Grabung zeigt Stadtentwicklung Paderborns

Licht in noch wenig bekannte Kapitel der mittelalterlichen Geschichte Paderborns bringen Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Bei der aktuellen Ausgrabung zeichnet sich ein bislang einmaliger Fund ab: ein Wohnhaus mit etwa 200 Quadratmetern Grundfläche.

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Fußboden eines Gewölbekellers
Der Schülerpraktikant Arne Milas legt den Fußboden eines Gewölbekellers aus dem 13. Jahrhundert frei. (Foto: LWL/Sven Spiong)

"Ein solch großes Gebäude ist in Paderborn außerhalb der Domburg bislang einzigartig für diese Zeit", betont Grabungsleiter Dr. Sven Spiong. Voruntersuchungen hatten gezeigt, dass sich unter der abgerissenen modernen Bebauung ein Steinbruch des Paderborner Bischofs befand. Hier wurden bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts die Kalksteine hergestellt, aus denen ebenso geistliche wie weltliche Gebäude innerhalb der Domburg als Zentrum der Stadt entstanden.

Als die Bischöfe Paderborn eine Stadtbefestigung und damit ein ganz neues Aussehen gaben, war Baufläche innerhalb der Stadtmauern jedoch begehrt. "Der Bischof ließ den Steinbruch etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts verfüllen, um Bauland insbesondere für die Neubürger der Stadt zu gewinnen", interpretiert Spiong die Ergebnisse der Ausgrabung. In der Verfüllung des Steinbruchs an der Straße Schildern zeichnen sich schon jetzt, zu Beginn der Ausgrabung, die Grundrisse eines Steinhauses aus dieser Zeit ab. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um ein massives Gebäude mit den Resten eines prächtigen Kreuzgewölbekellers.

Eine kleine Zufahrt in den Hof des Gebäudekomplexes überbauten die nachfolgenden mittelalterlichen Generationen der Bewohner noch im 13. Jahrhundert und gaben der nun geschlossenen Hausfassade ein städtisches Aussehen. Damit bestätigen sich Erkenntnisse aus früheren Ausgrabungen: Paderborn wandelte in dieser Zeit mit einer neuen Einteilung der Grundstücke und einzelner Straßen sowie einer neuen repräsentativen Architektur sein Gesicht. Mit dem Bau der Stadtmauer 1183 kam es zur eigentlichen Stadtgründung.

Die aktuellen Ausgrabungen liefern auf rund 400 Quadratmetern Erkenntnisse zur Stadtentwicklung Paderborns und zur Entwicklung bürgerlicher Häuser des 12. und 13. Jahrhunderts. Spiong freut sich über die guten Erhaltungsbedingungen unter dem in den letzten Monaten abgerissenen modernen Gebäude: "Zusammen mit den Ausgrabungen im Kötterhagen in den Jahren 2005/2006 und im Schildern 1-7 in den Jahren 2000/2001 liegt uns eine große Fläche und somit eine gute Grundlage vor, um die Bauentwicklung in der Frühgeschichte der Stadt im 12. und 13. Jahrhundert besser verstehen zu können." Die bisherigen Metallfunde und eine große Menge an Keramikscherben versprechen außerdem gute Datierungsmöglichkeiten. Darüber hinaus geben sie einen kleinen Einblick in den bürgerlichen Alltag der Paderborner vor etwa 800 Jahren.

Zwei Monate hat das Grabungsteam jetzt Zeit, um die Mauern, Fundamente, und Schichten freizulegen, zu zeichnen und genau einzumessen. Dann entsteht hier ein modernes Geschäftshaus. Die Archäologen informieren regelmäßig direkt vor Ort über ihre Ergebnisse und den Fortschritt der Forschungen: Immer dienstags finden um 18 Uhr kostenlose öffentliche Führungen an der Grabungsstelle im Schildern 6 statt.

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