Kölner Prähistoriker erhält Rheinischen Archäologie-Preis

Der Kölner Archäologe Erich Claßen erhielt Anfang August den mit 5.000 Euro dotierten Archäologiepreis der "Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier". Die Stiftung würdigt mit dem Preis die neuen Erkenntnisse Claßens zur Besiedlungs- und Sozialgeschichte der bandkeramischen Kultur im Rheinland.

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Im Rahmen seiner Dissertation untersuchte Erich Claßen das Ende der Bandkeramik im Rheinland (5.300-4.900 v. Chr.). Auf der Basis von 15 jungsteinzeitlichen Siedlungen bei Königshoven, die von 1955 bis 1993 im Vorfeld des Tagebaus Garzweiler vom Rheinischen LandesMuseum Bonn und dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege (beide LVR) ergraben und ausgewertet wurden, kommt Claßen zum Schluß, dass weder wirtschaftliche noch ökologische Schwierigkeiten diese erste bäuerliche Gesellschaft beendete. Vielmehr geht dem Besiedlungsabbruch ein Zerfall der bisherigen Beziehungsnetzwerke voraus.

„Die ältere Generation der Bandkeramiker hatte offenbar Schwierigkeiten, die Vorteile ihrer traditionellen Werte zu vermitteln", beschreibt Claßen den Generationenkonflikt. „Die Bauern standen nicht in einer Konkurrenzsituation um fruchtbares Land und auch die ökologischen Veränderungen können das Ende der Bandkeramik nicht schlüssig erklären. Ausgehend von den archäologischen Funden muss man schließen, dass allmähliche Veränderungen der Strukturen innerhalb der bandkeramischen Gesellschaft, also sozialer Wandel, mitentscheidend für ihr Ende waren."

Über mehr als 200 Jahre tradierte Wertvorstellungen, die auf eine stabile Gesellschaftsstruktur deuten, verloren um etwa 5.000 v. Chr. an Bindungskraft. Ein neues Selbstverständnis der nachfolgenden Generationen zeigt sich vor allem darin, dass sich zunehmend kleinere soziale Einheiten als Gruppen darstellten. Dies war das Ende der frühesten Bauernkultur des Rheinlandes.

Als "Bandkeramik" bezeichnet man in der Archäologie die Kultur der ersten Bauern nicht nur im Rheinland sondern in ganz Mitteleuropa. Der Name leitet sich von der bandförmigen Verzierung ihrer Tongefäße ab. Im Gegensatz zu den vorhergehenden mesolithischen Gesellschaften mit ihrer weitestgehend umherziehenden Lebensweise als Jäger und Sammler nutzte die neolithische Bevölkerung der Bandkeramik mit dem Anbau von Getreide, der Haltung von Haustieren, der Sesshaftigkeit und Produktion von Keramik einige elementare Neuerungen.

Das Ende einer Kultur hat man sich in den meisten Fällen wie das der hier beschriebenen Bandkeramik vorzustellen, weder verschwindet die Bevölkerung noch wandern komplett neue Gruppen ein. Es ändert sich lediglich die materielle Kultur dieser Menschen und damit die archäologischen Funde, wie z.B. ihre Siedlungsformen oder die Form und Verzierung ihrer Tongefäße. Im Laufe der Zeit sind diese Veränderungen so deutlich, dass man in der Forschung eine Trennung setzt: die eine Traditionslinie, sprich Kultur, ist beendet, eine neue beginnt. Dahinter stehen manchmal tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur, doch viele Elemente einer Kultur bleiben erhalten.

Die "Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier" vergibt den Archäologie-Preis seit 1990. Sie ist ein  Zusammenschluss des Landes Nordrhein-Westfalen, der RWE Power AG und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).

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