Bronzezeitliche Skelette in der Polizeiinspektion Magdeburg

Derzeit finden auf dem Areal der Polizeiinspektion Magdeburg archäologische Ausgrabungen statt. Bei der im Vorfeld der Sanierungsarbeiten stattfindenden Untersuchung wurden ein mittelbronzezeitliches Gräberfeld sowie frühbronzezeitliche Befunde entdeckt. Sie bereichern die bisher bekannte Materialbasis zur Bronzezeit in Sachsen-Anhalt.

Bronzezeitlicher Schädel mit Beigefäß
Detailaufnahme eines Grabes: Schädel mit Keramikgefäß. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Gösta Ditmar-Trauth

Die aktuelle Ausgrabung befindet sich im Bereich des einstigen Exerzierplatzes der wilheminischen Kaserne aus dem 19. Jahrhundert an der Sternstraße. Das Gelände liegt heute gut einen Meter höher als zur damaligen Zeit und dient als Zwischenhof und Parkplatz zwischen den Dienstgebäuden in den ehemaligen Kasernen. Auf einer Fläche von ungefähr 6 x 37 Metern wurde ein Gräberfeld der Mittelbronzezeit (1550 bis 1300/1250 v. Chr.) mit insgesamt fünf Gräbern sowie Hinweisen auf ein eventuelles sechstes Grab erfasst. Die Toten sind von zierlichem Wuchs und gestreckt auf dem Rücken liegend bestattet worden. Die Grabausrichtung variiert von Nordost-Südwest bis Ost-West, wobei der Kopf stets im Osten lag. Die Anordnung der Gräber erfolgte bogenförmig, als wären sie um eine größere kreisförmige Struktur herum angelegt worden. Bei den Bestatteten handelt es sich um Frauen, die mit ihrem Schmuck – zum Beispiel Ohrringe; Spiralringe, die auf Haarsträhnen aufgefädelt an den Schläfen saßen; Keramikgefäße – beigesetzt wurden. In einer Grabgrube waren neben dem Skelett einer Frau auch kleine Knochenflitter und der Leichenschatten eines Säuglings nachweisbar. In zwei Fällen deuten kreisförmige Pfostenstellungen auf Grabumhegungen hin. 

Dem Gräberfeld ging zeitlich ein Doppelkreisgraben voraus, der einen Grabhügel oder eine Kultstätte begrenzt haben könnte. In den inneren Graben wurde zum Ende seiner Nutzung eine runde Grube eingetieft, in der ein großer männlicher Toter in gehockter Position mit dem Kopf im Süden niedergelegt wurde. Am Schädel des Toten finden sich Hinweise auf Zahnwurzelentzündungen im Ober- und Unterkiefer, an deren Folgen der Mann gestorben sein dürfte. Am südlichen Rand des äußeren Grabens fand sich eine Frauenbestattung in Hocklage mit Blick nach Norden. Bei der Toten handelt es sich um eine großgewachsene Frau mit aufwändigem Ohr- oder Schläfenringschmuck und einem Armreif, jeweils aus Bronze. Für den Doppelkreisgraben und die beiden Hockergräber ist eine Datierung in die ausgehende Frühbronzezeit (2200–1550 v. Chr.) wahrscheinlich.

Nach der Aufgabe des Gräberfeldes der Mittelbronzezeit wurden in diesem Bereich mindestens zwei Kreisgräben angelegt. Der westliche war deutlich größer als der östliche. Während der kleinere als schlichter, ungefähr »schaufelbreiter« U-förmiger Graben angelegt war, besitzt der große Graben ein V-förmiges Profil und eine begehbare Sohle. Wegen der innerhalb der Ausgrabungsfläche gestreckten Kreisbiegung dieses Grabens ist ein Ausmaß der mutmaßlichen Kreisgrabenanlage nicht abschätzbar. 

Mit den Befunden in der Polizeiinspektion Magdeburg ist zum ersten Mal ein bronzezeitliches Gräberfeld auf innerstädtischem Gebiet in Magdeburg nachgewiesen, wo sonst bislang nur Einzelgräber bekannt waren.

Freilegung eines Schädels
Freilegung eines bronzezeitlichen Skeletts. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Gösta Ditmar-Trauth
Grabungsareal
Blick auf die Ausgrabungsfläche auf dem Areal der Polizeiinspektion Magdeburg. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Gösta Ditmar-Trauth.
Doppelkreisgraben
Doppelter Kreisgraben im Planum. Foto © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Gösta Ditmar-Trauth.
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