Brüder Grimm-Preis der Universität Marburg geht an Bonner Historiker

Für besondere Verdienste auf dem Gebiet der mittelalterlichen Geschichte erhielt am 2. Februar 2009 Prof. Dr. Theo Kölzer den mit 5.000 Euro dotierten Brüder Grimm-Preis.

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Der Grimm-Preisträger Prof. Dr. Theo Kölzer (Mitte) mit Unipräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus und Laudator Prof. Dr. Andreas Meyer (re.) (Foto: Viola Düwert)
Der Grimm-Preisträger Prof. Dr. Theo Kölzer (Mitte) mit Unipräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus und Laudator Prof. Dr. Andreas Meyer (re.) (Foto: Viola Düwert)

Die Philipps-Universität würdigt mit dem Grimm-Preisträger einen Wissenschaftler, der nicht nur die stolze und verdienstvolle Grimmsche Tradition selbstloser Grundlagenforschung wahre, sondern in seinem Werk auch die ganze Spannbreite wissenschaftlichen Arbeitens - von der kritischen historischen Edition über die methodisch vorbildliche Einordnung der Quellen in größere Zusammenhänge bis hin zur innovativen, neue Wege weisenden Interpretation - auf überzeugende Weise abstecke, so die Jury.

Der 59-Jährige Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften lehrt seit 1992 an der Universität Bonn. Seine Forschungen betreffen die Geschichte des Mittelalters in Deutschland, Frankreich und Italien, insbesondere die Verfassungs- und Kirchengeschichte, die kirchliche Rechtsgeschichte sowie Diplomatik und Paläographie. International höchste Anerkennung genießt Kölzer vor allem wegen seiner kritischen Editionen von zentralen urkundlichen und historiographischen Quellen. "Zusätzlich zu seinen 'Merowingerstudien' hat er sein profundes Wissen der Quellen und ihrer Überlieferung insbesondere für die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte fruchtbar gemacht", so der Laudator, der Marburger Geschichts-Professor Dr. Andreas Meyer.

Kölzers besonderes Verdienst sei auch, dass er in fast 20-jähriger Detektivarbeit die Urkunden der merowingischen Könige unter die Lupe genommen und in Form einer fast 1000-seitigen kommentierten Edition veröffentlicht habe: Die Urkunden sind wichtige Zeugen des Übergangs von der Spätantike zum Mittelalter. Insgesamt 196 Texte sind überliefert, davon 38 Originale, der Rest Abschriften. Kölzers Ergebnis ist, dass zwei Drittel der Urkunden gefälscht wurden. In seinem Festvortrag "Der Zweck heiligt die Mittel? Mittelalterlichen Urkundenfälschern auf der Spur" gab Kölzer spannende Einblicke in die Zeitumstände der Fälschungen.

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