Moderne Analytik gibt neue Einblicke in die 1700 Jahre alten Fibeln aus dem Fürstinnengrab von Dienstedt

Röntgenverfahren liefern neue Hinweise zu Material und Herstellung der Dosenfibeln aus dem Fürstinnengrab von Dienstedt

Was verraten Materialspuren über die Herstellung eines mehr als 1700 Jahre alten Schmuckstücks? Dieser Frage sind INNOVENT e.V. und die Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena bei der Untersuchung zweier außergewöhnlicher Dosenfibeln aus dem Fürstinnengrab von Dienstedt nachgegangen. Mithilfe von Röntgen-Computertomographie und Röntgenfluoreszenzanalyse konnten sowohl konstruktive Details als auch Hinweise auf die verwendeten Ausgangsmaterialien und deren Verarbeitung gewonnen werden.

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Dosenfibel im Computertomographen
Im Computertomographen: Durchleuchten einer Dosenfibel mit Röntgenstrahlen. Bild: © INNOVENT e.V.

Das Grab wurde 1837 bei Straßenbauarbeiten östlich von Dienstedt im heutigen Ilmkreis entdeckt. Es handelt sich um ein reich ausgestattetes Frauengrab aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Zu den Beigaben gehören Keramik- und Bronzegefäße, ein römisches Messer, Schmuck sowie zwei kunstvoll gearbeitete Dosenfibeln. Für diese Fibeln sind in Europa nur wenige Vergleichsstücke bekannt.

Die archäologischen Funde werden heute in der Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufbewahrt. Eine erste Beschreibung erfolgte bereits 1908 durch G. Eichhorn aus Jena. Die aktuellen Untersuchungen zeigen, welche zusätzlichen Informationen moderne naturwissenschaftliche Methoden mehr als ein Jahrhundert später erschließen können.

Röntgen macht Konstruktion sichtbar

Mit der Röntgen-Computertomographie wurden die Fibeln zerstörungsfrei untersucht. Die dreidimensionale Bildgebung ermöglicht einen Einblick in das Innere der Objekte und macht Details des konstruktiven Aufbaus sichtbar. Dadurch können unter anderem die Verbindungen zwischen einzelnen Komponenten untersucht werden, ohne die historischen Fundstücke zu öffnen oder zu zerlegen.
Für die Materialcharakterisierung kam die Röntgenfluoreszenzanalyse zum Einsatz. Sie ermöglicht es, die chemische Zusammensetzung der Metalle zu bestimmen und dabei auch Nebenbestandteile sowie Spurenverunreinigungen zu erfassen.

Gerade diese Spuren erwiesen sich als aufschlussreich: In der zentralen Achse wurde eine außergewöhnlich hohe Reinheit des Kupfers festgestellt. Gold und Silber lagen dort unterhalb der Nachweisgrenze. Gleichzeitig weisen Spuren von Blei und Zinn darauf hin, dass die Bauteile des Bodens der untersuchten Dosenfibel aus unterschiedlichen Blechen gefertigt wurden.

Auch bei den Drahtringen konnten Unterschiede beziehungsweise Übereinstimmungen in der Materialzusammensetzung festgestellt werden. Drei der fünf untersuchten Drahtringe dürften aus derselben Rolle stammen. Die Ergebnisse liefern damit konkrete Anhaltspunkte für die Auswahl und Verarbeitung der metallischen Ausgangsmaterialien.

Archäologische Fragen mit naturwissenschaftlichen Methoden beantworten

Die Untersuchung verdeutlicht das Potenzial der Archäometrie: Durch die Verbindung archäologischer Fragestellungen mit moderner Bildgebung und Materialanalytik lassen sich Informationen über historische Objekte gewinnen, die allein anhand ihrer äußeren Erscheinung nicht zugänglich wären.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden am 29. August 2026 in Halberstadt auf der archäologischen Tagung des Städtischen Museums »REICH UND SCHÖN? – Die Fürstengräber der jüngeren Römischen Kaiserzeit aus Emersleben« vorgestellt. Die Zusammenarbeit von INNOVENT e.V. und der Sammlung Ur- und Frühgeschichte zeigt dabei beispielhaft, wie moderne naturwissenschaftliche Analytik zur Erforschung und zum Erhalt kulturhistorisch bedeutender Objekte beitragen kann.

Falschfarbendarstellung der Bauteile der Dosenfibel aus Dienstedt
Falschfarbendarstellung der Bauteile der Dosenfibel aus Dienstedt. Bild: © INNOVENT e.V.