Archäologische Grabungen in Dornhan (Kreis Rottweil)

Im Bereich der im Mittelalter gegründeten Stadt Dornhan fanden 2018 erstmals archäologische Ausgrabungen statt. Dabei konnten Erkenntnisse zu dem aus einem Graben und zwei Mauern bestehenden Befestigungssystem gewonnen werden, von dem ein Teil im 17. Jahrhundert aus noch nicht geklärten Gründen eingestürzt und danach rasch repariert worden war.

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Arbeitsfoto
Ausgrabungsarbeiten im Bereich der Stadtbefestigung von Dornhan. Foto: LAD

Die Stadt Dornhan beabsichtigt einen Um- und Anbau an das Rathaus auszuführen und auf einem ca. 220 m² großen Grundstück einen Anbau zu errichten. Aufgrund der historischen Überlieferung und der Topographie ist mit berechtigter Erwartung davon auszugehen, dass am Rande der alten Stadt archäologische Relikte erhalten sind. Im Stadtbild ist hingegen obertägig nur wenig aus dieser Zeit erhalten. Zum Bauantrag formulierte das Landesamt für Denkmalpflege eine Auflage, dass vor Baubeginn eine archäologische Rettungsgrabung durchzuführen ist. Ziel der Untersuchungen war es, Relikte vor einer drohenden Zerstörung fachgerecht zu dokumentieren, Funde zu bergen und so beides der Nachwelt zu überliefern. Seit Ende September wurden im Auftrag der Stadt archäologische Ausgrabungen von der fodilus GmbH durchgeführt.

Unmittelbar neben dem Rathaus wurde zwei Meter unter dem aktuellen Straßenniveau der Stadtgraben aufgefunden. Dieser wurde, neben Bauschutt aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, auch mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs aus dem 17. Jahrhunderts verfüllt. Darunter befinden sich unter anderem Töpfe, Glas, Kochgeschirr und Pfeifenköpfe. Das umfangreiche Fundgut gibt Zeugnis vom bürgerlichen Alltag zur Zeit des 30-jährigen Krieges.

Den Graben begrenzt zum Rathaus hin eine mächtige Stützmauer. Die eigentliche Stadtmauer verlief vermutlich parallel dazu im Bereich der Westwand des Rathauses. Zwischen diesen beiden Mauern verlief ein schmaler Zwischenraum, eine sogenannte Berme. Das Befestigungssystem der Stadt Dornhan war demzufolge sehr differenziert ausgestaltet.

In dem etwa 15 m langen Teilstück der Stützmauer wurde zufällig ein Bereich erfasst, der offenbar im frühen 17. Jahrhundert eingestürzt war. Ob dies auf kriegerische Ereignisse, einen der urkundlich überlieferten Stadtbrände oder ein Erdbeben zurückzuführen ist, kann momentan noch nicht geklärt werden. Deutlich sichtbar ist hingegen, dass die Mauerbresche rasch und nur notdürftig geflickt worden ist.

Unter den Funden sind auch ältere, die ins späte Mittelalter weisen. Diesen Funden lassen sich zurzeit noch keine Strukturen zuweisen. Die Arbeiten sind noch in vollem Gange, so dass hier noch mit Überraschungen zu rechnen ist. Die Ausgrabungen und Funde zeigen schon heute deutlich, dass in Dornhan - auch an anderer Stelle - noch Zeugnisse der mittelalterlichen Stadt im Boden ruhen. Künftige Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen.

Reliefkachel
In der Verfüllung des Stadtgrabens fanden sich Gegenstände des täglichen Lebens und Bauschutt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, darunter auch diese Reliefkachel. Foto: LAD

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