Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere nimmt Gestalt an

Spatenstich im Oktober - erste Einblicke in das Ausstellungskonzept

Die Stadt Schöningen informierte am Mittwoch über den Planungsstand des »Forschungs- und Erlebniszentrums Schöninger Speere«, wo von 2013 an die ältesten noch erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit präsentiert werden sollen.

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Landschaftsarchitektur: Topotek 1, Berlin
Das futuristisch anmutende Forschungs- und Erlebniszentrum soll ab 2013 als Landmarke für Kultur und Wissen die durch den Braunkohletagebau entstandene Landschaft prägen.

Auf drei Etagen sollen Ausstellungsräume, Forschungslabore und Werkstätten entstehen. Wie Wolf-Michael Schmid, der Vorsitzende des Fördervereins Schöninger Speere, am Mittwoch im Schöninger Schloss bekannt gab, laufen bereits die ersten Ausschreibungen für den Bau. Im Oktober soll der erste Spatenstich erfolgen, die Bauarbeiten im Dezember 2012 abgeschlossen sein. Das Land Niedersachsen stellt dafür 15 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II bereit. Die Unterhaltskosten teilen sich das Land und eine Betreibergesellschaft.

»Mit dem Speerezentrum besteht die Chance, durch das Schaffen einer kulturellen Identität den ländlichen Lebensraum aufzuwerten und eine hohe Anziehungskraft zu generieren«, sagte Schmid. Die Stadt Schöningen erhofft sich von dem Projekt positive Impulse für den spätestens mit dem Ende des Braunkohletagebaus im Jahr 2017 fälligen Strukturwandel der Region. »Die Speere waren das letzte Geschenk des Tagebaus«, sagte der Schöninger Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier bei der Vorstellung der Planungen. Ministerialdirigentin Dr. Annette Schwandner vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur ist zuversichtlich, dass das Projekt langfristig die Infrastruktur und die Wirtschaftskraft der Region stärken wird - bis zu 100.000 Besucher pro Jahr soll das neue Forschungs- und Erlebniszentrum anlocken.

Von weitem sichtbar soll sich das futuristisch anmutende Gebäude erheben, als Landmarke für Kultur und Wissen natürliche und durch den Braunkohletagebau neu entstandene Landschaft verbinden. Die Landschaft soll auch ein wesentlicher inhaltlicher Baustein des Zentrums sein. Das großzügige Gelände bietet Platz für eine Landschaft, wie sie in der Hochwarmzeit des Pleistozäns typisch war und so auch im botanischen Befund der Ausgrabungen nachgewiesen wurde: offene lichte Wälder und Wiesen grenzen an einen See unweit eines geschlossenen Laubmischwalds. Auf den steppenartigen Weiden wird eine kleine Herde Wildpferde grasen.

Herzstück des Projekts ist eine erlebnisorientierte, innovative Ausstellung, in der die Originalfunde aus Schöningen jenseits herkömmlicher musealer Präsentationsformen zu sehen sein werden. »In einem 270 Grad Kino wird eine Interpretation der Jagd auf Wildpferde vor mehr als 300.000 Jahren zu sehen sein«, erklärte der Schweizer Architekt Prof. Tristan Kobler.

Auch den Archäologen werden die Besucher quasi bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen können - Labore und Forschungswerkstätten sind wie in einem Parcours entlang des Ausstellungsrundganges aufgereiht. Dort werden die Wissenschaftler an der Auswertung der Ausgrabungen arbeiten, die noch lange nicht abgeschlossen sind - sie sollen bis mindestens 2015 fortgesetzt werden.

 

Die Schöninger Speere

Acht hölzerne Wurfspeere aus der Altsteinzeit haben das Bild der kulturellen Entwicklung des frühen Menschen nachhaltig verändert. Die urzeitlichen Jagdwaffen wurden in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts bei Ausgrabungen im Braunkohletagebau Schöningen im Landkreis Helmstedt gefunden. Mit einem Alter von über 300.000 Jahren sind sie die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt und der eindeutige Nachweis, dass bereits der Homo erectus aktiv Beute jagte und sich nicht nur von Aas ernährte. Die Schöninger Speere gehören zu den wichtigsten archäologischen Funden überhaupt.

 

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