Als Schloss Neuhaus noch eine Burg war

Stadtarchäologie Paderborn gräbt in Schloss Neuhaus

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben bei Ausgrabungen in Schloss Neuhaus Teile der mittelalterlichen Burg entdeckt, unter anderem ein im 14. Jahrhundert abgebranntes Fachwerkhaus.

Die Mitarbeiter des Ausgrabungsteams, Thomas Wegener (links) und Oliver Böhm (rechts), vermessen und zeichnen das Treppenturmfundament aus dem 16. Jahrhundert
Die Mitarbeiter des Ausgrabungsteams, Thomas Wegener (links) und Oliver Böhm (rechts), vermessen und zeichnen das Treppenturmfundament aus dem 16. Jahrhundert (Foto: LWL/S. Spiong)

Ferner legte das Grabungsteam das Fundament eines Treppenturmes vom ältesten Teil des Renaissanceschlosses aus dem 16. Jahrhundert frei. In einer ersten Bilanz der Grabungsergebnisse zeichnet sich nun ein neues Bild von der frühen Baugeschichte der bischöflichen Anlage ab.

Gut zwei Wochen lang erforschte das Ausgrabungsteam der Stadtarchäologie der LWL-Archäologie für Westfalen die Vorgeschichte des Renaissance-Schlosses in Neuhaus. Bisher war ein mächtiger Wohnturm von Bischof Heinrich von Spiegel (1361-1380) das einzige bekannte mittelalterliche Bauwerk, das im Schlossneubau des 16. Jahrhundert erhalten blieb. Nun gelangten die Archäologen in zwei kleinen Flächen im Schlossinnenhof in Schichten des späten 14. Jahrhunderts. In 80 Zentimetern Tiefe stießen sie auf die Überreste eines verbrannten Fachwerkhauses. "Die Brandkatastrophe, der dieses Haus zum Opfer fiel, war möglicherweise der Anlass für den Bau des prächtigen Wohnturmes, der sich bis heute als Haus Spiegel im Schloss erhalten hat", vermutet Archäologe Dr. Sven Spiong.

Mithilfe von Bohrkernen steht nun auch der Grabenverlauf der älteren Burg zumindest in Teilen fest. Dieser verlief dort, wo im späten 16. Jahrhundert der Nordostteil des neuen Schlosses gebaut wurde. So erklären sich auch Schäden am Schlossgebäude, die noch heute durch Absenkung in die lockere Verfüllung des mittelalterlichen Grabens auftreten.

Eine weitere Überraschung kam unter den Schaufeln und Kratzern der Grabungsmitarbeiter vor dem südöstlichen Treppenturm zum Vorschein: Ein mächtiges Mauerfundament entpuppte sich als Teil eines älteren Treppenturmes. Dieser Turm erschloss den ältesten Teil des Renaissance-Schlosses von 1525 und wurde mit der Erweiterung des Schlosses bereits nach 23 Jahren durch den noch heute stehenden Treppenturm ersetzt.

Die archäologische Untersuchung in Schloss Neuhaus wurde nötig, weil die Stadt Paderborn im Schlossinnenhof neue Treppenfundamente und einen barrierefreien Zugang errichten möchte. Es wird deutlich, dass die Archäologen auch bei kleinen Bodeneingriffen im Schlossbereich sehr spannende neue Einblicke in die Geschichte von Schloss Neuhaus erhalten.

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