Ein Desaster für den Kulturgutschutz. DGUF kommentiert Entwurf zum neuen Kulturgutschutzrecht

Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens hat die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V. (DGUF) eine Stellungnahme zum Entwurf des neuen Kulturgutschutzrechts abgegeben - mit einem sehr kritischen Urteil.

Nachrichten durchblättern

Fast eine Gebrauchsanweisung zum Import von illegalen Kulturgütern

In ihrer Stellungnahme an Monika Grütters begrüßt die DGUF die politischen Zielsetzungen des Gesetzentwurfs. Wie die Archäologen und Juristen der DGUF herausarbeiten, sind viele der geplanten Bestimmungen an wichtigen Stellen ungenau und nicht zielführend. Manche Passagen lesen sich bei etwas Fantasie wie eine Gebrauchsanweisung zum Import von illegalen Kulturgütern (v.a. § 32 »Unrechtmäßige Einfuhr von Kulturgut« und § 42 »Sorgfaltspflichten beim gewerblichen Inverkehrbringen«). Mit gezielten, schwer gegenteilig nachweisbaren Falschangaben ließen sich illegale Stücke legalisieren. In Summe würden die Bestimmungen in Deutschland schwächer ausfallen als in vergleichbaren Staaten der EU, Deutschland bliebe somit ein bevorzugter Tummelplatz für den internationalen Antikenhandel, einen der finanzstärksten Märkte weltweit.

So kritisiert die DGUF beispielsweise die so genannten Stichtagsregelungen (§ 32 Abs. 1.a-b). Mit ihnen würden alle bereits vollzogenen illegalen Einfuhren von Kulturgut nach Deutschland vor diesen Stichtagen legalisiert, auch wenn sie aus Raubgrabungen stammen. Es wäre für Antikenhändler und Sammler ein Leichtes zu behaupten, die fraglichen Stücke seien vor diesen Stichtagen importiert worden. Diese Regelung führt das eigentliche Anliegen der Gesetzesnovelle, nämlich die Stärkung des Kulturgüterschutzes, ad absurdum. Der Staat nimmt sich selbst jede Möglichkeit, gegen Raubgräberei und Hehlerei effizient vorzugehen. Die DGUF empfiehlt daher dringlich die ersatzlose Streichung der Stichtagsregelungen.

Die Orientierung am Handelswert der Objekte ist ein Fehler

Das grundlegende Missverständnis des Gesetzgebers liegt darin, dass Antiken weiterhin als Wertgegenstände mit einem bemessbaren wirtschaftlichen Wert behandelt werden. Tatsächlich sind Kulturgüter – auch kommerziell geringwertige Stücke – wertvolle Objekte mit potenziell hoher historischer Aussagekraft, die uns helfen, die Vergangenheit besser zu verstehen. Daher ist jede Orientierung am Handelswert der Objekte ein grundlegender Fehler.

Aufgeweichtes Gesetz nach Lobbyarbeit des deutschen Kunst- und Antikenhandels

In der Begründung des Entwurfs ist zu lesen, das Gesetz solle auch der Stärkung des Kulturhandelsstandortes Deutschland dienen. Die DGUF fordert: Es sollte prioritär um den Kulturgüterschutz gehen - nicht um Partikularinteressen. Offenbar war die seit Juli 2015 auch in den Feuilletons nachzuvollziehende Lobbyarbeit des deutschen Kunst- und Antikenhandels erfolgreich, denn ein früherer Gesetzesentwurf vom Juni 2015 sah strengere Regelungen vor. Nicht überraschend fallen jetzt erste Stellungnahmen zum Gesetzentwurf von Seiten der Organisationen, die dem Kunst- und Antikenhandel nahestehen, positiv aus - und regen weitere Aufweichungen des Gesetzes an.

Auch der Deutsche Verband für Archäologie e. V. (DVA), der Dachverband archäologischer Vereinigungen in Deutschland, teilt die Sicht der DGUF. In seiner Stellungnahme an Monika Grütters moniert der Präsident des DVA, Prof. Dr. Hermann Parzinger, ebenfalls die zu geringen Sorgfaltspflichten beim Handel mit antikem Kulturgut.

Desaster für den Kulturgutschutz

Das Fazit der DGUF: Der Referentenentwurf wird seinen Zielsetzungen keineswegs gerecht. Vielmehr bewertet ihn die DGUF als ein Desaster für den Kulturgutschutz. Die unveränderte Inkraftsetzung des Entwurfs würde nach Überzeugung der DGUF das internationale Ansehen Deutschlands schädigen.

Weitere Informationen: Die vollständige Stellungnahme der DGUF

 

Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V. (DGUF)

Die DGUF ist mit mehr als 700 Mitgliedern die größte deutschlandweit auf dem Gebiet der Ur- und Frühgeschichte tätige Vereinigung, in der an Archäologie interessierte Bürger ebenso wie Wissenschaftler zusammengeschlossen sind.

