Urlaub auf der Grabung

Wer bisher noch nicht so recht weiß, wie der diesjährige Urlaub verlaufen soll, für den bieten zur Zeit verschiedene Veranstalter Urlaub auf Ausgrabungen in Deutschland und Österreich an.

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Vom Tourismusverband Osnabrücker Land, der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück und der Gemeinde Ostercappeln wird die Ausgrabung einer eisenzeitlichen Befestigungsanlage, der sog. "Schnippenburg", in Schwagstorf bei Ostercappeln angeboten. Bereits die ersten Untersuchungen des Fundplatzes deuteten auf einen ungewöhnlichen spektakulären Fundplatz des 3. und 2. vorchristlichen Jahrhunderts hin, in dessen Innenbereich nun seit Anfang 2002 gegraben wird. Bereits im letzten Jahr konnten auch Urlauber an der Grabungskamapgne teilnehmen.

Der Landkreis Landshut bietet eine Ausgrabung auf einem Bestattungsplatz aus keltischer Zeit. Im Isartal bei Niedererlbach, südwestlich von Landshut, sind in der Grabungsfläche neben verebneten Grabhügeln der frühen Keltenzeit weitere Bestattungen der Urnenfelderzeit und der Latène-D2-Periode zu erwarten. Da bisher nur eine handvoll dieser Gräber entdeckt wurden, verspricht jedes weitere Grab Aufschlüsse über der Frage: Germane oder Kelte? Neben der Arbeit auf der Ausgrabung werden den Urlaubern auch Exkursionen und Vorträge geboten.

In Österreich bietet die ARGE Wissenschafts-Tourismus vier unterschiedliche Ausgrabungen für interessierte Hobbyarchäologen an. Die Grabungen in Carnuntum und in Hohenstein beschäftigen sich mit der Römerzeit in Österreich, bei den Grabungen in Sandberg und Goldegg geht es um Hinterlassenschaften aus keltischer Zeit. Auch hier bietet der Veranstalter rund um die Ausgrabung ein Programm aus Vorträgen und Exkursionen.

Kommentare (9)

  • Johannes
    Johannes
    am 08.06.2004
    ich find es eine frechheit urlaub auf ausgrabungen, und wir studenten nagen am hungertuch...
  • Heiner Meiners
    Heiner Meiners
    am 09.06.2004
    Als interessierter Laie wuerde mich die Teilnahme an einer Ausgrabung schon mal interessieren. Ich weiss nicht, was genau Johannes kritisiert? Nehmen die Urlauber den Studenten Ausgrabungsplaetze weg? Oder geht es um finanzielle Mittel? Ich wuerde es begruessen, bei so einer Gelegenheit einen Fachmann zugeteilt zu bekommen, der meine Arbeit nicht nur ueberwacht, sondern auch Funde und Taetigkeiten kommentieren kann. Vielleicht sollte es eine Art Partner- oder Patenschaft bei solchen Gelegenheiten geben. Einem Studenten wird die Teilnahme an einer Ausgrabung ermoeglicht, wenn er dafuer einen Urlauber bei seiner Arbeit begleitet und beraet. Dafuer kommt der interessierte Urlauber dann fuer einen Teil der finanziellen Mittel fuer den Studenten auf. Die Grabungsleiter sind bzgl. der Urlauber entlastet und alle Seiten haben nur Vorteile (abgesehen davon, dass der Urlauber etwas tiefer in die Tasche greifen muss, was ihm aber leicht plausibel zu machen sein duerfte).
    Koenntest Du Dich mit so einer Regelung anfreunden, Johannes?

