Tadmor - Palmyra

Rundgang durch eine antike Stadt

von: Marcus G. Meyer MA
veröffentlicht am
SyrienRömische KaiserzeitSiedlung

Inmitten der syrischen Wüste zwischen Mittelmeer und Euphrat befindet sich die Oase Tadmor mit den Ruinen der antiken Stadt Palmyra. Seine Existenz verdankt der Ort den Efqa-Quellen, die bereits in der Antike die einzige Wasserstelle weit und breit darstellten. Daher war der Platz Anlaufstelle für die großen Handelskarawanen, die zwischen Euphrat und Mittelmeer durch die syrische Wüste zogen. Verhandelt wurden in erster Linie, die im römischen Reich begehrten Luxusgüter wie Seide, Gewürze, Edelsteine, Parfüme, Elfenbein, Sandelholz u. a. Besonders in der römischen Kaiserzeit entwickelte sich die Route über Palmyra zu einem wichtigen Handelsweg zwischen Ost und West. Dieser wurde von palmyrenischen Kaufleuten beherrscht, die dadurch große Gewinne erzielten. Von deren Reichtum zeugen noch heute die zahlreichen Ruinen der großen steinernen Bauwerke und aufwendigen Grabdenkmäler.

Die Stadt stellte in der Antike ein Bindeglied zwischen dem römischen Reich im Westen und dem parthischen Reich im Osten dar. Westliche Einflüsse zeigen sich in der Architektur; Skulptur, Malerei sowie Religion und Kult besitzen mehrheitlich östliche Wurzeln. Die Vermischung der verschiedenen Elemente findet sich in Palmyra an den Steindenkmälern an vielen Stellen.

Das heutige Tadmor mit ca. 30.000 Einwohnern wurde zu Beginn des 20. Jh. unter französischer Herrschaft außerhalb der antiken Stadtanlage gegründet, weshalb fast das gesamte Ruinenfeld von Palmyra vor der modernen Zerstörung bewahrt werden konnte. Einige seit der Antike in weiten Teilen erhalten gebliebene oder in neuerer Zeit teilweise wiederaufgebaute Gebäude vermitteln einen Gesamteindruck von einer Stadt des Altertums, wie er nur an wenigen Orten noch in dieser Art zu gewinnen ist.

Die Ursprünge der Siedlung reichen bereits in das Neolithikum zurück. Zu Beginn des 2. Jahrtausend v. Chr. wurde "Tadmor" in assyrischen Verträgen genannt. Aus der hellenistischen Zeit kennt man bislang nur wenige Überreste, die unmittelbar südlich der römischen Stadt entdeckt wurden. 64 v. Chr. richtete Pompeius die Provinz Syria ein, aber Palmyra geriet erst einige Jahrzehnte später unter den Einfluß Roms. Ab dem 1. Jh. n. Chr. und insbesondere in der Blütezeit ab dem 2. Jh. fand der großzügige Ausbau der Stadt in Stein statt. 129 besuchte der Kaiser Hadrian Palmyra. Von 260-272 war es Hauptort des palmyrenischen Sonderreiches unter Septimius Odaenathus und seiner Gattin Zenobia. 272/273 besiegte Aurelian, der offizielle römische Kaiser, das palmyrenische Sonderreich und eroberte die Stadt zurück. In dieser Zeit verlor Palmyra seine Bedeutung als Handelsplatz, da die Karawanen andere Routen wählten. Um 300 n. Chr. wurde unter dem Kaiser Diokletian im höchst gelegenen Teil der Stadt ein Legionslager errichtet und die Stadtmauer erneuert. Im Jahre 634 wurde die Stadt muslimisch. Sie lebte als kleine arabische Siedlung im antiken Stadtgebiet weiter. Seine Wiederentdeckung im 17. Jahrhundert verdankt Palmyra Kaufleuten aus Aleppo. Internationale Ausgrabungen fanden ab dem 20. Jh. statt, insbesondere nach der Unabhängigkeit Syriens von 1946. Sie dauern bis heute an, da immer noch große Bereiche der Stadt unerforscht sind.