Kommentare (20)

  • Tim
    Tim
    am 10.10.2015
    Den Antikenhandel unter Generalverdacht zu stellen und ihn mittels überzogener gesetzlicher Hürden abzuwürgen hat nicht funktioniert. Ich begrüße das.
  • Jürgen Plaumann
    Jürgen Plaumann
    am 10.10.2015
    Dieser Artikel ist grässlich und von einem absoluten kompromisslosen Hardliner geschrieben.
    Ich vermisse bei dem Gesetzesentwurf das Augenmass! Wer Raubgrabungen verhindern will sollte in erster Linie daran gehen die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern. Nicht das Alter kann über ein "Kulturgut" entscheiden und der tatsächliche Marktwert kann ein Anhalt dafür sein. Der Marktwert ist aber eine gute Messlatte und sollte möglichst hoch angesetzt werden. Sonst fällt nämlich ein 120 Jahre alte Münze aus der Kaiserzeit auch noch darunter und das ist ein vollkommener Schmarrn. Genauso wie verallgemeinernd antike Gegenstände automatisch Kulturgut im Sinne des Gesetzes sein sollen. Eine Münze war ein Zahlungsmittel und wurde im Normalfall tausendfach geprägt. Fibeln gab es in der mittleren römischen Kaiserzeit viele. Frühmittelalterliche Fibeln gehören hier schon eher herein. Über Keramik ließe sich schon streiten. Steindenkmäler, Mosaiken, Militärdiplome, u. ä. sind ein Kulturgut und gehören nicht gehandelt.
    Augenmass, Verstand und Realitätssinn vermisse ich!
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 11.10.2015
    Hierzu empfehle ich auch folgende Anfragen an Politiker unseres Landes zu beachten:

    http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_volker_ullrich-778-78534--f444232.html#q444232

    http://www.abgeordnetenwatch.de/monika_gruetters-778-78148--f443237.html#q443237

    http://www.abgeordnetenwatch.de/monika_gruetters-778-78148--f444269.html#q444269

    https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/jens-meyer-2/question/2015-10-10/19764
  • p.b.
    p.b.
    am 11.10.2015
    Der illegale Kunsthandel ist einfach mit Drogen- und Waffenhandel gleich zu setzen. Tausendfach werden Ruinenstätten geplündert. Jede Plünderung zerstört Wissen über die Vergangenheit, unwiderbringlich. Jeder, der daran beteiligt ist, trägt eine Mitschuld. Ob ich eine Ruinenstätte illegal ausgrabe oder in die Luft jage - wie in Syrien geschehen - ist für die Wissenschaft im Ergebnis dasselbe. Welchen Grund soll es geben antike Kunst als Privatperson zu kaufen? Da steckt doch keine Liebe zur Antike oder Erkenntniswille hinter - denn es schadet sowohl dem Wissen über die Antike wie auch den Ruinen selbst -, sondern es geht immer nur das Gefühl Besitzen zu wollen.
    BTW: Die Münze, die einem Grab oder einem Hortfund entnommen wurde, ist Teil der historischen Datierung des gesamten Komplexes. Außerhalb des Komplexes ist sie wahrlich einfach egal, genau wie die Fibel.
    Studiert man aktuell die Kataloge der Kunsthändler, stammt viel aus Syrien, dem Irak etc. Drunter steht immer "alte schweizerische Sammlung". Da soll mir Jemand erklären, dass das in Ordnung ist, nicht illegal und keine Kriege - respektive Morde - finanziert. Das trifft auch auf die kleine röm. Kaiserzeitliche Münze zu, von der der Sammler nicht weiß: Aus Deutschland oder doch nen aufgelöster Grabfund aus Syrien. Kann man nen schönes Magazin für ne Kalaschnikow von bezahlen.
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 11.10.2015
    @p.b.

    Hierzulande gilt aber noch immer die Unschuldsvermutung. Für nahezu jede Situation lassen sich Zusammenhänge und Totschlagargumente herstellen, um Einschränkungen zu legitimieren. Ausserdem gönne ich den weltweiten Terroristen nicht die Genugtuung verantwortlich für diese Einschränkungen zu sein.

    Wir dürfen das Sprichwort "Der Weg zur Hölle ist geplastert mit guten Vorsätzen" niemals aus dem Sinn verlieren.

    Es hilft nicht einfach nur auf Sammler und Handel einzudreschen, vielmehr muss das Verantwortungsbewusstsein eines Jeden geschärft werden. Nicht nur hier, sondern auch in den Herkunftsländern. Weiterhin müssen die Lebensbedingungen verbessert werden. Viele Konflikte in den betreffenden Ländern sind durch geschichtliche Interaktion mit uns in den westlichen Ländern zu sehen. Weniges ist einfach, Vieles ist sehr komplex.

    Kulturgüterschutz geht uns alle an, Kulturgüter gehören uns allen. Jeder hat das Recht (und die Pflicht?) sich mit Kultur und Geschichte zu befassen, sowohl physisch als auch geistig. Zu fordern, das Sammeln jeder kleinen Kupfermünze des späten römischen Kaiserreichs gesellschaftlich zu ächten, ist vollkommen übertrieben. Ich sammele moderne Münzen, daher könnte ich ja meinen dies ginge mich nichts an. Es geht mir hier aber um das Prinzip. Zumal in manchen Pamphleten die Sammeltätigkeit pauschal verurteilt wird und mancher auch meine Sammlung aus dem deutschen Kaiserreich (älter als 100 Jahre) als ächtenswert erachten könnte.

