Isnys Stadtbrand von 1631 für die Archäologen ein Glücksfall

Im Rahmen der Präsentation des vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart herausgegebenen Jahrbuchs »Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2014« wurden gestern die Ergebnisse der Grabungen auf dem Areal »Hofstatt« in Isny vorgestellt.

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Kupfergefäße des Brunnens
Isny: Kupfergefäße des Brunnens aus Fläche 4 a (Foto: LDA BaWü)

Die 2012 begonnenen Ausgrabungen in Isny waren wegen eines umfassenden Sanierungsprojektes im Bereich »Hofstatt« notwendig geworden. Die Flächen gehören zu einem Quartier, das sich nach einem verhängnisvollen Stadtbrand 1631 nie wieder richtig von der Katastrophe erholt hatte. Für die Archäologen ein Glücksfall, da die Flächen nach dem Brand nicht abgeräumt, sondern großflächig geebnet und neu bebaut wurden. So erbrachten die  Ausgrabungen Belege für eine dichte Bebauung ins Isny, die sich über die Jahrhunderte entwickelt hatte. Brunnen, Latrinen, Keller und reiches Fundmaterial zeugen vom Alltag  vor dem großen Brand. Diese – ebenfalls bis ins Mittelalter zurückgehenden Befunde - sind erhalten geblieben, da die Stadt im Zweiten Weltkrieg auch von Bomben weitegehend verschon blieb.

Die inzwischen auf knapp 6000 Quadratmeter angewachsene Grabungsfläche, direkt an die obere Stadtmauer grenzend, erlaubt einen differenzierten Blick in die Isnyer Stadtgeschichte. Durch die geplante Sanierung der südlichen Altstadt fanden im Vorfeld der vorgesehenen Baumaßnahmen umfangreiche Rettungsgrabungen im historischen Zentrum der Stadt statt. Das betroffene Viertel hatte sich nach einem Stadtbrand 1631 nie wieder richtig von dessen Folgen erholt und ist bis heute durch viele Freiflächen und eine einfache Bebauung gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um ein Areal, das große Bedeutung für die Ursprünge der Stadt besitzt. Der Bereich »Hofstatt« war dem 1042 erstmals erwähnten Fronhof der Grafen von Vehringen in Verbindung gebracht worden und galt damit als eine der Keimzellen der Stadt.

Erfasst wurden verschiedene steinerne und hölzerne Keller, daneben verschieden Brunnen und Latrinen, allesamt in die Zeit vor dem Stadtbrand zu datieren. Aus einer Latrine wurden insgesamt Fragmente von über 100 Gläser geborgen. Etwa zehn Exemplare konnten unzerbrochen, viele nur wenig zerscherbt, geborgen werden.
Insgesamt ließen sich über 30 Exemplare nahezu vollständig restaurieren. Es handelt sich hauptsächlich um Trinkgläser, genauer um sogenannte Krautstrünke und Stangengläser. Die aus der 1. Hälfte des 16. Jh. stammenden Gläser sind einer der Hauptattraktionen der Ausstellung »Unter Schutt und Asche« im Museum am Mühlturm. Gegenwärtig sind sie jedoch in der Ausstellung »Glasklar« im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz zu sehen.

Unter dem Brandschutt der Katastrophe von 1631 haben sich die Pflasterungen von Straßen und Innenhöfen zusammen mit den Grundmauern der abgebrannten Gebäude erhalten, die einen tiefen Einblick in die Gestalt des Areals im 17. Jahrhundert vermitteln. Daneben kamen mehrere Keller mit Belegen textilen Gewerbes zutage, dessen Existenz bereits im frühen 14. Jahrhundert urkundlich in Isny belegt ist. Die erfassten Reste von Trittwebstühlen konnten aufgrund der guten Holzerhaltung teilweise auf die Jahre direkt vor dem großen Stadtbrand datiert werden.

Die gute Holzerhaltung geht auf das hoch anstehende Schichtwasser zurück, das offensichtlich auch der Vergangenheit zu Problemen geführt hat. Um Keller und Gruben trocken halten zu können, durchziehen Drainagegräben das ganze Areal.

Zusammenfassend konnte zwar einige vorstadtbrandzeitliche Siedlungsphasen getrennt werden, sie reichen jedoch frühestens bis ins späte 13. oder frühe 14. Jahrhundert zurück. Einer Aufsiedlung im 15./16. Jahrhundert folgt im Bereich der »Hofstatt« wohl erst im fortgeschrittenen 16. und frühen 17. Jahrhundert eine flächige Bebauung mit gepflasterten Wegen. Eine Keimzelle ist somit archäologisch heute auszuschließen. Vielmehr wird eine Aufsiedlung im Zuge einer Stadterweiterung fassbar, die damit eine deutlich komplexere Siedlungsentwicklung wiederspiegelt, als ursprünglich angenommen.

Info

Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2014 Hg. v. Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, dem Achäologischen Landesmuseum, dem Förderkreis Archäologie in Baden und der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V. ISBN 978-3-8062-3212-7 Stuttgart 2015; Theiss Verlag, Darmstadt 368 S. mit 249 Fotos, Plänen und Zeichnungen 21,95 Euro

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