    Gruss Heiner
  • Johannes
    Johannes
    am 09.06.2004
    Damit wäre mindestens ein gewisser Grad an "fundiertem Ausgraben" gesichert, ich kann mich nur nicht mit der idee des Urlaubes anfreunden, schliesslich ist es wissenschaftliche Arbeit, und man kann auch zum Leidwesen der Wissenschaft viel Pfusch betreiben... Auch Studenten und Grabundsleitern kann so etwas passieren.. Ich bin von dieser Idee nicht so überzeugt.
    Ich kenne viele Kollegen, die den Abschluss machten, und jetzt in Holzfirmen, Kindergärten, Schulen usw.. arbeiten müssen, da es nicht möglich ist, seinen Lebensunterhalt als Full time Archäologe zu verdienen...
    Man kann in einer Grabungsfirma arbeiten gut, aber nur Graben ist auch nur ein Job für den es keine 11 semsestrige ausbildung benötigt..
  • Heiner Meiners
    Heiner Meiners
    am 10.06.2004
    Ich habe bisher an keiner Grabung teilgenommen und dachte, die Urlauber kratzen da vorsichtig Erde beiseite, bis sie auf etwas stossen; dann melden sie das dem Grabungsleiter und der sorgt im Falle eines Fundes fuer die professionelle Bergung des Stueckes. Urlauber sollten also nur die Menge der durchsuchten Erdmasse erhoehen, ohne selber an Funden zu arbeiten. Sollte es anders laufen, kann ich mir eine gesicherte wissenschaftliche Auswertung der Funde kaum vorstellen. Dann wird doch mehr vermasselt als geholfen. Da stimme ich Johannes zu.
    Mit der Arbeitsmarktlage fuer Archaeologen habe ich mich, ehrlich gesagt, nie beschaeftigt. Ich weiss nicht mal, in welchen Stellungen Archaeologen in der "freien Wirtschaft" gebraucht werden. Wahrscheinlich ist doch die Mehrzahl auf Stellen der oeffenlichen Hand angewiesen (Landesaemter, Museen, Denkmalschuetzer). Und da diese immer mehr sparen muss, tut sie es dort, wo es ihr am wenigsten weh tut. Lieber eine Milliarde fuer neue Palaeste in Berlin, als eine Million fuer die Sicherung und Bewahrung der Geschichte. Das ist so traurig, dass man darueber gar nicht nachdenken darf.
    Ich kenne die Aufgaben einer Grabungsfirma nicht. Wo macht denn so ein Unternehmen Gewinn? Sind dass "professionelle Grabraeuber", oder graben die aus anderen Gruenden und muessen einen Archaeologen fuer eventuelle Funde beistellen?
    Sollte es nicht prinzipiell fuer Tiefbauunternehmen Pflicht werden, alle (Erd-) Baumassnahmen von einem (Firmen-) Archaeologen begleiten zu lassen? Oder ist das heute schon so?
    Was passiert mit den Funden einer Grabungsfirma? Muessen die nicht auch katalogisiert, kategorisiert und wissenschaftlich ausgewertet werden? Oder werden die Funde an Museen abgegeben, wo sie im Keller vergammeln?
    Johannes schreibt: "nur Graben ist auch nur ein Job für den es keine 11 semsestrige ausbildung benötigt" und da draengt sich mir die Frage auf, ob nicht genau das auch (unter Anleitung und "strenger" Aufsicht in der von mir oben beschriebenen Weise) Urlauber machen koennen. Dann bleibt den Archaeologen mehr Zeit fuer ihre eigentliche wissenschaftliche Arbeit und die Urlauber tragen zur Finanzierung ihrer Arbeit bei.
    Fuer den Urlauber bleibt dann die Freude beim Sichern "seines" Fundes dabei zu sein, und erste wissenschaftliche Kommentare zu diesem Fund zu bekommen. Mir als grabenden Urlauber wuerde das reichen.

    Viele Fragen und Anmerkungen eines Laien. Ich hoffe, meine Beitraege sind nicht zu lang.

