Neues Digital-Humanities-Projekt am Start

Sänger des Mittelalters im Netz

Mediävisten aus Stuttgart und Erlangen arbeiten an einer digitalen Edition aller erhaltenen Werke ausgewählter Lyriker des 13. Jahrhunderts. Diese soll nach Fertigstellung für alle kostenfrei online nutzbar sein.

Nachrichten durchblättern
Codex Manesse
Darstellung Ulrichs von Liechtenstein im Codex Manesse (Cpg 848 der Universitätsbibliothek Heidelberg).

Durch Luft übertragener Schall, von Hand beschriebenes Pergament, mit Maschinen bedrucktes Papier – die Lyrik des hohen Mittelalters hat schon mit durchaus unterschiedlichen Medien Bekanntschaft gemacht. Jetzt ist sie auch im Digitalzeitalter angekommen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab Sommer diesen Jahres das Projekt »Lyrik des hohen Mittelalters. Eine exemplarische elektronische Edition«, das Prof. Manuel Braun, germanistischer Mediävist an der Universität Stuttgart, zusammen mit Dr. Sonja Glauch und Prof. Florian Kragl von der Universität Erlangen entworfen hat. Das Projekt fügt sich in die Strategie der Digital Humanities ein, die die Stuttgarter Geisteswissenschaften konsequent und erfolgreich verfolgen.

Ziel des Projektes ist es, sämtliche erhaltenen Texte ausgewählter Lyriker des 13. Jahrhunderts – am bekanntesten dürfte der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein sein – in digitaler Form neu herauszugeben. Gegenüber einer gedruckten Edition bietet ein solcher digital aufbereiteter Text entscheidende Vorteile. Zum einen kann so erstmals die gesamte handschriftliche Überlieferung in ihrer enormen Vielgestaltigkeit dargeboten werden, da es keine Kapazitätsbeschränkungen gibt. Zum anderen wird die Ausgabe dynamisch sein, so dass jeder Benutzer den mittelalterlichen Text in genau der Gestalt lesen kann, die seinen jeweiligen Interessen entspricht: als Digitalisat der Handschrift, als zeichengetreue Transkription oder als (unterschiedlich stark) bearbeiteten Editionstext. In jedem Fall bleiben die Texte auf ihre mittelalterlichen Handschriften – die wichtigsten liegen heute in den Bibliotheken in Stuttgart und Heidelberg – hin transparent.

Komfortabler Umgang mit 700 Jahre alten Zeugnissen

Damit trägt die Ausgabe den Anforderungen einer »material philology« Rechnung, wie sie die heutige Literaturwissenschaft regelmäßig einfordert, aber bislang nur selten einlöst. Zugleich bietet sie aber auch jeden erdenklichen Komfort, der einem den Umgang mit 700 Jahre alten Zeugnissen einer vergangenen Kultur erleichtert: Erklärungen schwer verständlicher Wörter, Kommentare zur Überlieferungssituation, Hinweise auf die moderne Forschungsliteratur sowie verschiedene Suchfunktionen. Nach ihrer Fertigstellung wird die neue Edition jedem Interessenten kostenfrei im Netz zur Verfügung stehen. Er kann sie dann nach Belieben am Bildschirm lesen, sich die Texte als PDF-Datei ausdrucken oder sie sogar wieder einmal singen …

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben