Call for Papers: Schlachtfeld und Massengrab – Spektren interdisziplinärer Auswertung von Orten der Gewalt

Anläßlich der Entdeckung eines Massengrabes mit 120 bestatteten Söldnern aus einer Schlacht des Dreißigjährigen Krieges richtet das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologische Landesmuseum im November 2011 eine Tagung aus. Forscher der unterschiedlichsten Fachrichtungen, die sich mit Orten der Gewalt befassen, sind eingeladen, ihre Ergebnisse auf der Tagung vorzustellen.

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Die Schlacht bei Wittstock 1636
Die Schlacht bei Wittstock 1636, zeitgenössischer Kupferstich

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum richtet vom 21. bis 24. November 2011 in Brandenburg a/d Havel die Tagung „Schlachtfeld und Massengrab – Spektren interdisziplinärer Auswertung von Orten der Gewalt“ aus.

Seit einigen Jahren befindet sich die vergleichsweise junge Disziplin der Schlachtfeldarchäologie in Deutschland im Aufwind. Ausschlaggebend dafür sind die Untersuchungen mehrerer archäologischer und historischer Schlachtfelder, von denen das Tollense-Tal, Kalkriese, Harzhorn und Lützen hier stellvertretend genannt sind.

Insbesondere die vermehrte Entdeckung von Einzelknochen und Knochengruben sowie Einzel- und Massengräbern in den letzten Jahren bietet eine bis dato nicht vorhandene Informationsfülle. Neben der Archäologie und Anthropologie sind nun naturwissenschaftliche Spezialdisziplinen gefragt. Sie liefern detaillierte Daten zu den
Verstorbenen und ermöglichen es, die sich auf Schlachtfeldern oder andernorts ereigneten Gewaltaktionen zu rekonstruieren.

Ausschlaggebend für die Ausrichtung dieser Tagung ist die Entdeckung eines Massengrabes mit 120 bestatteten Söldnern aus einer Schlacht des Dreißigjährigen Krieges im Frühjahr 2007 bei Wittstock a/d Dosse. Die große Anzahl beigesetzter Soldaten, die detaillierte archäologische und anthropologische Dokumentation sowie die vollständige Bergung aller Skelette und Einzelknochen begründet eine wissenschaftliche Sonderstellung des Befundes. Bei der Auswertung trug ein Team aus Archäologen, Anthropologen, Paläopathologen, Archäometrikern, Humangenetikern, Historikern und Geoforschern sowie Fachleuten aus den Bereichen Ballistik, Forensik und Waffenkunde zur Analyse bei. Der interdisziplinäre Forschungsansatz erlaubt eine weitgehende Rekonstruktion nicht nur der Geschehnisse auf dem Schlachtfeld.Vielmehr ermöglicht er die Ergänzung der bekannten historischen Daten sowie die Betrachtung der Ereignisse aus einem unüblichen Blickwinkel: dem des in den Schriftquellen zumeist vernachlässigten „kleinen Mannes“. Diese Perspektive nimmt auch die Sonderausstellung „1636 – ihre letzte Schlacht“ ein, die von September 2011 bis April 2012 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster gezeigt wird.

Forscher der unterschiedlichsten Fachrichtungen, die sich mit Orten der Gewalt befassen, sind eingeladen, ihre Ergebnisse auf der Tagung vorzustellen. Der Fokus richtet sich dabei keinesfalls nur auf die Neuzeit. Insbesondere erwünscht sind Beiträge, in denen der interdisziplinäre Untersuchungsansatz deutlich wird. Pro Vortrag sind 30 Minuten Redezeit geplant sowie eine sich direkt anschließende Diskussion. Die Ergebnisse können auch in einem Poster präsentiert werden.

Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Für den 24. November 2011 ist eine Exkursion zum Schlachtfeld in Wittstock und in das dortige Museum des Dreißigjährigen Krieges vorgesehen. Themenvorschläge können bis zum 1. Dezember 2010 eingereicht werden. Weitere Informationen dazu finden Sie in der unten angegebenen PDF-Datei.

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