Hamburger Archäologisches Institut kurz vor der Schließung

Den Sparzwängen der öffentlichen Hand soll jetzt in Hamburg ein Großteil der archäologischen Studiengänge und Forschungsbereiche zum Opfer fallen. Nach derzeitiger Planung des Universitätspräsidiums sollen die Fächer Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Ägyptologie und Mesoamerikanistik liquidiert werden, nachdem vor zwei Jahren bereits die Altorientalistik ersatzlos gestrichen wurde. Die Entscheidung über die Sparpläne soll bereits am kommenden Mittwoch fallen.

 

Dozenten und Studenten des Hamburger Archäologischen Instituts, das bisher vier international renommierte Fachgebiete unter seinem Dach vereint, protestieren auf das Heftigste gegen die Streichungspläne, denen kein schlüssiges Gesamtkonzept zugrunde läge.

 

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Den Wortlaut der Stellungnahme der Dozenten und der Resolution der Vollversammlung des Archäologischen Instituts finden Sie in unserem Diskussionsforum.

Durch die Streichung von drei archäologischen Fächern auf einen Schlag würde nicht nur der Wissenschaftsstandort Hamburg international abgewertet, auch die deutsche Forschungslandschaft insgesamt würde wieder ein Stück ärmer. Die kurzfristig durch diese radikale Maßnahme zu erzielenden Einsparungen würden laut offenem Brief der Dozenten zudem teuer erkauft: "Die geplanten Streichungen bedeuten Verschleuderung von langfristig akkumulierten Mitteln aus Aufkommen der Hamburger Steuerzahler: Gewachsene Kompetenz verschwände, Wissenschaftsexport müsste eingestellt werden, internationale Vernetzungen würden abgebrochen, weltweit vertriebene und gelesene Zeitschriften würden mit einem Mal eingestellt werden müssen. Hinzu kommt die drohende Vernichtung auch materieller Werte in Form von Sammlungen, Archiven und Bibliotheken."

Die Mitglieder des Archäologischen Instituts der Universität rufen dazu auf, den Widerstand gegen die Streichungen durch Stellungnahmen an den Wissenschaftssenator, den Universitätspräsidenten und den Dekan des Fachbereiches zu unterstützen.

Kommentare (14)

  • Schlabberwutz
    Schlabberwutz
    am 27.01.2004
    Einst waren wir ein Volk von Dichtern und Denkern.Nun sollen nur noch Eliteuniversitäten gefördert werden, mit Fachbereichen, die wirtschaftlich interessant sind. Ein Volk von Ameisen und Knechten. Geisteswissenschaften ade!
  • Studenten
    Studenten
    am 27.01.2004
    Grüße Aus innsbruck uns nehmen sie die Bücher und später sind unsre institute dran!!!
  • Fassungslos
    Fassungslos
    am 27.01.2004
    Ich bin entsetzt! Was ist aus einem der ehemlas bedeutensten Archaeologischen Institute Deutschlands geworden?
  • Andy
    Andy
    am 28.01.2004
    Kennt jemand den Spruch: "Wissen ist der Feind der Mächtigen"?

    Und Feinde werden ja bekanntlich mit allen Mitteln bekämpft.

