Bolivien fordert »Ekeko«-Figur von der Schweiz zurück

Langwierige Verhandlungen

Eine etwa 2.000 Jahre alte Steinfigur aus dem Hochland der Anden gelangte im 19. Jahrhundert unter fragwürdigen Umständen in die Schweiz. Seit 1929 befindet sich die Figur im Besitz des Bernischen Historischen Museums. Bei einem Besuch vor etwa zwei Jahren entdeckte die bolivianische Botschafterin die Figur. Seither bemüht sich der Andenstaat um die Rückgabe des Kulturgutes - doch die Verhandlungen ziehen sich hin.

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Steinfigur aus Tiwanaku/Bolivien
Steinfigur aus Tiwanaku/Bolivien im Pukara-Stil, 200 v. Chr. bis 200 n. Chr., Höhe ca. 16 cm. © Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Christine Moor

Unter Einsatz einer Flasche Cognac war Johann Jakob von Tschudi, Schweizer Naturforscher, Linguist und Diplomat, im Jahr 1858 in Tiahuanaco / Bolivien in den Besitz der etwa 16 cm großen Figur aus grünem Stein gelangt. Von dessen Erben hat das Bernische Historische Museum das Objekt 1929 käuflich erworben. Bolivien fordert die Figur, die heute Teil einer Dauerausstellung ist, zurück.

Das Bernische Historische Museum ist grundsätzlich bereit, Objekte aus seiner Sammlung bei begründeten Ansprüchen zurückzugeben. Dies soll in Übereinstimmung mit dem Ethikkodex des Internationalen Museumsrates ICOM geschehen. Die entsprechenden Verhandlungen erweisen sich allerdings als komplex und zeitaufwändig.

Uneinig sind sich die Verhandlungsteilnehmer vor allem in der Frage des Bedeutungsinhalts der kleinen Steinfigur. Nach bolivianischer Ansicht stellt die Steinfigur »BHM Inv. Pe 145« Ekeko dar, eine in Bolivien und Peru wichtige Gottheit des Wohlstands und Überflusses. Vertreter des Museums halten hingegen - wie auch die meisten wissenschaftlichen Autoren zu diesem Thema - das dem Pukara-Stil aus der Zeit zwischen 200 v.Chr. und 200 n.Chr. zuzuordnende Objekt für die Darstellung einer Wasser- oder Fruchtbarkeitsgottheit - oder einfach einer weiblichen Figur. Um diese kontroverse Frage zu klären, einigten sich beide Parteien darauf, gemeinsam Gutachten von Experten einzuholen, deren Ergebnisse in einigen Monaten vorliegen sollen. Diese werden Grundlage für die weiteren Verhandlungen zwischen dem Museum und Bolivien sein. Das Bernische Historische Museum geht davon aus, dass am Ende der Verhandlungen mit Bolivien eine für beide Parteien befriedigende Lösung stehen wird.

Außer Frage dürfte dabei stehen, dass es sich um ein wichtiges bolivianisches Kulturgut handelt, das unter fragwürdigen Umständen nach Bern gelangte.

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