"Eidechsen und Schlangen entwickelten sich in dieser Zeit zu einem wichtigen Bestandteil der Ernährung", sagt Dr. Maayan Lev, Erstautorin der Studie und Postdoktorandin im "Kiel Training for Excellence" Programm (KiTE) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).
Die Studie beruht auf Ausgrabungen an der archäologischen Fundstätte "el-Wad Terrace" im Naturschutzgebiet Nahal Me’arot auf dem Berg Karmel in Israel. Eine Abfolge von bis zu zwanzig archäologischen Schichten zeugt dort von einer wiederholten Besiedlung über einen Zeitraum von etwa dreitausend Jahren. Mit der Radiokarbon-Methode konnte dieser auf etwa 15.000 bis 12.000 Jahren vor heute datiert werden.
Dr. Lev sowie Co-Autorin Professorin Mina Weinstein-Evron von der Universität Haifa und Co-Autor Professor Reuven Yeshurun, ebenfalls von der Universität Haifa, indentifizierten in den Siedlungsschichten von "el-Wad Terrace" Tausende von Knochen von Eidechsen und Schlangen. "Mittels sehr detaillierter mikroskopischer Untersuchungen konnten wir dann die Überreste von Reptilien, die an dieser Stätte eines natürlichen Todes starben oder von Säugetieren und Vögeln gefressen wurden, von denen unterscheiden, die Menschen als Nahrung dienten", erklärt Maayan Lev, die auch am Zinman-Institut für Archäologie der Universität Haifa forscht und assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters ROOTS an der CAU ist.
Die Forschenden konnten zum ersten Mal überhaupt Schnittspuren von Feuersteinmessern an einheitlichen Stellen auf den Knochen großer Schlangen wie der großen Pfeilnatter Dolichophis jugularis und der östlichen Eidechsennatter Malpolon insignitus nachweisen. Hinzu kamen indirekte Hinweise auf den Verzehr der europäischen Panzerschleiche Pseudopus apodus, deren harte Schuppen eine andere Zerlegungsmethode erforderten als die der Schlangen.
Das Team versucht zu verstehen, warum gerade diese Arten als Nahrung genutzt wurden und warum sich ihre relative Häufigkeit im Verlauf der Siedlungsabfolge veränderte. "Unsere Hypothese ist, dass die Menschen des Natufien lieber Reptilien fingen, die relativ groß, relativ langsam und nicht gefährlich waren. Mit anderen Worten: Panzerschleichen waren eine ideale Wahl, und wenn diese nicht verfügbar waren, fingen die Jäger stattdessen eher ungefährliche Schlangen. Giftige Schlangen wie Vipern wurden dagegen nur selten erbeutet", erklärt Dr. Lev.
Die große Anzahl von Knochen der "ertragreicheren" Reptilienarten, vor allem der Panzerschleiche, in allen archäologischen Schichten deutet darauf hin, dass sie selbst in Zeiten von Bevölkerungswachstum eine verlässliche und nachhaltige Nahrungsquelle darstellten. "Diese Ergebnisse beleuchten einen bislang wenig erforschten Aspekt der Beziehung zwischen Menschen und Schuppenkriechtieren in der Urgeschichte und sie gewähren einen faszinierenden Einblick in die Ernährung von Menschen vor Beginn der Jungsteinzeit", fasst Maayan Lev zusammen.
Die Studie wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts zu den Ursprüngen der Sesshaftigkeit durchgeführt, das von Prof. Reuven Yeshurun geleitet und von der Israel Science Foundation finanziert wurde.
Publikation
Three millennia of lizard and snake consumption by Natufian foragers
PNAS. 17.8.2026
DOI: 10.1073/pnas.2609354123