Für einen Besuch Palmyras sollte mindestens ein Tag Zeit eingeplant werden. Vor dem Gang in die Ruinen, empfiehlt sich ein Aufstieg zu der arabischen Burg Qal'at Ibn Maan aus dem 13. Jh. Von der auf einem Berg westlich der Stadt gelegenen Ruine hat man den besten Überblick über die Oase. Ein unvergeßliches Erlebnis ist die Beobachtung eines Sonnenauf- oder Unterganges von dieser Stelle.

Der Rundgang durch den zentralen Stadtteil mit den öffentlichen Bauten beginnt im Osten der Stadt am Bel-Tempel. Dabei handelt es sich um eine quadratische Anlage, die von einer mehr als 11 m hohen Mauer von ca. 200 m Seitenlänge eingefaßt wird. Im Innern steht das eigentliche Heiligtum, eine langrechteckige Cella, die mit einer Säulenhalle umgeben ist. Über eine monumentale Freitreppe gelangt man zu dem Eingang an der Breitseite, der mit dem Haupteingang der Umfassungsmauer in einer Achse liegt. An den schmalen Süd- und Nordseiten befinden sich Nischen, in denen die Kultbilder standen. Einige Steinreliefs zeugen von der ursprünglichen aufwendigen Ausstattung.

Die Bauzeit dauerte nach den Inschriften von 19 bis 32 n. Chr. Spätere Umbauten und Erweiterungen folgten. In frühchristlicher Zeit wurde die Tempelcella in eine Kirche umgewandelt; im 12. Jh. richteten die muslimischen Bewohner im Tempel eine Moschee ein. Bis in die frühe Neuzeit befand sich hinter dem Schutz der Tempelmauern das arabische Dorf.

Vom Bel-Tempel aus führt quer durch das römische Stadtgebiet die prächtige Säulenstraße (2). Sie besteht aus mehreren geraden Teilstücken, deren Richtungsänderungen durch das Tetrapylon (9) und das große Bogentor (sog. Hadrianstor [3]) kaschiert wurden. Als die Säulenstraße zu verschiedenen Zeiten im 2. Jh. n. Chr. errichtet wurde, mußte sie auf bestehende Gebäude Rücksicht nehmen. Der besterhaltenste Teil (2b) zwischen Bogentor und Tetrapylon stammt aus der zweiten Hälfte des 2. Jh. Ein 11 m breiter ungepflasterter Mittelgang wird von zwei etwa 7 m breiten Portiken flankiert. An den Säulen befinden sich kleine Basen für heute verschollene Statuen von Geldgebern der Kolonnade oder von ausgezeichneten Palmyrenern, die in den darunter angebrachten zwei- oder manchmal sogar dreisprachigen Inschriften genannt werden.

Südwestlich des großen Bogentores stand der Tempel des Nabo, bzw. Nebo (4), eine ursprünglich mesopotamische Gottheit der Schrift, Weisheit und Macht, die in Palmyra mit Apollo gleichgesetzt wurde. Das Hofheiligtum besaß einen monumentalen Eingang an seiner Südseite. Seine Orientierung bezieht sich wahrscheinlich auf die südlich gelegene, kaum erforschte hellenistische Stadt.

Der Zugang erfolgt durch einen Torbau mit sechs Säulen. Der Hof besteht aus gestampfter Erde und weist einen Brunnen mit breitem Rand für rituelle Waschungen auf. In der Achse der Cella steht ein restaurierter monumentaler Säulenaltar. Der Tempel selbst erhebt sich auf einem profilierten Podium von 2,15 m Höhe. Sein Peristyl aus 32 korinthischen Säulen mißt 20,60 auf 9,15 m. Man betrat die Cella über eine monumentale elfstufige Freitreppe zwischen zwei Zungenmauern. Die unteren Stufen trugen einen kleinen Altar, wie dies auch beim Bel-Tempel der Fall war. Im Hintergrund der Cella befand sich die Kultnische, die von zwei Treppentürmen flankiert war.

Anhand von Inschriften und des Baubefundes läßt sich die Geschichte des Heiligtums von der Errichtung des ersten Tempels im letzten Viertel des 1. Jhs. n. Chr. bis in den Beginn des 3. Jhs. n. Chr. lückenlos verfolgen.