    Mit bestem Gruss

    Heiner
  • Klaus
    Klaus
    am 11.06.2004
    Ich finde die Praxis interessierten Laien die Teilnahme an einer wissenschaftlich geführten Ausgrabung zu ermöglichen sehr gut. Dies birgt Vor- und Nachteile, doch denke ich die Vorteile überwiegen. Allerdings kann eine solche Teilnahme nur bei universitären Grabungen bzw. Grabungen, die von einem Denkmalpflegeamt initiiert werden, Sinn machen, da Grabungsfirmen bei Ihrer Arbeit viel zu sehr unter Druck stehen. Die Grabungen dieser Firmen sind meist auch kaum planbar, da es sich häufig um baubegleitende Massnahmen handelt, die oft sehr kurzfristig erfolgen.
    Grabungen unter wissenschaftlicher Leitung sind dagegen oft langfristig geplant und haben eine Dauer von mehreren Wochen.
    Pro:
    - Das meist elend knapp bemessene Budget wird entlastet und man kann eventuell mehr Studenten teilnehmen lassen. Vielleicht kann man sogar die eine oder andere teure C14-Datierung, osteologische oder dendrochchronologische Untersuchung mehr durchführen.
    - Das Bild der Archäologie in der Öffentlichkeit wird transparenter, d.h. die Wissenschaft befreit sich aus Ihrem Elfenbeinturm. --> Lobby-Bildung
    - Der Unterricht der "Urlauber" schärft die kommunikativen und pädagogischen Fähigkeiten betreuender Studenten.
    Contra:
    - Die Gefahr Befunde mangelhaft zu graben und dementsprechend fehlerhaft zu interpretieren.
    - Grabungen sind kein Urlaub. Die Arbeit ist hart und schmutzig. Man muss also gegenüber den Urlaubern gewisse Konzessionen eingehen, um sie bei Laune zu halten (Rahmenprogramm, Exkursionen, Unterbringung, Arbeitszeit etc.) Hier muss man sehen, ob sich der Aufwand lohnt. Beispiele aus Israel, England zeigen jedoch, daß dies anscheinend der Fall ist.

    Noch etwas zu den anderen Kommentaren:
    - Grabungsfirmen müssen selbstverständlich wissenschaftlich arbeiten. Alle Funde und Befunde werden aufgenommen und beschrieben. Es gibt eine wissenschaftliche Schlussauswertung, deren Erstellung mittlerweile in Bayern ca. 10-20% der Gesamtkosten kostet.
    - Die Firmen müssen wirtschaftlich arbeiten, da die Grabungen in normalen Ausschreibungsverfahren vergeben werden. Die Kalkulationen sind entsprechend.
    - Die Funde gehören, zumindest in Bayern demjenigen, der die Grabung bezahlt.
    - Wissenschaftlich herrausragende Funde werden oft vom Landesdenkmalamt gekauft oder kostenlos restauriert und dann vom Eigentümer als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

    Gruß
    Klaus


  • Heiner Meiners
    Heiner Meiners
    am 11.06.2004
    Klaus schreibt:
    "Man muss also gegenüber den Urlaubern gewisse Konzessionen eingehen, um sie bei Laune zu halten (Rahmenprogramm, Exkursionen, Unterbringung, Arbeitszeit etc.)"
    Auch da sehe ich nicht nur "Contra", sondern auch "Pro", denn ausgabungs - themenbezogenes Rahmenprogramm und Exkursionen koennen doch auch von Studenten vorbereitet werden, und zwar als "Semesterarbeit". Vortraege zu erarbeiten und zu halten, die wissenschaftlich hochwertig, doch in fuer Laien verstaendlichem Deutsch verfasst sind, sind eine echte Herausforderung und durch Professoren, denke ich, gut zu bewerten.
    Vortraege vor Publikum zu halten ist auf der anderen Seite etwas, das die Studenten wissenschaftlicher Faecher gar nicht oft genug praktizieren koennen.
    Exkursionen zu planen ist auch eine gute Uebung fuer Recherche und Organisation, was auch im spaeteren Berufleben eines Archaeologen eine wichtige Rolle spielen kann.
    Die Unterbringung sehe ich gar nicht als Thema an. Der eine Urlauber will das Flair des Ausgrabungscamps erleben, also ist Camping ok. Der andere will ins Hotel und muss die zusaetzlichen Kosten halt tragen.

    Gruss Heiner
  • Tamy
    Tamy
    am 13.06.2004
    ich finde das cool!! :o)
  • Gil
    Gil
    am 01.07.2004
    Johannes, ne Frechheit finde ich eigentlich Deinen ersten Beitrag.
    Wer 'Urlaub' auf der Grabung macht, >>bezahlt<< in der Regel ne Stange Geld dafuer, dass er 'mitmachen' darf. Geld also, das er vorher >erarbeitet< hat!
    Ausserdem muss kein Student am Hungertuch nagen. Es gibt sowas wie HiWi Jobs oder Jobben nebenbei. Das machen viele Studis und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt.
  • JoHANNES PÖLZ
    JoHANNES PÖLZ
    am 14.04.2005
    hallo ich möchte bitte einige informationen zum thema archäologie haben ,denn ich stelle ein referat vor

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