Munitionsdepot der Renaissance entdeckt

In der Werburg in Spenge (Kreis Herford) haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) das größte Munitionsdepot aus der Renaissancezeit in Westfalen entdeckt. Bislang haben sie über 1500 Armbrustbolzen und 42 Kanonenkugeln aus Stein ausgegraben. Das Depot wurde an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert angelegt und dokumentiert damit anschaulich den Wechsel der Waffentechnik zu dieser Zeit.

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Das Munitionsdepot in der Werburg zu Beginn der Freilegung. In der rötlichen Fläche hinter den Kanonenkugeln befinden sich die verrosteten Armbrustbolzen. (Foto: LWL/A. Madziala)
Das Munitionsdepot in der Werburg zu Beginn der Freilegung. In der rötlichen Fläche hinter den Kanonenkugeln befinden sich die verrosteten Armbrustbolzen. (Foto: LWL/A. Madziala)

Seit vergangenem Jahr begleitet die LWL-Archäologie für Westfalen die dringend notwendige Sanierung des Herrenhauses der um 1450 errichteten Werburg mit archäologischen Untersuchungen. Dabei entdeckten die Ausgräber das Munitionsdepot zwischen zwei schmalen Mauerresten. Aufgrund der Schichtenfolge können sie die Anlage des Lagers in die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert datieren.

Die Armbrustbolzen sind mit der Zeit verrostet und bilden zusammen mit dem umgebenden Erdreich einen massiven Block. Die Zahl der Geschoss-Spitzen können die Archäologen aber relativ genau schätzen, da sie bereits im vergangenen Jahr einen 1,30 Meter mal 80 Zentimeter großen Block als Ganzes geborgen und in die LWL-Restaurierungswerkstatt nach Münster gebracht haben. Hier erkannte der Restaurator unter dem Röntgengerät eng aneinander und übereinander gepackte Armbrustbolzen, er zählte fast 1.000 Stück.

Bislang 39 Kanonenkugeln aus Stein fanden sich auch drei aus Eisen. Bisher konnten die Ausgräber drei verschiedene Kaliber zwischen acht und zwölf Zentimeter identifizieren.

"Die Kombination von Geschossen der traditionellen mittelalterlichen Armbrust mit Kugeln von innovativen Feuerwaffen dokumentiert anschaulich den Wechsel in der Bewaffnung an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Das umfangreiche Munitionsdepot ruft auch in Erinnerung, dass die heute so beschaulich wirkende Werburg vor 500 Jahren eine gut bewaffnete Verteidigungsanlage war", erklärt LWL-Archäologe Dr. Werner Best die Funde.

Die Armbrust gehörte zu den bevorzugten Waffen für den mittelalterlichen Fernkampf und wurde meistens von Verteidigern verwendet. (Foto: Experimentum)
Die Armbrust gehörte zu den bevorzugten Waffen für den mittelalterlichen Fernkampf und wurde meistens von Verteidigern verwendet. (Foto: Experimentum)

Kommentare (3)

  • Peter Steinchen
    Peter Steinchen
    am 05.07.2009
    "innovative Feuerwaffen" = ein modischer, aber sprachlicher UNSINN. Feuerwaffen können nicht innovativ sein, genausowenig wie Flugzeuge, Panzer, Raketen oder Bier; jedoch sind die ERFINDER der Feuerwaffen offensichtlich innovativ gewesen (auf dem Gebiet der Waffenentwicklung). Die Wissenschaft sollte sich nicht an der Sprachverhunzung durch Politiker und Medien beteiligen, auch wenn das heutzutage noch so cool ist.
  • M. Gutjahr
    M. Gutjahr
    am 07.07.2009
    innovativ:
    a) neu[artig].
    b) einfallsreich, fantasievoll, ideenreich, innovationsfreudig, originell, schöpferisch; (bildungsspr.): kreativ. (nach: Duden online)

    Zwar sind Feuerwaffen per se nicht "kreativ", aber "neuartig" trifft es doch ganz gut, oder? Man muss auch beim Sprachgebrauch nicht päpstlicher als der Papst sein.
  • Dr.phil. Ulf Jäger / Gronau-Epe/Westfalen
    Dr.phil. Ulf Jäger / Gronau-Epe/Westfalen
    am 19.07.2009
    Die Diskussion um die Wortwahl zu diesem "hochexplosiven" Thema zeigt nur, wo und wie- ich denke mal ganz unbewußt!- unsere Sprache durch die Beeinflußung der Massenmedien nun angekommen ist.
    Noch vor nicht wenigen Jahren war das anders:
    die Protagonisten der Archäologie waren, in sehr positiv gemeintem Sinne!- Büchermenschen. Neuerdings scheint man, um massenkompatibel zu sein(?), auf "TV-Sprache" "angekommen" zu sein.
    Es wäre besser, man verzichtete bei archäologischen Beschreibungen auf derartigen Schnickschnack.

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