Zweiter mittelalterlicher Stadtgraben in Haltern gefunden

Mit archäologischen Überraschungen hat Haltern am See schon häufiger auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt kommen die Archäologen der LWL-Archäologie für Westfalen wieder ins Staunen. In einer unscheinbaren Baustelle trat unverhofft ein dem Hauptgraben vorgelagerter zweiter Stadtgraben aus dem Spätmittelalter zutage. »Damit haben wir den ersten Nachweis dafür, dass Haltern eine gestaffelte Stadtbefestigung hatte«, bewertet LWL-Archäologe Dr. Hans-Werner Peine den Überraschungsfund als kleine Sensation für die Stadt, die insbesondere mit seinem Römerlager von sich Reden macht.

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Stadtgraben von Haltern im Grabungsprofil
Eine kleine archäologische Sensation ist dieser Stadtgraben, der sich deutlich im Halterner Boden abzeichnet. Foto: U. Ruppert/Stadt Haltern

Es war eine routinemäßige Baustellenbeobachtung an den Straßen Grabenstiege/Zum Mühlengraben im Norden des historischen Stadtzentrums, bei der sich die Aufmerksamkeit der Baufirmen und Vertreter der Stadt auf die Verfärbungen im Boden richteten. Dort, wo demnächst ein Wohnhaus entstehen soll, war in der Erde deutlich zu erkennen, dass hier einstmals ein Graben die Landschaft prägte. Die Archäologen des Mittelalterreferates der LWL-Archäologie für Westfalen wurden von Michael Berkenkamp, dem Bauleiter vor Ort, sowie von Ulrich Ruppert vom zuständigen Fachbereich der Stadt Haltern über den Fund informiert. Nach genauer Dokumentation des Grabens ist Referatsleiter Peine begeistert: »Es handelt sich dabei nicht um den eigentlichen Hauptgraben der Stadtbefestigung, dessen Verlauf uns überliefert ist.« Vielmehr zeugen die sich deutlich im Boden abzeichnenden Grabenspuren von der Existenz eines zweiten Außengrabens, der dem Wall, dem Hauptgraben und der Stadtmauer im Norden der Stadt vorgelagert war.

»Wir sehen hier vermutlich eine Ausbaustufe der Stadtbefestigung, eine spätmittelalterlichen Erweiterung der Verteidigungsanlagen«, erläutert Peine und deutet dabei auf die dunkle Erdschicht, die sanft in der Tiefe der Erde verschwindet und wieder aufsteigt. Der Graben verläuft von Osten nach Westen und ist knapp 7,5 Meter breit. Er reicht bis in 2,6 Metern Tiefe hinab. Der Graben wurde später verfüllt, vermutlich wurde der Wall hineingeschoben. »Die Füllschicht ist völlig steril - das heißt, darin sind keine weiteren Funde zu entdecken«, erklärt der LWL-Archäologe.

Hintergrund

Solche doppelten, der Stadtmauer vorgelagerten Grabensysteme sind im Mittelalter eine durchaus gängige Methode, um die Stadt vor Gefahren und Eindringlingen zu schützen. Den sicheren Beweis, dass auch die mittelalterlichen Bewohner in Haltern sich auf diese Art vor Bedrohungen schützten, können jetzt die LWL-Archäologen dank der Aufmerksamkeit der Bauleitung und der Stadt Haltern dokumentieren. Im Süden der Stadt war eine doppelte Befestigung wohl nicht erforderlich, weil dort die Lippe einen natürlichen Schutz bot.
Erstmals sicher belegt ist eine Stadtbefestigung in Haltern im Jahr 1289. Damals befahl der Bischof von Münster, als damaliger Stadtherr, Haltern »de novo« - von neuem - zu befestigen. Es ist also davon auszugehen, dass es bereits eine ältere Umwehrung gab. Wie beide Befestigungen genau aussahen, ist nicht bekannt. Mit dem jetzigen Fund weiß man jedoch zumindest über den zweiten Außengraben ein wenig mehr.

Stadtgraben von Haltern im Grabungsprofil
Die LWL-Archäologen haben mit dem Graben den ersten Nachweis für eine dem Hauptgraben vorgelagerte, vermutlich spätmittelalterliche weitere Grabenbefestigung entdeckt. Foto: U. Ruppert/Stadt Haltern

Kommentare (1)

  • Rolf Nowack
    Rolf Nowack
    am 07.07.2012
    Nicht nur in Haltern auch in anderen Städten gab es diesen 2. Vorgraben. Herr Prof. Dr. Stephan hatte sich vor Beginn seiner "Nienover-Grabung" entschlossen meine Darstellung dieses Vorgrabens nachzugehen Allerdings hat das Grabungsteam die 3 (Bliden-)Belagerungsschanzen der Stadtwüstung im Solling nicht aufgenommen, die aufgrund ihrer Ausrichtung erst das Ausmaß der Siedlung vermuten ließen. Aber der Prof.Dr. Stephan hatte 1992 auf der Treppe zu Dr. Klaus Grote`s Domizil in Göttingen andächtig zugehört als er den Lageplan der Stadtwallreste, die Lage der ausgepflügten Steine und die Farbunterschiede der Hausgrundrisse im ausreifenden Korn von mir juni 1992 erklärt bekam. Auch hat er während der Grabungskampagne unterlassen die östliche Befestigungsanlage "Pilenburg" südlich des Flurbereichs "Neustadt" zu untersuchen. Leider hat er trotz Ehrenwort, langem Händeschütteln und Zusage mir eine Beteiligung als Grabungshelfer nicht eingehalten. So gehen niedersächsische Archäologen mit den Entdeckern um. Aber einige seiner jungen männlichen Studenten wurden mit Warmherzigkeit bedacht und langfristig mit guter Entlohnung belohnt. Eine weitere große frühmittelalterliche Stadtwüstung befindet sich im Stadtgebiet von Northeim in Südniedersachsen. Auf von der KWS genutzten Flächen der KLosterkammer Hannover befindet sich seine ovale Befestigung mit einem Durchmesser von 1200 Metern. In den breiten Graben vorgeschobene Türme im Abstand wie bei der Bernwardmauer in Hildesheim ziehen sich auf einen sanft geneigten Berhang aufwärts. Die Landwirte holen beim Pflügen ebenfalls an verschiedenen Stellen Steinplatten an die Oberfläche. Im gesamten Areal finden sich ab und zu Schlacken von Brauneisen und anderen Erzen. Die Scherben weisen auf frühes und hohes Mittelalter. Bei dieses Stadtanlage sind die Baugräben der Ringmauer im Luftbild klar zu erkennen. Die Anlage überdeckt zwei 4 bis 6 Hektar große umwallte Vorgängeranlagen, von denen eine möglicherweise als Römerkastell anzusprechen ist. Weitere mittelalterliche Burganlagen befinden sich westlich in unmittelbarer Nähe. Hier sollte das Landesamt für Denkmalpflege und das Deutsche Archäologische Institut dem Landkreis und der Stadt Northeim unter die Arme greifen. Gleiches gilt für die ähnlich großen Befestigungsanlagen auf dem Wurmberg bei Braunlage. Auch hier fehlt es an Geldern und Förderern die die Archäologische Sichtung forcieren und dem interessierten Touristen zugänglich machen könnten. Südniedersachsen hat neben den bekannten Burgen und Befestigungsanlagen noch einige nur schlecht sichtbare aber in der Größenausdehnung gewaltige ehemalige Burganlagen zu bieten.
    Es grüßt der Burgenfuchs aus Katlenburg.

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