Lichtenberg-Nachwuchsprofessur für niederländische Numismatikerin

Die Goethe-Universität ist um eine Professur für junge hochqualifizierte Wissenschaftler reicher: Seit Beginn dieses Monats hat Dr. Fleur Kemmers die Lichtenberg-Nachwuchsprofessur für "Münze und Geld in der griechisch-römischen Antike" inne. Die 32-jährige Niederländerin wird in den kommenden fünf Jahren, finanziert aus einem Programm der VolkswagenStiftung, ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Gebrauch von Münzgeld im westlichen Mittelmeerraum in der Zeit von 500 bis 100 v. Chr. leiten, sich aber auch intensiv in der Lehre und Forschung am Institut für Archäologische Wissenschaften engagieren.

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Münzen
Foto: pixelio.de / Dieter Schütz

Frankfurt war ihre erste Wahl: "Denn die Goethe-Universität bietet mir Möglichkeiten zur interdisziplinären Vernetzung, die anderswo nicht vorhanden sind, und dazu gibt es hier in Frankfurt einen sehr gut etablierten und ausgerüsteten numismatisch-geldgeschichtlichen Schwerpunkt." Die junge Archäologin und Numismatikerin wird auch in dem vor drei Monaten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligten Graduiertenkolleg "Wert und Äquivalent. Über Entstehung und Umwandlung von Werten aus archäologischer und ethnologischer Sicht" mitarbeiten. In den Niederlanden hat Frau Kemmers nicht nur an der Universität Nijmegen geforscht und gelehrt, sondern auch eng mit archäologischen Ausgrabungsprojekten zusammengearbeitet und häufig Vorträge für Hobby-Archäologen, Heimatvereine, Münzsammler und Schüler gehalten; daran will sie in Frankfurt anknüpfen: "Die modernen Methoden der Archäologie bieten immer neue spannende Erkenntnisse über die Vergangenheit, das fasziniert Wissenschaftler wie Laien."

"Wer Einsichten in staatliches Handeln, gesellschaftliche Vorstellungen, ökonomisches Denken sowie Kultpraktiken gewinnen will, kommt am Studium von Münzen und ihres Gebrauchs als Geld nicht vorbei", so Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel vom Institut für Archäologische Wissenschaften; auf seine Initiative geht die Einwerbung dieser lukrativen Professur zurück. Er war auf die ausgezeichneten Beiträge von Frau Kemmers zur Analyse des Münzgeldumlaufes in den nordwestlichen Provinzen des Imperium Romanum aufmerksam geworden, hat gemeinsam mit ihr ein Seminar und ein internationales Kolloquium zum Thema "Coins in context" durchgeführt und eine entsprechende Publikation herausgegeben.

Münzen wurden zentral in einigen wenigen Münzstätten geprägt, werden aber überall im römischen Reich gefunden. Wie hat das funktioniert? Wie wurden Münzen in Umlauf gebracht, wo, wie und wozu hat man Münzen als Geld benutzt? Welche Funktion kam den Münzbildern in einer Zeit ohne Massenkommunikationsmittel zu? Um diese und andere Fragen zu diskutieren, analysieren die Wissenschaftler, wo und in welchem Kontext Münzen gefunden werden und welche Rückschlüsse daraus auf ihre spezifischen Geldfunktionen gezogen werden können. "Numismatik und Geldgeschichte werden an der Goethe-Universität seit über 50 Jahren als Schwerpunkt in Lehre und Forschung gepflegt, wir sind ein international renommiertes Expertisezentrum", erläutert von Kaenel. Eine Niederländerin passt bestens in den internationalen Kreis von jungen Wissenschaftlern aus acht verschiedenen Ländern, die sich in Frankfurt als Numismatiker, Archäologen, Althistoriker und Mineralogen/Geochemiker mit Münzen und Geld der antiken Welt beschäftigen.

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