metalldetektoren auf dem historischen Schlachtfeld mit einer Gesamtfläche von etwa 300 Hektar durchführen und auswerten. Hier standen sich am 16. November 1632 in der bedeutendsten Schlacht des Dreißigjährigen Krieges die protestantischen, überwiegend schwedischen Heere unter Führung des Königs Gustav II. Adolf, und die katholischen kaiserlichen Truppen unter Wallenstein gegenüber. Der Schwedenkönig fiel in den blutigen Kämpfen.

Die MIBRAG unterstützte auch im Vorfeld des gemeinsamen Forschungsprojektes die ersten Untersuchungen des Schlachtfeldes. Die Auswertung der Funde ergab, dass der bekannte Verlauf der Schlacht in Zukunft konkretisiert und zum Teil neu rekonstruiert werden muss. Internationale Aufmerksamkeit erreichte das Thema bereits auf dem 1. Mitteldeutschen Archäologentag im Oktober 2008 in Halle und Lützen.

Vor der Vertragsunterzeichnung hatten Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz und Dr. Joachim Geisler im Auftrag der Stiftung zur Förderung der Archäologie Sachsen-Anhalt den diesjährigen Preisträgern des Danneil-Stipendiums in Höhe von 900 Euro im Monat feierlich die Förderbescheide überreicht. Die von der MIBRAG initiierte Archäologiestiftung unterstützt 2009 die Promotionsvorhaben der jungen Wissenschaftler Andreas Nebe, Frauke Jacobi, Birgit Lißner, Stefan Ertmer, Brigitte Schiefer und Sandra Sosnowski.

Kommentare (4)

  • Reinhold Feigel
    Reinhold Feigel
    am 28.02.2009
    Kann mir einer erklären, wozu wir eigentlich diese Braunkohle, deren Gewinnung verheerende Einschnitte in das Leben der dortigen Bevölkerung und - wie hier zu lesen - in den Denkmalbestand hat, brauchen? Das Zeug ist von absolut minderer Qualität, von erbärmlichem
    Brennwert und damit völlig inakzeptabel. O.K. zu DDR Zeiten wohl nicht zu entbehren, aber heute? Ein Volk, das sich einer Kultur und Geschichte rühmt, sollte sich schämen, beides durch schäbigen Braunkohleabbau zu zerstören. Ich jedenfalls schäme mich!
  • V. Klose
    V. Klose
    am 08.03.2009
    Ih kann da zu 100 % zustimmen, sowas sollte in der heutigen Zeit einfach nicht zugelassen werden.
    Auch mit Totschlagagumenten wie "Arbeitsplatzsicherung usw" ist es hier nicht getan.
    Aber auch in anderen Bdereichen wird lieber gebaut als geschützt.
  • Eckhard
    Eckhard
    am 08.03.2009
    Hallo Reinhold!

    Einem Volk dem seit Kindesbeinen anerzogen wird, sich seiner Geschichte zu schämen, wird man nicht einmal ausserhalb der Jahre 33-45 erlauben seine Geschichte zu pflegen!

    Es könnte sich ja bewusst werden, dass es ausser der Zeit von 33-45 noch andere geschichtliche Wurzeln hat.

    Und das empfinden einige der Nutznießer dieser kranken Zustände heute, wohl sehr gefährlich für sich !

    Eckhard

    Zitat:
    "Ein Volk, das sich einer Kultur und Geschichte rühmt, sollte sich schämen, beides durch schäbigen Braunkohleabbau zu zerstören. Ich jedenfalls schäme mich!"
  • Torben
    Torben
    am 10.03.2009
    Abgesehen davon, dass ich es traurig fände, wenn die Braunkohlebagger das historische Schlachtfeld wegfräßen, möchte ich doch dieses zu Eckhards Äußerung anmerken:

    "Einem Volk dem seit Kindesbeinen anerzogen wird, sich seiner Geschichte zu schämen,..."

    1. Zum Thema "Die Geschichte eines Volkes": Hm, hat ein "Volk" eine Geschichte?
    Soweit ich das überschauen kann, ist "Volk" doch eher ein Begriff, den die Nazis benutzt haben, um sowas wie eine historische Legitimation ihres Herrschaftsanspruches zu erschaffen!?

    2. Mir wurde nicht anerzogen, mich für irgendweine Geschichte (auch nicht die von 33-45) zu schämen. Die Scham ist - neben diversen anderen, schwer zu klärenden Gefühlen - eine doch ganz natürliche Reaktion auf die historischen Fakten. Da muss nicht viel Erziehungsarbeit in Richtung Scham getan werden, da reicht es schon, wenn man - wie Eckhard sagt - die Geschichte pflegt (was ja wohl so viel heißt wie das Erinnern, Verarbeiten und Darstellen von Gewesenem aufrichtig zu betreiben).

    3. Entschuldigt bitte den "Off Topic"-Beitrag.

Neuen Kommentar schreiben