Großflächige Ausgrabung im Bonner Römerlager

Auf römische Fundamente und Mauern mit einer Höhe von über zwei Metern, einen außerordentlich gut erhaltenen Abwasserkanal und ungewöhnliche Inneneinbauten in Mannschaftskasernen stieß ein Grabungsteam des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland bei großflächigen Ausgrabungen im Bonner Legionslager.

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Römischer Abwasserkanal
Blick in einen römischen Abwasserkanal. Foto: LVR

Die Ausgrabungen an der Graurheindorfer Straße wurden wegen der geplanten Erweiterung der Marie-Kahle-Gesamtschule/Nordschule notwendig. Mit einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern handelt es sich um eine der größten archäologischen Grabungen der letzten Jahrzehnte im Bonner Legionslager. In diesem Bereich befand sich die nordwestliche Ecke des römischen Militärlagers, das von 30 bis 353 n.Chr. bestand und damit eines der am längsten belegten Legionslager zwischen Remagen und der niederländischen Nordseeküste war. Auf über 27 Hektar waren hier bis zu 7.000 Soldaten stationiert. Noch heute ist das Lager im Stadtbild zwischen Rosental, Graurheindorfer Straße, Augustusring und dem Rhein am Verlauf der Straßen zu erkennen.

Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland: »Ich freue mich mit dem Grabungsteam über die sehr gute Erhaltung der antiken Befunde, da im Bereich des Bonner Legionslagers durch Überbauung vieles zerstört und tiefgründig abgetragen ist.» In dem ersten Grabungsabschnitt hinter der Schule konnte neben einer Straßenkreuzung ein Wirtschaftsgebäude freigelegt werden, das von der Unterkante der Fundamentierung bis zu zwei Reihen aufgehendem Mauerwerk mit einer Gesamthöhe von gut zwei Metern erhalten ist. Unter der Straße verlief ein großer Abwasserkanal, der quer durch das Areal freigelegt wurde. Auf der Kanalsohle sind Reste der antiken Ablagerungen erhalten.

Von Grabungen aus den Jahren 1903 bis 1905 unter dem heutigen denkmalgeschützten Schulgebäude der Nordschule ist bekannt, dass sich in dieser Ecke des Legionslagers die Kasernen der 8. Kohorte befinden. Dieses weiß man durch einen damals entdeckten Weihestein, den die Angehörigen dieser Kohorte in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts dem Gott Silvanus gestiftet hatten. In der neuen Untersuchungsfläche kamen nun die fehlenden Abschnitte der vor mehr als 100 Jahren teilweise freigelegten Gebäude zutage.

Auch im zweiten Grabungsabschnitt befinden sich Reste von Kasernenbauten. Zur Überraschung des Grabungsteams fanden sich hier zwei Wasserbecken, die im Mannschaftsteil der Kaserne normalerweise nicht zu erwarten sind. Ob es sich hierbei um eine Waschmöglichkeit für die Soldaten handelte oder ob hier handwerkliche Arbeiten wie etwa das Gerben von Leder stattfanden, können die Archäologen noch nicht sagen. Sie hoffen dazu nun auf weitere Befunde in diesem Bereich und auf die Auswertung der zahlreichen Funde.

Die Ausgräber fanden im Bereich der Kasernen u.a. einen vollständig erhaltenen Krug aus Keramik, Silbermünzen und Gewandspangen (»Fibeln«). Zu den besonderen Funden zählen auch zwei aus Knochen geschnitzte Haarnadeln mit der Büste eines mit einer Toga bekleideten Mannes (»Togatus«) und einem stilisierten Kopf. In einer Schicht mit spätantikem Brandschutt entdeckte das Grabungsteam zudem den bronzenen Besatz eines Kästchens oder Möbelstücks in Form eines Köpfchens. Der kleine, lockengerahmte Kopf wird von einer sogenannten phrygischen Mütze bedeckt mit typischem, nach vorn gebogenem Ende. Er stellt vermutlich Attis, den Sohn einer Flussnymphe, oder den Gott Mithras dar.

Silbermünzen
Silbermünzen. Foto: LVR
Bronzebeschlag
Bronzebeschlag. Foto: LVR
Haarnadeln
Haarnadeln. Foto: LVR

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