Römischen Hafen entdeckt?

Bei Grabungen im Vorfeld der Überbauung Wydenpark in Studen im Kanton Bern stiess der Archäologische Dienst des Kantons Bern auf Reste massiver Holzkonstruktionen. Diese bekräftigen die Vermutung, dass am alten Aarelauf ein römischer Hafen gewesen sein könnte.

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Eine Pfahlspitze des möglicherweise römischen Hafens wird grob gereinigt. (Bild zvg ADB)
Eine Pfahlspitze des möglicherweise römischen Hafens wird grob gereinigt. (Bild zvg ADB)

Das bisher vor allem landwirtschaftlich genutzte Areal im Zentrum von Studen soll überbaut werden. Deshalb führt der Archäologische Dienst des Kantons Bern (ADB) im Vorfeld Rettungsgrabungen durch. Das Areal Wydenpark liegt in der einstigen Flusslandschaft direkt vor den Toren des römischen Dorfs Petinesca. Diese Situation bewog den ADB, bereits im Frühjahr 2009 Sondierungen vorzunehmen. Dabei zeigte sich, dass das rund 10000 m2 umfassende Gelände in römischer Zeit rege genutzt wurde. Erfasst wurde namentlich ein alter Aarelauf, der an der Westseite von einem Damm und einer Strasse begleitet wird.

Bei den aktuellen Grabungen hat der ADB Teile der sieben Meter breiten römischen Strasse freigelegt, die aus der Richtung des römischen Petinesca nordostwärts führt. Auf der Fahrbahn sind stellenweise noch die Karrenspuren erkennbar. Zur westlichen Ebene hin wird die Strasse von einem drei Meter breiten, teils mit Kies befestigten Bankett und einem Strassengraben begleitet. In der angrenzenden Ebene weisen die grossen Mengen an Keramik- Metall- und Tierknochenfunden auf eine rege Nutzung als Werk- und Umschlagplatz hin. Auf einer etwas erhöhten Kiesbank dürfte sogar ein Gebäude gestanden haben, von dem sich jedoch ausser einem Sodbrunnen mit Holzeinfassung und einer massiven Schuttablagerung nichts erhalten hat.

An der Ostseite ist die Strasse nur durch den Strassengraben von einem Damm getrennt. Dicht neben dem Graben hat der ADB am Fuss des Damms bisher drei römische Gräber gefunden. Eine dieser Körperbestattungen weist Brandspuren auf, die noch einige Rätsel aufgeben.

Der Damm wurde als künstliche Erhöhung des Flussufers aus Kalkbruchsteinen und Kies aufgeschüttet. Die Aufschüttung ist noch rund zwei Meter hoch erhalten. Gegen die Strasse hin wird der Damm von einer massiven Verbauung aus eingerammten Pfählen und dahintergelegten Balken aus Eichenholz gestützt. Falls in der kommenden Grabungsetappe auch an der Wasserfront des Damms eine ähnliche Konstruktion zum Vorschein kommen sollte, ergäbe sich eine Mole, wie sie von anderen römischen Häfen bekannt ist. An der Wasserseite des Dammes und im ehemaligen Aarebett, dessen Sohle gut drei Meter unter der heutigen Oberfläche liegt, hofft der ADB weitere Aufschlüsse zur Hafenanlage zu erhalten und Spuren der römischen Flussschifffahrt vorzufinden.

Das bisher geborgene Fundmaterial erlaubt eine grobe Datierung vom 2. bis in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. Genauere Daten werden die dendrochronologischen Analysen der Pfähle und Balken liefern.

Ein Ausschnitt der strassenseitigen Dammfront. (Bild zvg ADB)
Ein Ausschnitt der strassenseitigen Dammfront. (Bild zvg ADB)

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