    Ausserdem ist es nicht förderlich. Der Sammler ist Teil unserer Gesellschaft. Sammlertätigkeit liefert dem Laien den Auslöser und den Ansporn für die Auseinandersetzung mit der Materie. Ich führe jetzt die provokante These ins Feld, dass ohne Sammler sehr viel weniger Interesse bzw. Unterstützung für Kultur und Geschichte vorzufinden wäre. Man möge mir nun bitte die unsäglichen Aussagen ersparen, Sammler hätten kein Bildungsinteresse und sind nur auf Profit aus. Dies trifft nämlich nicht auf mich zu.

    Auch Archäologen sind Teil dieser Gesellschaft. Sie forschen zwar auch für das persönliche Weiterkommen (Publikationen, Einwerben von Drittmitteln, ect.), so wie dies auch bei mir als Naturwissenschaftler war. Jedoch ist dies kein Selbstzweck, Wissenschaftler haben einen gesellschaftlichen Forschungs- und Lehrauftrag. Wird die akademische Forschung von der Gesellschaft jedoch nicht nachgefragt (und häufig bezahlt), findet diese auch nicht statt.

    Bisher habe ich in meinen online-Recherchen zumeist nur haarsträubende Aussagen gefunden. Ich bin Naturwissenschaftler, brauche folglich belastbare Zahlen/Fakten. Wilde Spekulationen, die an religiösen Fanatismus erinnern, lassen mich an der wissenschaftlichen Befähigung zweifeln und fördern nur böses Blut ohne belastbare Beratungsergebnisse.

    MfG

    Christoph Kyritsis
    chrkyritsis@yahoo.de
  • Christian Herzog
    Christian Herzog
    am 12.10.2015
    Ich finde den Kommentar zum Gesetzentwurf unangebracht und sehr einseitig betrachtet.

    Augenmerk lege ich speziell auf einen Satz bzw. ein Wort: "Tatsächlich sind Kulturgüter – auch kommerziell geringwertige Stücke – wertvolle Objekte mit potenziell hoher historischer Aussagekraft, die uns helfen, die Vergangenheit besser zu verstehen."
    -> wer ist: "uns"?

    Ich finde darum dreht sich die ganze Frage. Mir kommt es so vor, als wären das "uns" allein die forschungstreibenden Institutionen in Deutschland, die glauben, das Alleinrecht auf Kultur zu besitzen. Gerade Antiken werden bei uns behandelt als gehörten sie alle einer elitären Oberschicht, die gegen einen Obolus einen Blick in ihre Museen gestattet, die vorher mit unseren Abgaben gebaut wurden.

    Schon beim Thema Schatzregal kommt man sich so vor, als wäre man der Vater im Märchen der "Klugen Bauerstochter". Passender Weise stammen die Regalien, worauf auch das Schatzregal zurück zu führen ist, aus der Zeit in der das Märchen spielt.

    Man kann sich gerne fragen, ob das alles so Sinn macht. Die Verbote haben noch nie etwas gebracht, außer dass wichtige Informationen zu Objekten gefälscht wurden und verloren gingen. Den außerdeutschen Antikenhandel und den Raubbau antiker Stätten des nahen Ostens wird man mit derartigen innerdeutschen Gesetzen nicht im geringsten stören. Solange das Zeug Geld bringt wird es gehandelt, und selbst wenn das Zeug in einer irgendwie gearteten Utopie wertlos geworden ist, wird weiter nach Materialwerten gesucht.

    Und abgesehen davon, dass der illegale Antikenhandel ein sehr schlechter Aspekt unserer Welt ist, ist der legale Handel doch eine Bereicherung unserer Gesellschaft! Warum? Ganz einfach: weil nicht nur die reiche Elite ein Recht darauf hat, ihrem Interesse an Geschichte auch in materiellen Dingen Ausdruck zu verleihen. Weil unsere deutsche Gesellschaft verarmt ist an Wissen über die Zeit vor dem Nationalsozialismus. Weil antike Gegenstände zu unser Kultur gehören wie moderne Kunst und Musik und, ja, so muss man auch mal sagen, nicht nur nach wissenschaftlichem Wert zu bemessen sind!
  • p.b.
    p.b.
    am 12.10.2015
    Objekte im Museum nur für die Elite? Das kann doch niemand ernst meinen. Gerade Museen verhindern, dass Kulturgüter in Privatsammlungen verstauben und zerstört werden, sodass niemals Jemand diese zu sehen bekommt. Museen bewahren Kulturgüter, da diese meist auch restauriert und konserviert werden müssen. Wie soll ein Privatmann das Ausstellen und Konservieren leisten?

