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Auf der Suche nach dem vermeintlichen Schatz

Kategorie: Veröffentlichungen
12.08.2016 -   MPG / AB

Die Jagd nach Kriegsbeute auf den Philippinen hat versteckte Bedeutungen

In der Hoffnung auf Reichtum zerstören illegale Schatzsucher immer wieder bedeutende archäologische Fundstätten auf den Philippinen. Dabei hat der berühmte Schatz aus dem Zweiten Weltkrieg, den japanische Soldaten hinterlassen haben sollen, wahrscheinlich nie existiert. Stattdessen ist die gerne erzählte Geschichte die Fortsetzung einer wesentlich älteren volkstümlichen Überlieferung, erläutert Piers Kelly vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena in einer neuen Studie, die im Journal of Folklore Research veröffentlicht wurde.

Die Philippinen-Insel Bohol ist bekannt für die Chocolate Hills und für einen Schatz, der nie gefunden wurde, obwohl schon seit langem Legenden darüber kursieren. Foto: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/User:RamirBorja" target="_blank">Ramir Borja</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode" target="_blank">Creative Commons CC-by-sa-3.0 de</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target="_blank">Kurzfassung</a>). Originaldatei: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chocolate_Hills.jpg" target="_blank">Chocolate Hills.jpg</a>

Die Philippinen-Insel Bohol ist bekannt für die Chocolate Hills und für einen Schatz, der nie gefunden wurde, obwohl schon seit langem Legenden darüber kursieren. Foto: Ramir Borja, Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de (Kurzfassung). Originaldatei: Chocolate Hills.jpg

Viele Menschen vermuten, dass irgendwo auf den Philippinen enormen Mengen Gold vergraben wurden. Laut einer weit verbreiteten Schilderung haben japanische Soldaten die Philippinen als Versteck von Schätzen benutzt, die sie im Zweiten Weltkrieg in besetzten Gebieten erbeutet hatten. Am Kriegsende sollen sie die Schätze dann an mehreren geheimen Orten zurückgelassen haben.

Noch heute beschädigen illegale Schatzsucher in der Hoffnung auf Reichtum bedeutende archäologische Fundstätten auf den Philippinen. Verschwörungstheorien gibt es zuhauf. Dazu zählen auch Mutmaßungen darüber, dass hochrangige Politiker Schätze für sich beansprucht und entsprechende Entdeckungen deshalb geheim gehalten haben.

Doch den berüchtigte Schatz aus dem Zweiten Weltkrieg hat möglicherweise nie gegeben, sagt Piers Kelly, linguistischer Anthropologe am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. In einem kürzlich im The Journal of Folklore Research veröffentlichen Beitrag argumentiert Kelly, dass die berühmte Geschichte einfach die Fortsetzung einer langen Folkloretradition ist, deren Ursprünge weit vor dem Krieg liegen.

»Mindestens seit dem 19. Jahrhundert haben philippinische Geschichtenerzähler Sagen über versteckte Kostbarkeiten wie Gold, Kirchenglocken, Silbermünzen und edles Geschirr erzählt«, erläutert Kelly. »Durch die Untersuchung verschiedener Varianten dieser Geschichte konnten wir nachweisen, dass ihre Popularität zeitlich mit Kriegs- und Krisenzeiten zusammenfällt. Das Versprechen künftigen Reichtums könnte dazu gedient haben, die Moral der Bevölkerung zu stärken.«

Solche Legenden wurden auch dazu benutzt, die ungleiche Verteilung von Reichtum zu begründen. Wenn ein Nachbar unerklärlich reich ist, so Kelly, ist es leichter sich vorzustellen, dass er einen Schatz entdeckt hat, als sich mit wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten auseinanderzusetzen.

Im heutigen Zeitalter der Globalisierung werden Geschichten über verlorene Schätze auf den Philippinen auch als Möglichkeit betrachtet, einen kulturellen Minderwertigkeitskomplex auszugleichen und das Gefühl von Nationalstolz zu stärken. Laut Kelly verkörpert das imaginäre Gold ein künftiges goldenes Zeitalter, in dem die Philippinen ihre koloniale Vergangenheit überwinden und wieder an Bedeutung gewinnen werden.

Publikation

Piers Kelly
Excavating a hidden bell story from the Philippines: a revised narrative of cultural-linguistic loss and recuperation
Journal of Folklore Research 53 (2), 86-113 (2016)
DOI: 10.2979/jfolkrese.53.2.04