Tatort Bodendenkmal

Der Fund des Monats Februar im LVR-LandesMuseum Bonn beschäftigt sich mit dem Problem der Raubgräberei.

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Der „Fund des Monats Februar" thematisiert derzeit im LVR-LandesMuseum Bonn die Schattenseiten der Archäologie: die Raubgräberei, die alljährlich archäologische Zeugnisse in großem Umfang zerstört. Auf möglichst wertvolle Funde aus, durchsuchen Raubgräber die Landschaften und machen auch vor amtlichen Grabungen nicht halt. Oft zerstören sie damit Bodendenkmäler und Fundzusammenhänge und berauben diese so ihrer historischen Aussagekraft, die für die Archäologen oftmals wichtiger sind als der eigentliche Fund. Dass dies nicht nur ein Kavaliersdelikt ist, ist oft nicht bekannt: „Schatzsucher", die ohne Genehmigung nach archäologischen Funden suchen, machen sich strafbar. Darauf weist der Landschaftsverband Rheinland (LVR) in anlässlich des Fundes einer Pressemeldung hin.

Erstmalig zeigen das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und das LVR-LandesMuseum Bonn Funde aus Raubgrabungen, die dem LVR nach 13jährigem Rechtsstreit übereignet wurden. Die äußerst schwierige Beweisführung während der Prozesse führte am Ende zu einem Vergleich: Per Losentscheid wurde dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und dem LVR-LandesMuseum Bonn ein Viertel der beschlagnahmten „Sammlung" übereignet und so für die Öffentlichkeit zurück gewonnen. Ein Münzwurf zugunsten des LVR entschied über das wertvollste Stück der „Sammlung M." - eine keltische Goldmünze aus dem 1. Jh. v. Chr. Das im Rheinland seltene Stück hätte ein bedeutender Fund für die Wissenschaft sein können - wären die archäologischen Zusammenhänge nicht durch die unsachgemäße Ausgrabung für immer verloren gegangen.

„Sammler M." gilt den rheinischen Bodendenkmalpflegern als ein besonders dreistes Beispiel eines Raubgräbers. Schon seit über 20 Jahren ist er den Behörden bekannt. Der Fall des Raubgräberstollens in Frechen machte 2005 auch bundesweit Schlagzeilen. Zusammen mit einem Komplizen unterhöhlte er auf über 30 Meter Länge mehrere Grundstücke auf der Suche nach wertvoller Keramik. Aber auch schon früher waren er und ein Komplize auf frischer Tat gestellt worden, als sie sich nachts auf einer amtlichen Grabung zu schaffen machten. Bei mehreren Hausdurchsuchungen fand die Polizei Hunderte von archäologischen Objekten, zum Teil noch „fundfrisch" mit Resten von Erde. Eine Werkstatt in seinem Haus enthielt das typische Raubgräberwerkzeug, wie Metalldetektoren und Sonden sowie Vorrichtungen zur Reinigung und „Restaurierung" der Funde, um sie später verkaufen zu können. Trotz aller Indizien konnten die Gerichte M. nicht eindeutig nachweisen, dass er nicht rechtmäßiger Eigentümer der Funde ist.

Eine Änderung des Denkmalschutzgesetzes für Nordrhein-Westfalen, das derzeit einen Bodenfund je zur Hälfte dem Finder und dem Grundstückseigentümer zuspricht, könnte hier Abhilfe schaffen: In den meisten Bundesländern geht ein herrenloser Bodenfund per Gesetz in die öffentliche Hand über - dafür sorgt das so genannte „Schatzregal". Ein solches würde Fälle wie diesen vermeiden, in denen der Nachweis illegalen Grabens an der Klärung der Eigentumsverhältnisse scheitert. Dennoch wird der vom Gericht vorgeschlagene Vergleich von der amtlichen Bodendenkmalpflege als Teilerfolg gewertet.