    Der Barbarenschatz von Rülsheim zeigt deutlich wie wichtig ein Schatzregal ist. Mehr möcht ich zu dieser causa nicht sagen. Eine größeren Schaden für Sondengänger etc. konnte man kaum anrichten. Das hat JAHRE des Vertrauens zerstört, vor allem da viele Sondengänger dem Raubgräber den Rücken gestärkt haben.

    Natürlich helfen innerdeutsche Regeln gegen den internationalen Kunsthandel. Seit deutsche Museen nicht mehr kaufen, sind Teile des deutschen Markts eingebrochen und vor allem wird so illegales nicht rein gewaschen. Zudem kann man doch nicht sagen: Nur weil wir das große Problem nicht komplett beheben können, agieren wir lokal weiter in Grauzonen. Was für eine Vorstellung von persönlicher Moral steckt da denn hinter?

    Der Egoismus und Mangel an persönlicher Verantwortung der Privatsammler schockiert mich immer wieder. Genrell ist doch zu fragen, kann ich als Sammler stets sicher sein, dass der von mir gekaufte Fund nicht aus einer zerstörerischen Raubgrabung in Deutschland stammt oder damit nicht Waffen in Krisengebieten finanziert wurden. Man sollte wirklich mal überlegen, mit was für Gefilden man da Kontakt hat. Und das nur, weil man etwas BESITZEN will.
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 12.10.2015
    @p.b.

    Ich denke da ist Hopfen und Malz verloren. Gegen blinden Eifer und Glaube können Vernunft und gute Worte nichts ausrichten.

    Als Fachfremder hoffe ich für die Archäologie, das Sie nur eine kleine Fraktion repräsentieren.
  • p.b.
    p.b.
    am 12.10.2015
    Das ist ihre Antwort? Sie unterstellen mir blinden Eifer, aber meinen Hinweis auf persönliche Moral und Verantwortung ignorieren Sie? Das ist schwach! Nicht nur intellektuel eine Bankrotterklärklung, sondern auch moralisch.
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 13.10.2015
    Dann sollten sie mal meinen voran gegangenen Beitrag lesen, auch wenn es Schmerzen bereitet. Ich zitiere:

    "[...] vielmehr muss das Verantwortungsbewusstsein eines Jeden geschärft werden. Nicht nur hier, sondern auch in den Herkunftsländern. [...]"

    Ja, ich bin der Meinung bei Ihnen eine Übermotivation feststellen zu können. Und dieser Umstand macht es mir auch nicht möglich fachliches Vertrauen entgegen zu bringen. Gerade ein Wissenschaftler zeichnet sich durch seine Fähigkeit zur Abwägung eines Sachverhaltes aus.

    Ihre Meinungsposition ist in unserer Gesellschaft nicht konkurrenz- und kompromisfähig. Wir leben in einer Demokratie (ich denke nicht, daß ich Ihnen erklären muß wo dieses Wort herkommt und was es bedeutet). Unsere Gesellschaftsform bedeutet Kompromisse einzugehen.

    Nehmen Sie z.B. folgende (Ihre) Aussage:

    "Gerade Museen verhindern, dass Kulturgüter in Privatsammlungen verstauben"

    Ich kann das auch umdrehen:

    "Gerade Privatsammlungen verhindern, dass Kulturgüter in Museen verstauben"

    Habe ich sinngemäß auch schon gehört und gelesen. Davon nehme ich nun aber Abstand. Mir geht es um eine ausgewogene Meinung.
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 13.10.2015
    PS Ich kenne noch immer Ihren Namen nicht. Stehen Sie zu Ihren Aussagen oder möchten Sie diese nur anonym verbreiten?
  • Christian Herzog
    Christian Herzog
    am 13.10.2015
    @p.b.:

    Also dass Museen Kulturgüter bewahren ist ja nun nicht in jedem Falle richtig. Beispiele von schlechten Umgang mit Funden kann ich Ihnen zu Hauf nennen. Wie Herr Dr. Christoph Kyritsis schon richtig geschrieben hat, kann der Satz auch genau anders herum Richtigkeit erhalten.
    Zudem ist es aufgrund der großen Masse an Funden und den oft kleinen Budgets der Museen gar nicht möglich alle Funde restaurieren zu lassen und auszustellen. Private Sammler haben oft ein wesentlich größeres Interesse auch vermeintlich unbedeutende Funde zu bewahren.
    Aber Sie sprechen ein wichtiges Thema an: "Wie soll ein Privatmann das Ausstellen und Konservieren leisten?" -> Durch die sukzessive Schlechtmachung des privaten Sammelns fällt es den Sammlern mittlerweile schwer, Restauratoren zu finden, die noch für Privat arbeiten wollen! Toll gemacht! Hervorzeigbar sind private Sammlungen auch nicht mehr. Ganz toll gemacht!

    Was das ausbeuten von Kultur zum finanzieren von Konflikten angeht, bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir diese Probleme wo anders anpacken müssen als mit derartigen Gesetzen. Es handelt sich dabei um Symptome die man versucht zu bekämpfen, man ändert damit nichts am eigentlichen Konflikt und es ist anmaßend dies zu behaupten. Wenn gleich ist es richtig, und das weiß auch jeder private Sammler, Funde aus diesen Regionen zu meiden, allein schon um das ausbluten der Kulturlandschaft der Herkunftsländer einzudämmen.

