Hafenmauer von Vindonissa entdeckt

Brandneu ist die Meldung nicht mehr, aber interessant. Im Sommer stiess man bei Aushubarbeiten für ein Einfamilienhaus in Unterwindisch/Spitzmatt überraschend auf Überreste der römischen Uferverbauung des antiken Vidonissa.

Nachrichten durchblättern

Die Kantonsarchäologie Aargau konnte im Frühling in einer Notgrabung dieses wichtige Zeugnis der antiken Stadtanlage vor der endgültigen Zerstörung dokumentieren.

Während des Baugrubenaushubs entdeckten Mitarbeiter der Kantonsarchäologie zuerst drei direkt unter dem Humus liegende Kalkbrennöfen aus der Neuzeit. Im weiteren Fortgang der Baggerarbeiten und archäologischen Untersuchungen kamen Negative mächtiger Holzpfosten und ein massives Paket aus grossen Bollensteinen zu Tage. Die zahlreichen Keramikfunde datieren die Baustrukturen in römische Zeit.

Aus der Kombination einer Pfostenreihe, die längs durch die Baugrube verlief, und eines Steinpaketes wurde schnell klar, dass es sich hierbei um die Reste des lange gesuchten Hafens an der Reuss handeln muss. Auf einer kleinen Grabungsfläche weiter westwärts stiess man bereits im Jahr 1996 auf sehr ähnliche Baustrukturen. Beide Teilstücke gehören mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer mehr als 300m langen Hafenmauer, die flussseitig mit starken Pfosten verankert und mit Steinen hinterfüllt war. Ihre Baulinie verläuft zwischen 100 und 400 m vom heutigen Reussufer entfernt durch das moderne Unterwindisch.

Aus Holz gebaute Hafenmauern, wie man sie jetzt in Vindonissa entdeckt hat, sind aus anderen römischen Flussstädten gut bekannt. Im günstigsten Fall sind bei hohem Wasserspiegel sogar die Holzbauteile erhalten, wie beispielsweise am Aareufer in Solothurn oder in Städten wie Xanten und London.

Der neu entdeckte Flusshafen bildete einen zentralen Bestandteil im Wirtschaftsleben des antiken Vindonissa. Ein grosser Teil der aus vielen verschiedenen Regionen des römischen Reiches kommenden Alltags- und Luxusgüter gelangte vermutlich über den Reusshafen ins Legionslager und die Zivilstadt.

 

Quelle: Kanton Aargau

Kommentare (1)

  • hoek florian
    hoek florian
    am 05.11.2002
    Die Sache ist sehr interessant. Die Befunde sind - nach meiner Meinung - vorerst noch zu dürftig, um von einem echten Hafen zu sprechen. Für einen hafen braucht es weitere Hinweise. Am nächsten kommt man dem Befund (Uferverbauung?) vielleicht mit dem Ausdruck Anlegestelle.
    Mit freundlichen Grüssen. F. Hoek, Projektleiter, Kantonsarchäologie Zürich

Neuen Kommentar schreiben