Einen weiteren Erfolg können die Bodendenkmalpfleger hinsichtlich des verminderten Angebots von Raubgut verzeichnen. Ein beliebter Markt für illegal erworbene Funde ist das Internet. Erst der Initiative des Verbandes der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland ist es zu verdanken, dass der Verkäufer bei Ebay Deutschland mittels eines so genannten Pedigrees (eines Nachweises über die Herkunft) nun belegen muss, dass die gesetzlichen Bestimmungen für Bodenfunde eingehalten wurden - jeder archäologische Fund muss gemeldet werden. Das Angebot an archäologischen Objekten sank so um 75 Prozent.

Der „Fund des Monats Februar" ist noch bis zum 1. März täglich außer montags im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen.

Kommentare (3)

  • Schatz
    Schatz
    am 09.06.2009
    Das Schatzregal ist der größte Schwachsinn,denn man kann sich ja ausrechnen,was nach seiner Einführung noch gemeldet würde - nichts.
    Gebuddelt wird bei Tag und bei Nacht.
    Der Pedigree Schwachsinn ist die Krönung,das Eigentor schlechthin.Ebay war ne super Möglichkeit um zu sehen wer was verkauft und wer es kauft,jetzt läuft wieder alles im Trüben ab.Die einzig echt Geschädigten sind Privatleute die von ihren Eltern Sammlungen geerbt haben,ohne die Pedigrees sind sie jetzt wieder auf die Auktionshäuser angewiesen,die solche Pedigrees dann konstruieren müssen,alles in allem Ideen aus dem Beamtenreich nach dem Motto: geht es denn nicht noch ein bißchen bekloppter.
  • Student
    Student
    am 24.06.2009
    Ich muss da Schatz völlig zustimmen. Hobbyarchäologen mit krimineller Energie wissen schon, wie sie ihre Beute zu Geld machen können, und wenn ihnen diese Wege erschwert werden, finden sie neue. Eine Bekämpfung ist dann nicht mehr möglich. Wenn man allerdings weiß, wie das illegale Beutegut den Besitzer wechselt (zb. über Ebay), kann der Staat gezielt zurückkaufen oder gerichtlich einschreiten.
    Doch muss auch getrennt werden zwischen den Arten des Suchens nach Altertümern im Boden. Ich bin natürlich entschieden gegen einen Eingriff in historisch gewachsenen Boden, der nicht von Archäologen vorgenommen wird. Auch sollte jeder Sondengänger, der auf bisher unbekanntem Terrain etwas findet, dies melden. Aber was kann man schon dagegen haben eine Scherbe von einem Acker aufzuheben, der von den Archäologen schon vollständig bekannt und auch untersucht wurde. Im Gegenteil: Solche Lesefunde dienen dem Archäologen grundsätzlich eher zur Auffindung eines Bodendenkmales und nicht zur Untersuchung, welche die eigentliche Grabungsarbeit darstellt. Diese Lesefunde, wie Alltagskeramik sind für den Wissenschaftler von geringer Bedeutung, da sie durch mehrmalige Beackerung des Bodens, bereits vor hunderten von Jahren aus ihren Zusammenhang gerissen wurden (Raubgräbern wirft man ja hauptsächlich vor, den Befund/Zusammenhang zu zerstören). Sie wandern zu tausenden in dunkle Depots der Unis.
    Nein, ein solcher Hobbyarchäologe und vielleicht ein Schulkind, das für den Geschichtsunterricht etwas anschauliches zeigen möchte, ist für mich kein Raubgräber.
  • Kopfschütteln
    Kopfschütteln
    am 30.07.2013
    Die Herrn vergessen immer wer die Funde macht die immer so sensationell in der Presse stehen. Wenn es keine Sondler gebe könnten die Archäologen ja lieber auf das besinnen was sie haben .... da sie ja auch 7000 Jahre alte Einbäume verrottet lassen . Dann kann das ja alles nicht so schlimm sein.

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