    Sie schreiben:
    "Seit deutsche Museen nicht mehr kaufen, sind Teile des deutschen Markts eingebrochen"
    -> woher haben Sie bitte diese Information? Ebay? Erstens kaufen Museen nach wie vor, auch die anhängenden Stiftungen und zweitens ist gar nix eingebrochen, wenn dann hat sich der Markt höchstens verschoben.

    Beantworten Sie mir doch mal ein paar einfache Fragen:
    Wie viele Tonnen Kulturgut liegt in deutschen Museen im Magazin und wird nie der Öffentlichkeit gezeigt?
    Wie viel dieser Menge ist sachgerecht restauriert und aufbewahrt?
    Wie viele Studiensammlungen gibt es, die wirklich nur einem elitären Kreis zugänglich sind?
    Wie viel Steuergelder fließt in Museen die dann noch horrenden Eintritt verlangen?
    Wie viele ärmere Familien leisten sich diesen Eintritt lieber nicht?
    Wie viele private Sammler gibt es denn unter Archäologen?
    Kaufen Museen wirklich keine Kulturgüter am internationalen Markt?
    Verkaufen/aussondern Museen nichts?
    Woher stammen die Bestände der alten Museen?
    Wie viele "Barbarenschätze" sind schon unterschlagen worden, weil die Finder nichts darüber wissen, fürchten Strafen zu bekommen etc.?
    Wie viele deutsche Funde haben falsche Fundortangaben? (Im Vergleich zu anderen Ländern wird hierzulande erstaunlich wenig gefunden...)
    Warum ändern Schatzregale nichts an der Situation mit Raubgräbern? (Abgesehen davon dass mehr Funde unterschlagen/verfälscht werden)
    An was wollte sich der Wert bemessen?
    Sind private Sammler dumm?
    Sind sie nicht an Besitz interessiert?

    Was wäre mit mehr Ehrlichkeit in der Archäologie?
    Wäre ein Leitfaden für Sammler wünschenswert?
    Warum gibt es keine zentrale Bestimmung/Registrierung für Funde auch für private Sammler?
    Werden Superreiche nicht mehr sammeln dürfen?
    Warum kann man Sondengängern nicht sagen was sie zu tun und zu lassen haben?
    Warum werden Metalldetektoren frei verkauft?
    Ist es wichtiger irgendwelche Provenienzen/Herkunftsangaben zu haben oder korrekte Angaben, auch wenn nichts bekannt ist?
    Ist die Archäologie noch ein aktiver Bestandteil unserer Gesellschaft?

    Was haben Sie denn für eine persönliche Moral das Thema an den Grenzen Ihrer Polkappe enden zu lassen? Natürlich wäre es wünschenswert wenn es mehr Wertschätzung und Behutsamkeit mit unserem Kulturgut gäbe, das erreicht man aber nicht mit Gesetzen und Abschottung sondern mit Aufklärung und Wissensvermittlung.
  • p.b.
    p.b.
    am 13.10.2015
    Ich glaube wir reden aneinander vorbei. Mir geht es um den illegalen Kunsthandel und vor allem um neu in den Markt gebrachtes. Keinesfalls will ich Sammler ihr aktuelles Hab und Gut abnehmen. Da ist der Schaden eh angerichtet. Mir geht es um zukünftigen Erwerb und auch da nur um Objekte, deren Herkunft nicht bestimmbar ist.

    Naja, ob Sie fachliches Vertrauen in mich haben, ist mir gelinde gesagt egal. Mein Anliegen ist der Schutz der Objekte mit denen ich mich beschäftige und aus meiner Erfahrung mit Sammlern und Sondengänger stellen diese beiden Gruppen in weiten Teilen eine Gefahr für Kulturgüter dar. Es gibt auch Ausnahmen, doch sind diese selten. Stellen Sie sich noch dazu vor, ich helfe Jedem Sammler und Sondengänger erstmal, wenn er mich um Hilfe bittet. Dann versuche ich - freundlich - auf ihn einzuwirken und ein Verantwortungsbewusstsein zu schaffen.

    Dass ich nicht verstehen kann, warum man Antiken besitzen muss, müssen Sie mir als private Meinung schon zugestehen. Dass ich weiter die Sicht auf Museen als für eine Elite abgeschlossener Raum für ähnlich hirnrissig halte wie beispielsweise Impfverweigerung und ein professioneller Umgang mit historischen Objekten für grundlegend halte, basiert allerdings auf meiner Berufserfahrung. In welchem Museum ist denn Jemand von den Disputanten an der Besichtigung gehindert worden?

    Zu meinem Namen: Da mir in einem Sondengängerforum mal gedroht wurde, spare ich mir die Nennung meines Namens.
  • p.b.
    p.b.
    am 13.10.2015
    @ Herr Herzog:

    Bei Ihnen geht ja doch viel durcheinander.

