Jordanien startet archäologische Geodatenbank für den Mittleren Osten

Anfang dieser Woche ging eines der bisher ambitioniertesten Projekte des Mittleren Ostens in Sachen Denkmalschutz an den Start. Das jordanische Department of Antiquities präsentierte am Dienstag gemeinsam mit dem Getty Conservation Institute und dem World Monuments Fund das Geoinformationssystem MEGA-J. Diese Datenbank soll den Zugriff auf detaillierte Informationen zu allen archäologischen Stätten des Landes ermöglichen; Bisher sind etwa 11.000 Fundstellen erfasst. Jordanien ist das erste Land der Region, das die Middle Eastern Geodatabase for Antiquities (MEGA) nutzt. Perspektivisch kann das System ein wertvolles Instrument für Denkmalschutz und Wissenschaft im gesamten Mittleren Osten werden.

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al-Khazneh (»Schatzhaus«), Petra
al-Khazneh, das »Schatzhaus« der Felsenstadt Petra ist eine von derzeit 11.000 archäologischen Stätten, die im neuen Informationssystem MEGA-JORDAN eingetragen sind. Foto: David Bjorgen, CC-BY-SA

Die in arabischer und englischer Sprache nutzbare Datenbank MEGA-Jordan bzw. MEGA-J ist ein webbasiertes Geographisches Informationssystem (GIS) und der Versuch Informationen über archäologische Stätten in Jordanien zu vereinheitlichen und an einem Ort zentral zugänglich zu machen. Über die Satelliten- und Luftbildkarten von Google Maps kann der Benutzer navigieren und per Mausklick detaillierte Informationen zu derzeit etwa 11.000 kartierten archäologischen Fundstellen abrufen, zu denen auch die UNESCO Welterbestätten Petra, Umm er-Rasas and Qasr Amra zählen.

»Um das archäologische Erbe schützen zu können, benötigt man umfassende Kenntnis von den Fundplätzen, ihren Ausmaßen und Charakteristiken. Leider werden die archäologischen Stätten zunehmend durch die Expansion von Siedlungen oder auch den Tourismus gefährdet.«, sagte Dr. Ziad Al-Sa’ad, Generaldirektor des jordanischen Department of Antiquities (DoA), bei der Vorstellung des Projektes. »Die neue Datenbank wird die Arbeit unserer Mitarbeiter, der jordanischen Wissenschaftler und ihrer internationalen Kollegen wesentlich vereinfachen und künftig eine wichtige Rolle bei der Erhaltung von Jordaniens archäologischen Schätzen spielen«, sagte Al-Sa’ad weiter.

Bereits seit den frühen 90er Jahren verwaltet Jordanien seine Altertümer in der Datenbank JADIS. Dieses System genügt aber nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit. Für die Ablösung des veralteten Systems konnte das DoA das Getty Conservation Institute (GCI) in Los Angeles und den World Monuments Fund (WMF) als Partner gewinnen. Das neue, auf Open Source Software basierende System wurde von GCI und WMF in Zusammenarbeit mit dem GIS-Spezialisten Farallon Geographics aus San Francisco entwickelt. In einem jetzt unterzeichneten Vertrag wurde zwischen den Partnern eine zweijährige Wartungs- und Supportphase des Systems vereinbart. Die Entwicklung einer Datenbankkomponente für die Baudenkmalpflege ist bereits in Planung.

Investitionen der Wirtschaft und nicht zuletzt der starke Zustrom von Flüchtlingen aus den Krisenregionen des Nahen Ostens haben in den letzten Jahren zu einem Bauboom geführt. MEGA-Jordan ist daher für die jordanische Denkmalschutzbehörde ein wichtiges Instrument, um zukünftig bei Bauprojekten abschätzen zu können, inwieweit archäologische Fundplätze von solchen Vorhaben betroffen sind. Zudem erlaubt die Datenbank einen leichteren Austausch mit anderen Behörden wie dem Landwirtschafts- oder dem Tourismusministerium, um den Schutz des reichhaltigen kulturellen Erbes Jordaniens besser koordinieren zu können.

Das Projekt MEGA (Middle Eastern Geodatabase for Antiquities) ist so angelegt, dass auch andere Staaten des Mittleren Ostens das System für Ihre eigene Zwecke übernehmen können. Aktuell arbeiten das Getty Institute und der WMF mit dem Iraq State Board of Antiquities and Heritage zusammen, welches das System für die irakischen Kulturdenkmale nutzen will.

MEGA-JORDAN ist mit einem Gast-Zugang frei über das Internet zugänglich.

MEGA-JORDAN
Die archäologischen Stätten von Petra in MEGA-JORDAN

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