Nordwestlich des Tempels grenzen direkt an die Säulenstraße die Diokletiansthermen (5). Der Bau mit etwas 85 x 51 m Grundfläche wurde gegen Ende des 2. Jh. errichtet; gegen Ende des 3. Jh. erfolgten verschiedene Umbaumaßnahmen mit neuen Einbauten, die zu dem Namen führten. In die Säulenstraße hinein ragt der hervorgehobene Eingang in Form einer Plattform mit 4 Säulen aus rotem Granit. Im Inneren des Gebäudes befinden sich die für Bäder üblichen Einrichtungen wie Kaltbade-, Warmluft- und Heißbaderaum, ferner Umkleideräume, Gymnasien, verschiedene Höfe und ein Wasserbecken, das ursprünglich von Marmorstatuen umgeben war. Die Wasserzufuhr erfolgte über eine unterirdische Leitung.

Westlich davon befindet sich das Theater (6) aus dem 2. Jh. n. Chr. Von den Sitzreihen ist etwa ein Dutzend erhalten geblieben; man vermutet, dass diese ungefähr ein Drittel der ursprünglich vorhandenen Substanz darstellen. Davor erhebt sich die wieder aufgebaute Bühnenrückwand, 48 m lang und 10,50 m tief. Sie stellt den Eingang zu einem Palast mit einem zentralen (sog.) königlichen Tor und zwei Seitentüren dar. Sie werden von Nischen überragt, und eine Reihe von Säulen schmückt die Fassade. Über dem Erdgeschoß muß man sich wohl noch eine weitere Etage vorstellen. Außer den beiden gewölbten Durchgängen, besaß das Theater einen mittleren Eingang, der unter den Sitzreihen hindurchführte und auf die kreisförmige Straße hinausging. An dieser Stelle beginnt in südlicher Richtung eine etwa 65 m lange, mit Portiken versehene Straße; sie endet an einem Bogen, der von zwei Nischen flankiert wird.

Das Theater ist von einem hufeisenförmigen Platz von 104 x 82 m mit angrenzender Portikus umgeben. An der Ostseite des Platzes sind die Grundmauern eines 34 x 30 m großen Privathauses (M) ausgegraben worden. Um einen zentralen, säulenumstandenen Innenhof liegen 15 Räume.

Die Agora (10) besteht aus einem 71 x 84 m messenden, quadratischen Hof ionischen Typs, der von Portiken umgeben ist und 11 Zugänge aufweist. Die Konsolen an den Mauern, sowie die Säulen zierten - heute sämtlich verlorene - Statuen vieler palmyrenischer und römischer Würdenträger, wie die zahlreichen Inschriften beweisen. Der "Stadtrat" und das Volk oder auch Privatleute, besonders palmyrenische Kaufleute, haben auf diese Weise palmyrenische oder römische Würdenträger, Militärführer, Kaufleute und Karawanenführer sowie "Senatoren" geehrt. Der Sturz des großen Mitteltores der Ostportikus trägt die Zueignungsinschrift für Statuen oder Büsten des severischen Kaiserhauses.
Die heutige Anlage wurde an der Stelle des alten Marktes im frühen 2. Jh. n. Chr. erbaut. Die älteste in diesem Bereich gefundene Inschrift datiert ins späte erste Jh. n. Chr.

An die Südwestecke der Agora angebaut, liegt ein rechteckiges Bauwerk (14,20 auf 12,10 m), dessen Eingang von zwei Säulen flankiert wird. Vielleicht handelt es sich hierbei um das Bouleuterion von Palmyra, d. h. den Tagungsort des "Stadtrats", doch wird von anderen Forschern auch die Deutung als Bankettsaal in Erwägung gezogen.

An die SO-Wand der Agora ist ein weiterer rechteckiger Platz (Annex) (11) von 75,5 auf 37,5 m angebaut. Er ist von einer 10 m hohen Quadermauer umschlossen, die, wie die Umfassungsmauer der Agora, von Pilastern mit korinthischen Kapitellen gegliedert ist. Als Annex der benachbarten Agora diente er wohl hauptsächlich als Markt- und Umschlagplatz für den regionalen Handel. Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass 1881 vor der Südfassade, unmittelbar vor dem Hauptzugang das "Steuergesetz" von Palmyra entdeckt wurde, das sich heute in St. Petersburg befindet.

