In Oasen in der arabischen Wüste gab es bereits in der Bronzezeit "Marken"
Den Forscherinnen und Forschern gelang es, alte Fehlannahmen über die berühmte Midianitische Keramik zu widerlegen und erstmals nachzuweisen, dass der Ursprung dieser Ware tatsächlich in der Oase Qurayyah lag. "Unsere Entdeckung verdeutlicht, dass selbst in der kargen Umgebung von Wüstenoasen, wo lebenswichtige Ressourcen wie Wasser, Brennstoff und Ton knapp waren, lokale Gemeinden in der Bronzezeit gesellschaftlich eingebunden waren. Schon damals waren sie Teil größerer Netzwerke, in denen technologisches Know-how mit benachbarten Regionen wie der südlichen Levante und Syrien geteilt wurde. Die Oasenbewohnerinnen und -bewohner waren einfallsreich und erfinderisch genug, um ihr eigenes Keramikrepertoire zu schaffen und sogar zu exportieren", sagt die Studienleiterin Marta Luciani vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien.
Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass die Gefäße so unverwechselbar, ansprechend und begehrt waren, dass sie als "Marke" betrachtet werden. Dadurch gelang schließlich auch eine bahnbrechende Erkenntnis: die Archäologinnen und Archäologen erarbeiteten genaue Kriterien zur Identifizierung antiker Marken: visuelle Identität, materielle Konsistenz, technologische Kontinuität, zentralisierte Produktion, Exportzirkulation, lokale Nachahmung, beabsichtigte kommerzielle Reichweite und kultureller Ruf.
"Die Schlussfolgerungen unserer Studie reichen somit über die Archäologie und die langfristige Beziehung zwischen Menschen und natürlichen Ressourcen in klimatisch extremen Regionen hinaus. Sie erstrecken sich auf Bereiche wie die wirtschaftlichen Mechanismen, die die Beziehungen zwischen Produzenten und Konsumenten über Zeit und Raum hinweg vermitteln", fügt Luciani hinzu, Archäologin und Teamleiterin des Netzwerks "Human Evolution and Archaeological Science" (HEAS) an der Universität Wien.
"Entscheidend für diese erstmalige Entdeckung war unser interdisziplinärer und multiskalarer Ansatz, bei dem die Untersuchung von stratigraphischem Material, die Technologie der Gefäßformung sowie die petrographische Analyse von Keramikdünnschnitten unter dem Polarisationsmikroskop kombiniert wurden", erklärt Pamela Fragnoli, Leiterin des Keramiklabors des Österreichischen Archäologischen Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAI/ÖAW), "abgeglichen mit chemischen Fingerabdrücken der Gefäßzusammensetzung, bis hin zu deren Spurenelementen, die mittels Neutronenaktivierungsanalyse ermittelt wurden", fügt Johannes H. Sterba, Leiter des Zentrums für Markierung und Isotopenproduktion an der TU Wien, hinzu.
Doralice Klainscek, Doktorandin an der Universität Wien und Mitautorin der Studie, erklärt: "Die ersten Exemplare der bemalten Keramik aus Qurayyah wurden vor 3.600 Jahren hergestellt. Unsere auffälligste Entdeckung war die Feststellung, dass die Produktion bemalter Keramik fortgesetzt wurde und sich dabei ständig weiterentwickelte. Vier Jahrhunderte später, vor ca. 3.200 Jahren, schufen die Menschen ein blühendes Repertoire an zweifarbig bemalten Tieren und menschlichen Ritualen: Dies wurde zum Markenzeichen, das über Hunderte von Kilometern nach Norden in die südliche Levante exportiert wurde, zu Stätten wie Tell el-Kheleifeh und sogar zum Timna-Heiligtum der ägyptischen Göttin Hathor, sowie nach Süden bis nach Nordarabien. Die Töpfertradition von Qurayyah hörte nicht auf und blieb noch weitere tausend Jahre bis weit in die späte Eisenzeit hinein in der Oase verankert."
Publikation
Creating a brand. Genesis, transformation and diffusion of Qurayyah Painted Ware
PLOS One. 19.8.2026
DOI: 10.1371/journal.pone.0351296