    Ich versuche mal auf ein paar der Fragen sinnvoll zu antworten.

    Ihnen ist klar, dass ich von staatlichen Museen spreche? Für private Museen und deren Ankaufs- wie auch Restaurierungspraxis, kann ich nicht sprechen. Da müssen Sie klar trennen. Jede Studiensammlung - sie meinen wahrscheinlich Unisammlung - öffnet auf Nachfrage die Tore für Sie. Warum die nicht immer offen sind? Weil das Geld für Aufsichtspersonal fehlt. Die Eintrittspreise für Museen werden übrigens nicht von den Kustoden, Archäologen, Kunsthistroikern etc. festgelegt, sondern sind politisch gewollt. Meine Kollegen und ich würden JEDES Museum gratis öffnen. Sie zielen hier auf den falschen Personenkreis.
    Stattliche Museen verkaufen NUR, wenn die Politik sie zwingt. Sie dürfen es nämlich gar nicht eigenmächtig.

    Sie wünschen sich also eine Situation wie im 18.-19. Jahrhundert, als Antiken in Schatzkammern und bürgerlichen Wohnzimmern lagerten und außer ein Paar eingeweihten Niemand darauf Zugriff hatte? Zusätzlich möchten Sie, dass jeder, der etwas findet, es behalten darf und damit machen kann, was er will?

    Ich verstehe wirklich nicht, wie man der Aufassung sein kann, dass Privatleute besser im Umgang mit Antiken und deren Repräsentation wären als Museen und die dort arbeitenden Profis. Ich geh doch auch zum Arzt und nicht zu irgendjemanden, wenn ich krank bin. Mein Auto muss vom TÜV überprüft werden und nicht meinem Nachbarn. Ein Schornsteinfeger überprüft meine Gastherme und nicht mein Onkel.
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 13.10.2015
    @p.b.

    Vielen Dank für Ihre Antwort. Mit Dieser kann man etwas anfangen und es ist eine sinnvolle Kommunikation möglich. Das fachliche Vertrauen ist meines Erachtens nötig für eine sachliche Unterhaltung.

    Ich bin Sammler. Ich sammele meine Objekte nicht um diese zu horten. Es sind meine Studienobjekte. Ich mache Abbildungen des Avers, Revers und der Randschrift. Ich bestimme die chemischen (Metallegierung) und physikalischen (Dicke, Durchmesser und Gewicht) Eigenschaften der Münzen.

    Ich nutze die Gepräge für Artikel mit geldgeschichtlichem Hintergrund. Eines meine Projekte ist die Verfassung eines umfangreichen Werkes britischer Gepräge der letzten 115 Jahre. Obwohl moderne Gegenstände, haben britische Münzen noch einige stilistische Ähnlichkeiten mit römischen Stücken gemein.

    Ich bevorzuge die Objekte als mein Eigentum, weil ich dann befähigt bin über diese die Primärdaten zu erlangen und auch eigenes Bildmaterial zu bekommen. Dies führt mich zu einem weiteren Ihrer Argumente:

    "In welchem Museum ist denn Jemand von den Disputanten an der Besichtigung gehindert worden?"

    Ich brauche für meinen Katalog Abbildungen der ausgesprochenen Seltenheiten (der Vollständigkeit halber). Habe deshalb bei bedeutenden Museen angefragt, von denen ich wusste, daß diese ein Exemplar in ihrer Sammlung haben. Ich habe mein Projekt offen gelegt und natürlich auch angeboten die Quelle angemessen zu würdigen (wie es für eine anständige wissenschaftliche Arbeit gehört). Raten sie mal? Mein Anliegen wurde abgelehnt. Auch wurde mir nicht angeboten, daß ich das Objekt vor Ort selbst abbilden könnte. Würde gegen das Urheberecht und örtliche Kulturgutschutzgesetze verstoßen hieß es... (ganz wichtiger Satz!!)

    Wenn Sie ihren Namen nicht öffentlich nennen möchten, weiter oben finden Sie meine email-Adresse.

    MfG

    Christoph Kyritsis

    PS Impfverweigerung ist ein weiteres komplexes Thema und meiner Meinung unglücklich gewählt.

    "[...] für ähnlich hirnrissig halte wie beispielsweise Impfverweigerung [...]"

    Impfzwang verstößt unter Umständen gegen das Recht auf Unversehrtheit des Körpers. Es gibt entsprechende Beispiele bei der Menschen durch Impfungen zu Schaden gekommen sind. Bitte wägen sie stärker ab und denken Sie weniger restriktiv. ;-)
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 13.10.2015
    PPS Damit schießen Sie ein wenig über das Ziel hinaus. das hat in dieser Diskussion niemand vorgeschlagen.

    "Sie wünschen sich also eine Situation wie im 18.-19. Jahrhundert, als Antiken in Schatzkammern und bürgerlichen Wohnzimmern lagerten und außer ein Paar eingeweihten Niemand darauf Zugriff hatte? Zusätzlich möchten Sie, dass jeder, der etwas findet, es behalten darf und damit machen kann, was er will?"
  • Christian Herzog
    Christian Herzog
    am 13.10.2015
    @p.b.