    Man siehts.
  • Unglaublich
    Unglaublich
    am 28.01.2004
    Hier werden Sparzwänge vorgetäuscht, um unwirtschaftliche Institutionen zu schließen, aber auf anderer Ebene werden Mittel geradezu verschleudert.
    Einerseits wird der deutsche Bildungsstand angeprangert, andererseits sollen hier ganze Forschungsbereiche wegrationalisiert werden. Armes Deutschland...
  • Miroslav Barta
    Miroslav Barta
    am 29.01.2004
    Since the beginning of my studies in Egyptology Institute of Archaeology,Hamburg, embodied one of the principal centres of research and teaching. This is going to be an irreversible loss to us all, but especially to the German science.
    Miroslav Barta
    Assist. Prof. Czech Institute of Egyptology
    Fulbright Professor
    UPenn, Philadelphia
  • Susanne Schaedla-Ruhland
    Susanne Schaedla-Ruhland
    am 31.01.2004
    Früher habe ich am FB Vor-und Frühgeschichte in HH studiert und halte das jetzt für einen schlechten Witz!Wie kann eine Weltstadt und zweitgrößte Stadt Deutschlands auf das gesamte archäologische Institut verzichten? Hat es in HH keine Lobby, hat es kein (internationales) Ansehen mehr oder wie kommt es, dass das eigene Universiätsprä- sidium diesen FB für wertlos hält???Es gibt nur wenige Arch.Institute in Deutschland-aber sehr viele Filme im TV darüber-Interesse ist doch da!
  • am 01.02.2004
    Wissen ist MAcht
    Unwissen ist Ohnmacht
    Ein unwissendes Volk, läßt sich leicht beherrschen.
    IHR könnt jetzt heulen ODER
    IHR könnt jetzt was TUN.
  • Stefan Enste
    Stefan Enste
    am 03.02.2004
    Es ist einfach nur erschütternd! Sicher bedeutet konsequentes Sparen in vielen Fällen auch, daß liebgewordene ´Luxus-Güter´ aufgegeben werden müssen. Aber jeder, der auch nur in die Kommunalpolitik hineingerochen hat weiß, daß es unglaublich dumme Verschwendung an anderer Stelle gibt (hier nur das Reizwort ´Beratervertrag´...). Ich fürchte - auch das aus eigener Erfahrung mit Verwaltungen - daß in Wirtschaft, Politik und Verwaltung einfach zu viele vollkommen ungebildete und weitgehend bildungsresistente Leute sitzen. Und daran, so fürchte ich, kann man kaum etwas ändern - schlimm.

    Trotzdem Glück auf!

    Stefan Enste
  • Ein Kelte
    Ein Kelte
    am 11.02.2004
    Was ihr hier erlebt, sind nur die Anfänge. Wenn sich das Volk nicht auflehnt wird diese Politik noch schlimme Folgen nach sich ziehen. Leider hat das Volk nicht mehr die Macht den König und seinen Stab zu stürzen. Ich mach es wie meine Vorfahren und laß mich vertreiben, denn diesen Kampf kann man nicht gewinnen. - Ein Kelte -
  • Univ.-Prof. Dr. K. Koschel
    Univ.-Prof. Dr. K. Koschel
    am 12.02.2004
    Ich habe bereits wegen dieser unerhörten Vorgänge an den Wissenschaftssenator von Hamburg und an den Präsidenten der Universität geschrieben, nachdem ich den Vorgang aus der Presse erfahren hatte. Unsere Universitäten werden systematisch zu kommerziell orientierten Fachschulen umfunktioniert. Wahrscheinlich sind das dann die "Elite-Universitäten", wenn man damit fertig ist.
  • xaver
    xaver
    am 15.02.2004
    Für Schildbürgerstreiche,Politiker und Politikerpensionen ist genügend Geld vorhanden.
    Zuerst füllen sie sich immer die eigenen Taschen und dann schreien sie laut, es ist kein Geld mehr da.
    Auch gegen so etwas wird am 3. April demonstriert.
  • Sebastian
    Sebastian
    am 21.02.2004
    Das ist ja wieder typisch !
    An der Archäologie wird gespart, nur weil man keinen wirtschaftlichen Nutzen davon hat. Gerade Hamburg, wo es ein Fach, die Mesoamerikanistik gib, die sonst nur in Bonn zu studieren ist, soll nun aufgegeben werden. Für alles ist immmer genügend Geld da, besonders für die Politiker selbst !
  • Mario Baier
    Mario Baier
    am 29.02.2004
    Habe in den 90er Jahren in HH häufig im archäologischen Institut recherchiert. Schon damals fiel auf, dass die meisten Fachzeitschriftenbestaende Ende der 80er Jahre endeten.
    Das ganze Institut zuzumachen, ist die Konkurserklaerung geistig anspruchsloser Machtpolitiker, die nur noch im Zeitraum bis zur naechsten Wahl denken. Das Ergebnis wird ein Volk von arbeitslosen Juristen und illusionslosen Betriebswirten sein, die versuchen ebendiese Politik- Hanswursten im Rahmen von Beratertaetigkeiten zu noch mehr kulturellem Kahlschlag zu motivieren.
    Armes Deutschland!

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