Ein weiteres Gebäude ("Senat") (7) befindet sich im Zwickel zwischen Agoraannex und Theaterplatz. Eine Vorhalle vermittelt den Zugang zu einem kleinen Hof mit Säulenumgang, dessen Basen noch sichtbar sind, wie das (auch) bei den Wohnbauten dieser Zeit üblich war. Aber der Saal, der sich unter der östlichen Portikus öffnet, enthält hufeisenförmig angeordnete Stufen, was als Versammlungsraum zu deuten ist. Neben der Funktion als Privathaus ist auch an den Sitz einer Vereinigung, vielleicht von Kaufleuten zu denken.

Westlich des Theaters liegt das Kaisareion (Caesareum, Tempel für den Kaiserkult) (8). Der Grundriß zeigt ein Gebäude mit Innenhof, das durch eine Vorhalle von der Großen Säulenstraße her zugänglich ist. An der Straßenseite befand sich ein Portal, dessen Sturz durch steinerne Köpfe und Voluten verziert war. An den Säulen des Innenhofs sind Konsolen angebracht, wie sie in Palmyra nur an öffentlichen Gebäuden aufgefunden wurden, und die Kapitelle zeugen von einer qualitätvollen und sehr aufwendigen Arbeit. Im Gebäude fanden sich eine Reihe von Inschriftensockeln, auf denen kaiserliche Weihungen angebracht sind.
Anhand der Inschriften läßt sich das Bauwerk in die Zeit von 138-161 n. Chr. datieren. Der Haupteingang wurde wohl gegen Ende des 2. Jh. errichtet.

Gegenüber dem Theater lag eines von zwei Nymphaeen. Vor dem Apsidialbau mit Statuennischen befinden sich Treppenstufen, über die das Wasser in Kaskaden in ein halbkreisförmiges Becken floß. Davor stehen auf einer gepflasterten Plattform vier monumentale Säulen.

Nördlich der Agora befindet sich auf einem ovalen Platz der Säulenstraße das Tetrapylon (9). Auf einer abgetreppten Basis stehen vier Sockel, darauf befinden sich je vier Säulen aus rosafarbenem Granit, der aus Assuan in Ägypten stammt. Eine Säule des 1963 wiedererrichteten Bauwerks ist noch antik. Im Innern der vier Säulengruppen standen ursprünglich je eine Statue.

Etwas weiter nordöstlich davon beim Hotel Zenobia befindet sich der Tempel des Baalshamin (19). Es handelte sich um einen Gott phönizischen Ursprungs, der als Beherrscher von Sonne und Mond, ähnlich wie Baal, eine höchste Gottheit verkörperte, die sich in Palmyra erst in römischer Zeit behauptete.

Das Heiligtum erfuhr mehrere Umbauten vom ersten Viertel des 1. Jh. n. Chr. bis um 150 n. Chr. Der älteste Tempel in orientalischer Tradition wurde in einen griechisch-römischen Bautypus umgewandelt. In der letzten Phase befanden sich südlich und nördlich des Tempels zwei säulenumstandene Höfe. Im Inneren des Heiligtums mit einer sechssäuligen Vorhalle ist eine Kultnische installiert, die seitliche Annexräume besitzt.

Am westlichen Stadtrand außerhalb der mittelkaiserzeitlichen Stadt liegt das zwischen 293 und 303 errichtete 4-5 ha große Legionslager, das sog. "Diokletianslager" (15). Neben Kasernen, Getreidespeichern und Tetrapylon sind insbesondere das Stabsgebäude und der Allat-Tempel sehenswert: An höchstgelegener Stelle steht die Ruine des Stabsgebäudes, das zu den am besten erhaltenen seiner Art im römischen Reich gehört. Es umfaßt zwei Teile auf unterschiedlichem Niveau. Vom niedriger gelegenen Innenhof gelangt man über eine Freitreppe durch die große Querhalle in das Fahnenheiligtum. Zu beiden Seiten befanden sich Verwaltungsräume. An der Südseite ist ein Turm angebaut, der eine gute Rundsicht bietet. Der Allat-Tempel (16) stammt bereits aus dem 1. Jh. v. Chr.; das Legionslager wurde um ihn herum errichtet. Im Tempel fand man eine Athenastatue sowie eine große Löwenskulptur, die das Tor zum heiligen Bezirk bewachte. Die Anlage wurde im 4. Jh. zerstört.