    Ok, ich will mal auch nicht auf meiner Polkappe verweilen. Schließlich gehe ich davon aus, dass Sie an einer Lösung des Konfliktes interessiert sind.

    Die Trennung zwischen staatlichen Museen und privaten Museen sollte gemacht werden, da gebe ich Ihnen recht. Während staatliche Museen meines Erachtens kostenfrei dem Bürger zur Verfügung stehen sollten, kann ich bei privaten Museen Eintrittskosten vertreten.
    Dass auch staatliche Institutionen nicht immer den erforderlichen Drang zur Erhaltung haben, zeigen zum Beispiel die Einbäume von Stralsund.

    Und, ja meine Kritik zielt hier natürlich hauptsächlich auf die Politik.

    Was Unisammlungen angeht, klar kann man da anfragen, doch in der Praxis findet das sehr selten statt. Objekte in Magazinen einzusehen ist umso schwerer. Erklären wollte ich damit nur, dass nicht alles Kulturgut frei dem Bürger zugänglich ist, wie oft suggeriert wird.

    Um das auch nochmal klar zu stellen, ich bin keines Falls der Auffassung, das Privatleute besser im Umgang mit Antiken sind als staatliche Museen! Ich bin jedoch der Meinung, dass man auch dem privaten Sammeln einen Raum und Legitimation geben muss. Dass dies in geregelten Bahnen verlaufen muss und Verantwortung bedeutet, muss den Sammlern klar sein.

    Zudem geht es nicht um das Sammeln an sich, es geht darum, dass in der gegenwärtigen Situation einiges im Argen liegt.

    So bin ich nach wie vor der Meinung dass Schatzregale mehr negative Folgen haben als positive Effekte. Was heißt da schon "jeder, der etwas findet, es behalten darf und damit machen kann, was er will?"? Wenn der Finder weiß, was er da hat und wem er es zeigen muss, ohne gleich eine Strafe zu bekommen, dann ist das was er will vielleicht das Richtige.

    Es ist doch so, dass sich die Länder freuen, dass es solche Ideen wie Schatzregale gibt, somit fallen Kosten für die Entschädigung der Finder bei Ankauf weg. Ich denke das ist eine reine Kostenrechnung die hier gemacht wird und man nimmt in Kauf, dass viele Objekte unterschlagen werden.

    Auch stelle ich fest, das in der normalen Bevölkerung teilweise absoluten Unwissen und Desinteresse über die ältere Geschichte und eigene Kultur herrscht. Wie kann man das erklären? In anderen Ländern besteht die Situation nicht in dem Maße.

    Des Weiteren handelt es sich nicht um einen Menschen, ein Auto oder Ihren Schornstein sondern um Stücke die teilweise viele Begehrlichkeiten wecken. Es sind eben auch Kunstgegenstände und Wertobjekte. Nicht zuletzt ist der Fund von Gold auch immer ein Glücksfall und ein Fluch für einen Archäologen, nicht wahr?

    Und ja, Sie haben vollkommen recht, dass viele Sammler und Sondengänger eine Gefahr für unser Kulturgut darstellen! Auch der illegale Handel ist nicht vertretbar. Nur die Wahl der Mittel, diesem entgegenzuwirken, finde ich grundlegend falsch und nutzlos!
  • p.b.
    p.b.
    am 13.10.2015
    Entschuldigen Sie, da ich für 14 Tage im Ausland unterwegs sein werde, kann ich nicht antworten. Bitte deuten Sie das Schweigen nicht als Desinteresse.
    Ich freue mich, dass wir zusammen eine gemäßigten Ton gefunden haben und schreibe dann bei Zeiten.
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 07.11.2015
    Als Anregung zum Nachdenken gedacht:

    Text gefunden auf: http://www.steinkern.de/news-updates/1133-behinderung-palaeontologischer-forschung-durch-ksg.html dort sollten auch alle links funktionieren

    Die Paläontologen Mike Reich (München), Alexander Gehler (Göttingen), Michael Krings (München), Cornelia Kurz (Kassel), Alexander Nützel (München), Gertrud Rößner (München), Oliver Rauhut (München), Tanja R. Stegemann (Göttingen) und Gert Wörheide (München) äußern sich in einem gerade veröffentlichten Vorabdruck der Geowissenschaftlichen Mitteilungen (Nr. 62, Dezember 2015) zu den erwartbar negativen Folgen eines unveränderten Inkrafttretens des Entwurfs des Kulturgutschutzgesetzes vom 14.09.2015.

    Der Artikel steht hier zum Durchlesen bzw. Herunterladen bereit:

    Die “Kulturgutschutz-Novelle” – Behinderung für die wissenschaftliche Paläontologie und paläontologische Sammlungen?

    Damit gesellen sich zur Kritik der Sammler und zum Aufruf der Sammler nochmals weitere Kritikpunkte vonseiten der professionellen Paläontologie. Die Schnittmenge bei der Kritik von Wissenschaftlern und Sammlern ist unverkennbar groß.

