Deutsch-türkische Gespräche zur Sphinx aus Hattuscha

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat am Abend des 8.3.2011 den türkischen Kulturminister Ertugrul Günay zu einem Gespräch über Fragen der deutsch-türkischen Zusammenarbeit im Kulturbereich empfangen. Dabei wurde auch die türkische Forderung nach Rückgabe der Hethitischen Sphinx behandelt, die sich seit 1915 im Berliner Pergamonmuseum befindet. Beide Seiten erklärten ihre Bereitschaft, in dieser Frage eine Einigung herbeizuführen.

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"Wir haben vereinbart, Mitte April in der Türkei ein Treffen auf Arbeitsebene durchzuführen, an dem auch der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Professor Hermann Parzinger, teilnimmt.", erläuterte Staatsminister Neumann, "Auf diesem Treffen soll insbesondere die Intensivierung der deutsch-türkischen Zusammenarbeit im Museumsbereich wie auch bei archäologischen Ausgrabungen erörtert werden. In der Frage der Hethitischen Sphinx soll eine Lösung gefunden werden. Dies halte ich für möglich, da es sich dabei um einen nicht vergleichbaren Einzelfall handelt, aus dem Rückschlüsse auf sonstige Rückgabefragen nicht gezogen werden können."

Die Sphinx stammt aus dem 14./13. Jh. v. Chr. und war bei deutsch-türkischen Ausgrabungen 1907 in Hattuscha entdeckt und 1915 zusammen mit einer weiteren Sphinx zur Restaurierung nach Berlin gebracht worden. Beide stammen aus einer Toranlage der hethitischen Hauptstadt. Eine der Skulpturen war nach der Restaurierung 1924 an das Museum in Istanbul zurückgegeben worden, die zweite wird zusammen mit einer Kopie des Istanbuler Stückes seit 1934 im Pergamonmuseum in Berlin ausgestellt.

Die Türkei hatte die Sphinx bereits mehrfach zurückgefordert, aktuell setzte der türkische Kulturminister Günay ein Ultimatum bis Juni diesen Jahres. Andernfalls werde dem deutschen Grabungsteam in Hattuscha die Lizenz entzogen. Zu diesen Forderungen erklärte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in einer Pressemitteilung:

"Die hethitische Sphinx aus Bogazköy (Hattuscha) ist bereits seit den 1930er Jahren Gegenstand von Rückgabeforderungen der Türkei. An der unterschiedlichen rechtlichen Einschätzung des Falles durch die deutsche und die türkische Seite hat sich seither nichts geändert. Neue Unterlagen, die die eine oder andere Sicht stützen könnten, liegen nicht vor. Doch gerade aufgrund der besonderen Qualität und Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen sollte nach neuen, konstruktiven Wegen bei der Lösung dieses Falles gesucht werden.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist für solche Wege offen, wenn sie die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern stärken. Lösungen sind dabei jedoch nur im Rahmen einer umfassenden Kooperation zwischen den Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und türkischen Museen denkbar, über die sich die Fachwissenschaftler möglichst bald austauschen sollten. Die Drohung, deutsche Ausgrabungen in der Türkei zu schließen, die sich über Jahrzehnte größte Verdienste bei der archäologischen Erforschung Anatoliens erworben haben, schafft allerdings kein Klima, das die Suche nach einer positiven Lösung befördert."

Bei den Gesprächen im April diesen Jahres in der Türkei sollen nun die Lösungsmöglichkeiten des Problems besprochen werden.

Kommentare (2)

  • xaver195
    xaver195
    am 14.03.2011
    Wer zahlt eigentlich die Auf-
    wendungen für Ausgrabung,
    Restaurierung usw.? Auch der blöde deutsche Steuerzahler?
    Wenn Ausländer diese Kulturgüter der Menschheit nicht gerettet hätten, wäre doch längst alles vor die Hunde gegangen.
  • Genschow
    Genschow
    am 21.03.2011
    Ich bin der Meinung, dass Ausgrabungsstücke dort gezeigt werden, wo sie gefunden worden sind. Wenn Stücke restauriert werden, sollten sie danach wider dort hin gebracht werden, wo sie herkommen.
    Ideal ist es, wenn der Archäologischdienst mit dem Partnerland auch die spätere Präsentation organisiert, bzw. mit finanziert.
    Es geht schliesslich um Forschung und unsere gemeinsame Vergangenheit. Im Weiteren kann es helfen, dass gerade in der Türkei, eine Verständnis der nicht türkischen Vergangenheit entsteht. Die könnte zu Folge haben, dass die Pflege von Altertümern wirklich durchgeführt wird.

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