Vor den Toren außerhalb des Stadtgebiets befinden sich die verschiedenen Gräberfelder, die nach ihrer Lage als Nord-, Südost-, Südwest- und Westnekropole (das sog. "Tal der Gräber") bezeichnet werden. Letzteres beeindruckt durch seine zahlreichen gut erhaltenen Grabtürme.

Es lassen sich drei grundsätzlich verschiedene Typen begehbarer Grabmäler unterscheiden, die teils zu unterschiedlichen Zeiten, teils gleichzeitig nebeneinander existierten:

Die Turmgräber oder Grabtürme, eine palmyrenische Besonderheit, wurden nach den Bauinschriften von 9 v. Chr. bis 128 n. Chr. errichtet (Foto). Sie besaßen bis zu fünf Stockwerke, die über Wendeltreppen zu begehen waren. Oben befand sich eine flache Dachterrasse. Die bis auf die Eingangsfassade außen meist schlichten Türme wiesen im Innern oft reichen Architekturdekor und Skulpturenschmuck auf (Foto). Es handelte sich um Familien- oder Stammensgrabstätten, in denen bis zu 400 Tote in "Schiebegräbern" (loculi), jeweils 4-6 übereinander angeordnet, beigesetzt wurden. Die loculi waren mit Ton oder Steinplatten verschlossen, die das Bildnis des verstorbenen Menschen trugen (Foto; Mus. Istanbul). Sehenswert sind die Grabtürme des Iamblik (Nr. 51) und des Elahbel (Nr. 13). In den Grabtürmen haben sich die Reste kostbarer Textilien erhalten.

Die unterirdischen Grabanlagen (Hypogäen) wurden nach den Inschriften zwischen 81 und 232 n. Chr. errichtet. Hinter monumentalen Steintüren verbargen sich Grabkammern mit reicher Bauornamentik oder Bemalung (Foto). Wie in den Grabtürmen bestattete man die Toten in loculi. Zusätzlich wurden gegen Ende des 2. Jh. oft große steinerne Sarkophage oder Triclinia in den Hypogäen aufgestellt. Sehenswert ist das Hypogäen der drei Brüder.

Von den Tempel- oder Hausgräbern sind heute meist nur unansehliche "Trümmerhaufen" übrig. Ursprünglich besaßen sie aber aufwendig gestaltete Fassaden in Tempelform und einen axialzentrierten säulenumstandenen Innenhof. In der Antike betrug ihre Anzahl etwa die Hälfte der oberirdisch sichtbaren Grabanlagen Palmyras. Nach den Bauinschriften wurden sie zwischen 143 und 253 n. Chr. errichtet. Besonders wichtig ist das erst in jüngerer Zeit ausgegrabene Hausgrab Nr. 36 im Tal der Gräber von etwa 210/220 n. Chr. Die Erforschung des ca. 20x20 m großen und reich ausgestatteten Gebäudes zeigte u. a., dass Textilmuster als Vorlage für dekorative Architekturornamentik und den Skulpurendekor dienten.

Abschließend empfiehlt sich ein Besuch des archäologischen Museums von Tadmor. Hier wird eine Auswahl der Ausgrabungsfunde aus jüngerer Zeit, insbesondere zahlreiche Grabreliefs präsentiert. Sehenswert sind auch die Textilreste. Viele bedeutende Funde aus Palmyra sind im Nationalmuseum in Damaskus und in zahlreichen Museen der ganzen Welt ausgestellt.

Literatur

  • A. Bounni/K. Al-As`ad, Palmyra. Geschichte, Denkmäler, Museum. Übers. von H. Klengel (Damaskus 1990).
  • R. Drexhage, Untersuchungen zum römischen Osthandel (Bonn 1988).
  • H. J. W. Drijvers, Hatra, Palmyra und Edessa. Die Städte der mesopotamischen Wüste in politischer, kulturgeschichtlicher und religionsgeschichtlicher Bedeutung. In: ANRW II, 8 (Berlin, New York 1977) 799-906; bes. 837-863.
  • Palmyra. Geschichte, Kunst und Kultur der syrischen Oasenstadt. Ausstellungskatalog Linz (1987).
  • A. Schmidt-Colinet (Hrsg.), Palmyra - Kulturbegegnung im Grenzbereich (Mainz 1997).
  • H. Stierlin, Städte in der Wüste, Petra, Palmyra und Hatra. Handelszentrum am Karawanenweg (Fribourg 1987) 125 ff.