    Das Ministerium für Kultur und Medien sollte die einhellige Kritik dringend berücksichtigen, um die "paläontologische Forschungs-, Sammlungs- und Öffentlichkeitsarbeit zukünftig nicht einzuschränken bzw. die bisher geleistete Arbeit nicht zunichte zu machen." (REICH et al. 2015, in o.g. Veröffentlichung). Dies Wunsch gilt in gleicher Weise für die Sammel- und Forschungstätigkeit privater Sammler.

    Aus Sicht der Steinkern.de Redaktion ist es unerlässlich die Naturwissenschaftler und Sammler naturwissenschaftlicher Objekte noch bevor der Entwurf ins Parlament gelangt, ausführlich einzubeziehen und damit das Versäumnis der bisher vollkommen unzureichenden Einbeziehung wieder wettzumachen.

    Für die Petition "Für den Erhalt des privaten Sammelns" sind in den letzten Tagen tausende Unterschriften - insbesondere von Geowissenschaftlern, Mineralien- und Fossiliensammlern - eingegangen und zahlreiche lesenswerte Kommentare verfasst worden. Die Kommentare können hier nachgelesen werden. All dies zeigt, dass das Ministerium für Kultur und Medien sich auf einem Irrweg befindet.

    Beispiele von Kommentaren auf Openpetition.de:

    Prof. Dr. Robert Speijer: "Overlegislation for the wrong reasons will create mostly adverse effects, including excessive bureaucracy. This will be inhibiting scientific progress, which, in geosciences, more and more depends on collectors and citizen scientists."

    Rolf Gegg: "Das Sammeln von Fossilien leistet einen wesentlichen Beitrag zur Klärung der Fragen: Woher kommen wir, wer sind wir und wohin gehen wir. Dies sind grundlegende Fragen der Menschheit. Jede kleine gesicherte Erkenntnis, die diese Fragen beantwortet, beschützt unsere nachwachsenden Generationen vor ideologischen Verführungen. Ein Fossil, welches durch die Naturkräfte oder die Abbautechnik der Rohstoffgewinnung zerstört wird, ist für immer verloren. Ein Fossil, das von einem Sammler gefunden, aus dem Gestein herausgearbeitet, bestimmt, katalogisiert und aufbewahrt wird, ist gerettet. Archäologische Funde und Fossilien sind nicht dasselbe."

    Dr. Eckbert Seibertz: "I am paleontologist and stratigraphicallly working. Private collectors are my best helpers!"

    Ingo Kasperek: "Als privater Sammler halte ich es für eine unzumutbare Bevormundung, die private Sammlertätigkeit auf diese Art und Weise zu beschneiden. Es wäre wieder ein großer Verlust von Lebensqualität in unserem Land."

    Prof. Dr. Eberhard Frey: Dieses Gesetz ist eine Entmündigung sammelnder Bürgerinnen und Bürger und gefährdet die Sicherung von Kulturgut in privater Hand, sowie die Zusammenarbeit zwischen Privatsammlern und öffentlichen Einrichtungen. Paläontologische und geologische Objekte pauschal als Kuturgüter zu deklarieren, widerspricht dem Konzept der Provenienz: Als diese Dinge entstanden sind, gab es keine Staaten. Daran ändert auch der Auffindezeitpunkt nichts. Die gute Zusammenarbeit zwischen Privatsammlern und öffentlichen Einrichtungen hat gerade in Deutschland eine 400-jährige Tradition. Diese Tradtion ist durch eine restriktive Gesetztgebung nun gefährdet. Es wird sich, wie in allen Ländern mit restriktiven Gesetzen, ein Schwarzmarkt bilden, auf dem potentielle Kultugüter - und das können Fossilien auch heute schon werden - in undurchsichtigen Kanälen verschwinden. Die Museen werden die Dummen sein und die ehrlichen Privatsammler die Betrogenen.[...]

    Immer mehr Bürger erkennen, dass das Kulturgutschutzgesetz in seiner bisherigen Form untragbar ist

    Die Petition "Für den Erhalt des privaten Sammelns" wurde bereits von über 29 500 Sammlerinnen und Sammlern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit unterzeichnet - eine Anzahl kritischer Stimmen, die dem Staatsministerium auch in Anbetracht der Tatsache, dass eine mediale Debatte über dieses Thema gerade erst beginnt, zu denken geben sollte.

    Die erste Medien-Publikation über die Sorgen der zahlreichen privaten Sammler erfolgte am 30.10. in der Magdeburger Volksstimme. Über die zahlreichen privaten Kultur- und Naturgutsammler und die Bedenken aus der Naturwissenschaft wird noch zu sprechen sein.

    Die Steinkern.de Redaktion
  • Dr. Christoph Kyritsis
    Dr. Christoph Kyritsis
    am 11.11.2015
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/kulturgutschutzgesetz-freiheit-fuer-fossilien/12564242.html

    bitte ebenfalls beachten

Neuen Kommentar schreiben