DAI gründet Forschungsstelle in der Mongolei und erforscht die altuighurische Hauptstadt Harbalgas

Vor drei Tagen wurde die neue Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts in der Mongolei eingeweiht. Neben der Freilegung eines Eiskurgans im Sommer 2006 arbeitet das DAI seit 1999 zusammen mit mongolischen Wissenschaftler an der Erforschung der altmongolischen Hauptstadt Karakorum, im Orchon-Tal. Die Arbeiten in diesem Tal werden nun auch auf die altuighurische Hauptstadt aus dem 7. und 8. Jahrhundert ausgedehnt.

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Schon aus 30 Kilometern Entfernung aus der Luft gut sichtbar: die historische Palaststadt von Qarabalgasun.
Schon aus 30 Kilometern Entfernung aus der Luft gut sichtbar: die historische Palaststadt von Qarabalgasun. (Foto: HS Karlsruhe)

Die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit des DAI mit dem Institut für Archäologie der Mongolischen Akademie der Wissenschaften bei den Projekten in Karakorum und dem Eiskurgan im mongolischen Altaj (Olon Guuriin Gol) führte nun zu dem gemeinsamen Entschluss eine eigene Forschungstelle in Ulaanbaatar einzurichten.

Zusammen mit der neuen dauerhaften Präsenz des DAI in der Mongolei fällt auch das neue langfristig angelegte Ochon-Projekt, das im wesentlichen der Erforschung der uighurischen Hauptstadt Harbalgas aus dem 7. und 8. Jahrhundert im Orchon-Tal dienen soll. Harbalgas liegt knapp 40 km von Karakorum entfernt.

Harbalgas

Harbalgas wird heute in der Mongolei der Ort genannt, an dem sich im 7. und 8. Jahrhundert die Hauptstadt der Uiguren befand, dem größten heute noch existierenden Turkvolk, das im 13. Jahrhundert im Reich Dschingis Khans aufging. Mit einer Fläche von rund 25 km² war die Hauptstadt der Uighuren zehnmal so groß wie die das mongolische Karakorum und zählte zeitweise bis zu 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Köln war zu dieser Zeit 6 km² groß und wurde von 15.000 Menschen bewohnt.

In diesem neuen deutsch-mongolischen Forschungsprojekt wurde als erster Schritt das vermutete historische Stadtgebiet auch aus der Luft u.a. durch ein Team der Fakultät für Geomatik an der Hochschule Karlsruhe vermessen, das sowohl ein GPS-basiertes Festpunktfeld erstellt, als auch die Basisstation für die im Helikopter aufgezeichneten Daten betrieben hat.

Weit sichtbares Zeugnis der alten Siedlungsstruktur ist die gewaltige Palaststadt von "Qarabalgasun", wie die Hauptstadt ursprünglich hieß. Erbaut in Stampflehmbauweise, ragen heute Mauerreste und durch Verwitterung entstandenen Wälle noch bis zu 12 Meter hoch aus dem Boden. Von dieser rechteckig angelegten Palaststadt mit Ausmaßen von rund 350 auf 400 Metern wurde mit einem 3D-Laserscanner die wichtigsten Bereiche der sehr stark erodierten Anlage für ein 3D-Modell festgehalten, aus dem beliebige Schnitte und Grundrisse von Teilanlagen erstellt werden können.

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